Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Museum Herxheim zeigt das Leben der Römer in der Pfalz mit Playmobil-Figuren

Peter Linn hat nicht nur Häuser und Tempel gebaut, er hat auch den Dürkheimer Steinbruch aus der Römerzeit nachgestaltet.
Peter Linn hat nicht nur Häuser und Tempel gebaut, er hat auch den Dürkheimer Steinbruch aus der Römerzeit nachgestaltet.

Die Ausstellung war in Bad Dürkheim der Renner. Jetzt kommt „Veni Vidi Playmobil“ nach Herxheim. Im Miniaturformat der kleinen Plastikmännchen ist das römische Leben in der Pfalz erstaunlich echt nach historischen Funden dargestellt.

Wie würde der Lateiner Playmobil übersetzen: Ludere mollius oder so ähnlich vielleicht? Lehrer mögen diesen Übersetzungsversuch aus den rudimentären Resten des Latinums verzeihen. Fest steht aber: Die Römer hatten kein Playmobil. Und fest steht auch: Playmobil hat zwar eine Römeredition – aber nicht mit derart vielen unterschiedlichen Typen, wie sie Peter Linn aus Böhl-Iggelheim zusammengetragen hat.

Carpe diem: In geschätzten 250 Stunden Bauzeit mit weit über 300 Figuren hat der 52-Jährige Szenen aus allen möglichen Lebensbereichen gebastelt: Stadt und Land, Tempel, Werkstätten, Handel, Militär und Straßenbau. Seit der ersten Gelegenheit zur Ausstellung in Bad Dürkheim ist die Sammlung weiter gewachsen. Was es nicht als Originalteil gab, hat Linn selbst gebaut wie den Merkurtempel, das Römerruderschiff Lusoria, dessen Nachbau in Neupotz vor Anker liegt, den römischen Steinbruch bei Bad Dürkheim und den Mitrastempel aus Gimmeldingen, den jüngsten, der in der Gegend gefunden wurde.

Manches Asterix-Zitat kommt einem in den Sinn

Um seine Arbeiten ausstellen zu dürfen, hat er die Erlaubnis des Unternehmens eingeholt. Manche Figuren wie die Legionäre hat der Spielzeughersteller in seiner Römerserie aufgelegt. Andere hat Linn mit Mini-Toga und anderen kleinen Änderungen aus anderen Serien zweckentfremdet. Er muss wohl einer der besten Kunden im Nachbestellservice der Firma sein. Für das römische Bad etwa hat er Stücke aus der Meerjungfrauen-Edition genutzt. Aus vielen Teilen zusammengesetzt ist ein Druide, der an Miraculix denken lässt. Überhaupt schießt einem angesichts der spielerischen Lehrstunde manches Asterix-Zitate in den Sinn.

Alle Details hat Linn mit Fachleuten besprochen oder Originalfunden wie dem Silberklappstuhl aus dem Rülzheimer Raubgräberfund nachempfunden – so historisch korrekt, wie das die Kunststoffteile eben zulassen. Pate standen das Gladiatorenmosaik im saarländischen Nennig, die Glasbläserei aus dem Freilichtmuseum Villa Borg im Saarland, Grabsteine, wie sie im Historischen Museum in Speyer verwahrt werden, eine Merkurstatuette aus den Reiß-Engelhorn-Museen Mannheim, Meilensteine aus Rohrbach sowie die Warnung Cave Canem (Achtung vor dem Hund) aus den Ruinen von Pompeji.

Was es mit Garum und blonden Perücken auf sich hat

Viele Informationen zu den historischen Vorbildern liefern Schautafeln. Dennoch: Um sich alle so beiläufig dargebotenen Details zu erschließen, ist dringend eine Führung zu empfehlen. Da ist zu erfahren, dass die Fischer gerade die beliebte Würzsoße Garum sieden, unentbehrlich in der römischen Küche: Sie muss wie asiatische Fischsoße geschmeckt und fürchterlich gestunken haben. Die Legionäre tragen einen Schild, den Scutum, auf dem Rücken, dessen Holz zum Schutz vor Regen in Leder eingewickelt ist. Und in den Karren der Germanen, die am Limes Handel treiben, liegen die bei Römerinnen für die Perückenherstellung so heiß begehrten blonden Zöpfe.

Schon als Kind hat sich Linn für Archäologie interessiert. In seiner Freizeit besucht er gerne Märkte wie das Eisenberger Römerfest. Hier ist die Idee zu der Ausstellung entstanden, im Gespräch mit der Leiterin des Bad Dürkheimer Stadtmuseums, Britta Hallmann-Preuß. Alles fing mit einer Römervilla und einem Kleinkastell an, die Linn für seine Kinder gebaut hat. Hinzu kamen ein Kelterhaus nach Ungsteiner Vorbild, die römische Eisenverhüttung in Eisenberg, eine Villa rustica nach Wachenheimer Vorbild, viergeschossige Stadthäuser wie in Mainz und sogenannte Steifenhäuser wie die in Bad Wimpfen.

Was macht ein rosa Teddy im Marschgepäck?

Es sind die vielen Details, die die Szenen so lebendig scheinen lassen. Für die Kelter etwa hat Linn Trauben aus Fimo gedreht und Blätter ausgestanzt, für die Terra-Sigillata-Produktion in Rheinzabern Ziegel und Teller geformt samt Abdruck der eingeschlossenen Maus – das Original gibt es vor Ort zu bestaunen. Dem Merkurtempel hat er ein Wandbild gemalt. Auch seine Tochter hat Hand angelegt und einen Römer gebastelt, der ein winziges Spiegelei brät.

Dass einem der hochgerüsteten Kämpfer auch ein rosa Teddy-Bär aus dem Marschgepäck schaut, gehört zu den vielen spaßigen Einfällen, welche die Ausstellung nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene zum Erlebnis machen. Mit etwas Entdeckerfieber lässt sich auch ein Dubbeglas in der Ausstellung finden. Doch so verlockend die Szenerien auch sind: Das Berühren der Figuren ist verboten. „Veni, Vidi, Playmobil“ ist keine Mitmachausstellung.

Termin

Ausstellung „Veni, Vidi, Playmobil“ vom 2. Oktober bis zum 28. Februar 2021 im Museum Herxheim: Do und Fr 14-19 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr.
Er hat spielerische Lehstunde gebaut: Peter Linn.
Er hat spielerische Lehstunde gebaut: Peter Linn.
Straßenbau nach Römerart.
Straßenbau nach Römerart.
Nicht ohne meinen Teddy: verstecktes Detail.
Nicht ohne meinen Teddy: verstecktes Detail.
Männerkult im Mitrastempel.
Männerkult im Mitrastempel.
Merkurtempel innen.
Merkurtempel innen.
Merkurtempel außen.
Merkurtempel außen.
Modell des Römerruderschiffs Lusoria, dessen Nachbau in Neupotz vor Anker liegt.
Modell des Römerruderschiffs Lusoria, dessen Nachbau in Neupotz vor Anker liegt.
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