Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Musical und das Lied „Stille Nacht“ in der Festhalle

Szene aus dem Musical.
Szene aus dem Musical.

Seit mehr als 200 Jahren gehört „Stille Nacht, Heilige Nacht“ mit seiner magisch-mystischen Schönheit untrennbar zu Weihnachten dazu. Daraus entstand vor zwei Jahren das Musical „Stille Nacht, ein Notenblatt des Himmels“, das das a.gon Theater München am zweiten Adventssonntag in der Wörther Festhalle vor einem begeisterten Publikum spielte.

„Es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur das Leben“, eröffnete Erzähler Dominik Am Zehnhoff-Söns vor dem kunstvoll illuminierten Vorhang das Historienmusical. Dass das Leben die erstaunlichsten Geschichten schreibt, zeigt die wahre Geschichte über das Weihnachtslied, die im Jahr 1818 in dem kleinen, armen Ort Oberndorf bei Salzburg begann. Viel Mut und Ausdauer mussten der Komponist Franz Xaver Gruber und der Autor Josef Mohr aufbringen, bis sie „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zum ersten Mal in einer Kirche spielen und singen konnten. Denn zu ihrer Lebenszeit war die beherrschende Sprache in katholischen Kirchen immer noch Latein.

Ein Weihnachtslied in Deutsch, das die Menschen verstehen und selbst schnell singen können, war fast mit einer Revolution gleichzusetzen. Umso mehr verzauberte es die Menschen sofort und wurde schnell immer bekannter, auch, weil es ganz bewusst aus dem Dorf in die Welt hinausgetragen wurde. Das Weihnachtslied wurde von zwei Vätern erschaffen, der Text stammt von dem Hilfspfarrer Joseph Mohr (gespielt und gesungen von Marco Ascani), die Melodie von dem Volksschullehrer Franz Xaver Gruber (Michael Buchacher). Die beiden Männer wollten den Menschen in den Tiroler Dörfern, deren Leben durch harte Arbeit und Armut geprägt war, einen Lichtblick geben.

Szene aus dem Musical.
Szene aus dem Musical.

Die zarte, gefühlvolle Melodie und der Text des Liedes traf die Menschen direkt ins Herz, löste Bilder im Kopf aus und brachte Menschen, wie den Erzähler der Geschichte (Am Zehnhoff-Söns mit einer wunderbaren Erzählstimme und als Stimmgewaltiger, herausragender Tenor) dazu, ihr Leben zu überdenken. Gegenspieler von Mohr war Pfarrer Nöstler, der seinen Zorn auch in Duetten deutlich betonte. Seine Rolle übernahm Bariton David Lindermeier, der auch den Vater der Strasser-Kinder spielte und sang. Die drei Mädchen und zwei ihrer Brüder waren es, die als Schausteller-Kinder in den Wintermonaten auf Weihnachtsmärkten von 1818 bis 1835 mit ihren „alpenländischen Liedern“, darunter auch dem neu geschaffenen Weihnachtslied, Kunden anziehen sollten und bald auf großen Bühnen in Leipzig oder Berlin sangen.

Wahrlich meisterlich verkörperten die Sopranistinnen Christina und Elisabeth Tschernitz und Arianna Paumgarten die Schwestern in dem modernen Musical, sangen einfach „himmlich“ schön von der Heiligen Familie. Als das Lied in Wörth zum ersten Mal kurz vor der Pause erklang, wurde es noch stiller in der Halle, andächtig, mit Gänsehaut sangen viele in Gedanken die Zeilen mit, die fast jeder auswendig kann.

Szene aus dem Musical.
Szene aus dem Musical.

Trotz der sentimentalen, ergreifenden Geschichte rutschte das Musical nie in Richtung Kitsch ab. Dazu trug die Musik bei, die durchaus heitere, fast moderne Momente aufwies und von Georg Stampfer geschrieben wurde. Er hat das Musical auch inszeniert. Hans Müller zeichnet für das Libretto verantwortlich. Ganz schlicht war dazu das Bühnenbild gehalten. Einige Stühle und eine Bank, ein Tisch und ein Rednerpult für den Erzähler waren die wenigen Requisiten, dazu eine Plattform, eine Art Bühne auf der Bühne. Diese war durchweg nur sparsam ausgeleuchtet, Akzente setzten zum Teil Sternen-förmige Lichteffekte in der dunklen Halle und Kerzen auf der Bühne.

Die Zuschauer wurden hineingezogen in die Geschichte von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und spürten den Zauber einer friedvollen Weihnacht zumindest für einige Stunden. Und am Ende durften sie sogar eine Strophe selbst mit singen durften.

Mehr zum Thema
x