Rheinpfalz Motivieren und fördern
«Waldmohr.» „Wir wollen die Leute aus der Reserve locken und versuchen, sie zu motivieren“, betont die Leiterin von Prodigialis in Waldmohr, Rosemarie Saalfeld. Das Institut kümmert sich als privater Bildungsträger um die Betreuung und Integration von Langzeitarbeitslosen. Gestern eröffnete Prodigialis seine neuen, 200 Quadratmeter großen Büroräume am Marktplatz.
Prodigialis, was aus dem Lateinischen übersetzt soviel bedeutet wie „Böses abwendend“, hat mittlerweile Standorte in Waldmohr, Kusel und Lauterecken, in denen jeweils zwei Betreuer mit pädagogischem Hintergrund arbeiten. Finanziert über Maßnahmen des Jobcenters, auf die sich das Institut in öffentlichen Ausschreibungen bewirbt, arbeiten die Mitarbeiter an individuellen Konzepten, um Arbeitslose wieder zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu holen: „Derzeit haben wir an jedem unserer Standorte 26 Leute zu betreuen, die ganz unterschiedliche Biografien und Voraussetzungen haben – kein Kunde ist wie der andere“, erklärt Saalfeld. Zweimal pro Woche werden in den Prodigialis-Räumen Schulungen durchgeführt. Dabei geht es darum, wie beispielsweise ein Lebenslauf auszusehen hat, wie man eine Bewerbung richtig aufsetzt und auf was in einem Vorstellungsgespräch geachtet werden sollte: „Wir machen auch Rollenspiele, in denen ein Vorstellungsgespräch simuliert wird. Dabei übernehmen die Kunden auch einmal den Part eines Chefs. Das dient dazu, dass sie sich auch einmal in deren Rolle hineinversetzen können.“ An den Computern der Einrichtung können die Kunden nach Ausbildungs- oder Arbeitsangeboten suchen und bei Interesse gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Bewerbung aufsetzen. Auch Recherche sei sehr wichtig. So sollten die Kunden erst einmal alles Wissenswerte über verschiedene Firmen herausfinden, denn auch das könne in einem Vorstellungsgespräch von Nutzen sein. Außerdem achteten die Mitarbeiter darauf, dass die Bewerbung zu dem jeweiligen Kunden passe: „Wenn einer keinen Bildungsabschluss hat, dann darf die Bewerbung natürlich auch nicht zu hochtrabend sein, das wirkt unglaubwürdig.“ Es komme auch schon mal vor, dass Leute gar keine Vorstellung davon hätten, was sie denn eigentlich machen könnten. Dann würden Listen erstellt mit Bereichen, die gar nicht in Frage kommen und solchen, die zumindest vorstellbar wären, erklärt Saalfeld. Häufig führe der Weg zur Integration in den Arbeitsmarkt zunächst über ein Praktikum. Durch ein im Laufe der Jahre gut ausgebautes Netzwerk habe Prodigialis viele gute Kontakte zu Betrieben und Firmen, da laufe die Vermittlung oft sehr unkompliziert, erzählt Saalfeld. Häufig kämen die Kunden bereits mit Vorschlägen, wo sie gerne ein Praktikum machen wollten, in anderen Fällen müssten diese von den Mitarbeitern vermittelt werden: „Wir haben Fälle, in denen bereits nach kurzer Zeit und nur einer Bewerbung jemand eine neue Arbeit gefunden hat. Es gibt aber auch solche, da dauert es mehrere Monate mit vielen Dutzend Bewerbungen“, weiß Saalfeld. Insgesamt liege die Vermittlungsquote mit 44 Prozent auf einem hohen Niveau, alleine im vergangenen Jahr habe man für 80 Personen eine Arbeit finden können. Prodigialis biete seinen Kunden allerdings nicht nur Bewerbertrainings, sondern vielmehr eine Rundumbetreuung. So organisiere man beispielsweise für Leute ohne ausreichende Deutschkenntnisse Sprachkurse, andere vermittele man an die Schuldnerberatung. „Ich habe auch jemandem schon ein Fahrrad besorgt, damit er auf die Arbeit fahren kann.“ Diese abwechslungsreiche Arbeit mache den Beruf auch so interessant und schön, sagt Saalfeld. Für die Hilfe bekomme man zudem auch viel Dankbarkeit. Dass Prodigialis, obwohl ein sehr kleines Institut, seit nunmehr 25 Jahren erfolgreich ist, liegt Saalfeld zufolge an der Art und der Qualität der Maßnahmen: „Wir haben einfach Zeit für die Kunden und können uns intensiv um sie kümmern, das könnte das Jobcenter gar nicht leisten.“ Die intensive und individuelle Betreuung mache dann auch erst die hohe Erfolgsquote möglich. Hinzu komme, dass es in der Region, bis auf Ikoku in Kusel, für Prodigialis kaum Konkurrenz gebe.