Kultur Südpfalz Musik ist eine heilige Kunst
Rudolf Peter ist 1975 in Landau geboren und hier hat er auch seine beruflichen Wurzeln als Kirchenmusiker geschlagen. Keimzelle seines Schaffens ist die Heilig Kreuz Kirche in Landau, die auch Zentrum der Pfarreiengemeinschaft St. Augustinus ist, die vergangenes Jahr aus elf Pfarreien zusammengeführt wurde und am kommenden Sonntag, 28. August, das erste gemeinsame Pfarrfest feiert. Zu diesem Anlass hat Rudolf Peter die „Missa in honorem Sancti Augustini“ für gemischten Chor und Orchester komponiert, die beim Festgottesdienst um 10.30 Uhr uraufgeführt wird.
Nein, eine ganze Messe noch nie! Allerdings habe ich schon einfache Sätze für Liedbegleitung und letztes Jahr eine erste kleine Komposition für den Karfreitag geschrieben. Dafür habe ich mir ein Notenschreibprogramm gekauft und Lust bekommen, mich da einzuarbeiten und Neues auszuprobieren. Und so kamen sie auf die Idee, eine Messe für den heiligen Augustinus zu schreiben? Oder ist das eine Auftragsarbeit? Es ist weder ein Auftrag, noch gibt es dafür ein Budget. Die Idee wurde letztes Jahr geboren, als klar war, das Augustinus Pfarrpatron wird. Pfarrer Karsten Geeck war es wichtig, die Mitglieder aller elf Pfarreien beim Patrozinium zusammenzuführen und so suchte ich für den Festgottesdienst nach einer Messe oder einem Oratorium für den Schutzheiligen, fand aber nichts Passendes. Da meinte Pfarrer Geeck zum Spaß, dass man dann eben selbst was schreiben müsse und das hab ich ernst genommen. Dabei haben Sie Komposition nie studiert, oder? Nein, das nicht. Aber als Kirchenmusiker kennt man sich ja aus in der Harmonielehre und muss sich mit der Musik, die man macht, analytisch beschäftigen. Da gewinnt man wertvolle Erfahrungen, macht Entdeckungen, improvisiert viel und entwickelt eigene Klangvorstellungen. Diese Klangvorstellungen sind für mich die Vorstufe zur Komposition. Ich dachte mir: Warum nicht eine Messe schreiben, die mit Berücksichtigung der Mittel vor Ort genau so klingt, wie sie mir gefällt? Ihre Messe ist ja dem Heiligen Augustinus gewidmet, der von 354 bis 430 im heutigen Algerien lebte, und vom Zweifler zum Wahrheitssucher, vom Philosophen zum Bischof wurde. Widerspiegelt sich diese Biografie in der Musik? Das ist eine schwierige Frage. Irgendwo schon, denn die Musik ist ja eine Sprache, die etwas ausdrückt, was man nicht in Worte fassen kann. Auch das Ringen um den Glauben ist mit Worten nicht auszudrücken. Die Musik ist eine wortlose Art, Gefühl, Glaube, Transzendenz auszudrücken und auch meine Komposition soll eine Suche nach dem Weg zu Gott sein, genau in dem Sinn, wie Kirchenmusik früher verstanden wurde. Augustinus war jemand, der eine gewisse Offenheit hatte, auch mal zweifeln zu dürfen. Am Sonntag fand die erste Chorprobe statt. Dazu waren Sänger aus allen elf Augustiner-Kirchengemeinden eingeladen. Wieviel sind denn gekommen? War es schwer, alle unter einen Hut zu bringen? Es sind etwa 30 Mitwirkende gekommen, ich hatte eigentlich mit mehr gerechnet, aber es ist eben noch Ferienzeit, auch für die Chöre. Damit die Proben gut laufen, hatte ich mit meinen eigenen Chören in Heilig Kreuz und St. Pirmin und in Zusammenarbeit mit Clemens Kerner in Arzheim schon einen Grundstock geschaffen. Es sind ja immerhin 15 Minuten reine Musik, viele Stellen achtstimmig, mit anspruchsvollen Tempi. Alles hat gut geklappt und die Messe ist gut angekommen – besonders das Benedictus, das sehr melodiös ist. Wie setzt sich das Orchester zusammen? Es ist ein kleines Ensemble nach der Salzburger Besetzung, also zwei Violinen, Cello und Kontrabass, eine Trompetenstimme und die Orgel. Die Messe ist ja im Hinblick auf die Praxis geschrieben und soll auch im kleinen Rahmen mit wenig Möglichkeiten aufführbar sein. Ihr Nukleus ist die A- Capella-Fassung, die dann nach Belieben mit Orgel, zwei Violinen, Bassgruppe und Trompete erweitert werden kann. Gibt es schon Ideen für ein neues Projekt? Vielleicht ein Augustinus-Lied – aber dafür brauche ich jemanden, der den Text schreibt. Möglich wäre auch ein Kindermusical. Und zum Augustinusfest im nächsten Jahr soll es zu der jetzigen Messe, die eine Missa brevis ist, noch ein Credo geben. Um das zu komponieren fehlte mir einfach die Zeit. Die Zeit, die ich in die Messe gesteckt habe, sind ja meine Ferien – Weihnachts-, Oster- und Sommerferien ... hundert Stunden sind da weg wie nix! Info Die Messe wird am Sonntag, 28. August, um 10.30 Uhr beim Gottesdienst in der Augustinerkirche uraufgeführt. www.konzertorganist-peter.de | Interview: TTG