Kultur Südpfalz
Moderatorin Dunja Hayali kommt auf Lesetour mit ihrem Buch „Haymatland“ nach Karlsruhe
„Haymatland“ heißt das Buch der Journalistin und TV-Moderatorin Dunya Hayali. Der Buchtitel verschmilzt ihren Namen mit dem urdeutschen Wort Heimat. Damit behauptet sich die Autorin gegen häufige Anfeindungen wegen ihrer irakischen Herkunft in dem Land, in dem sie geboren wurde. „Ich bin eine Deutsche“, sagt sie, als sie ihr Buch in Mannheim vorstellt. Am 10. Oktober kommt sie damit ins Karlsruher Tollhaus.
Ein Vorfall hat Dunja Hayali besonders erschüttert. In einer Straßenbahn, erzählt sie, beschnüffelt ein Mann eine dunkelhäutige Frau, spuckt vor ihr aus und geht fort. „Gucken Sie bitte nicht weg!“, beschwört Dunya Hayali ihre zahlreichen Zuhörer in der Buchhandlung Thalia.Die Autorin, die unter anderem den Verein „Gesicht zeigen!“ unterstützt, Schulklassen aufsucht, um sie zu Zivilcourage zu ermutigen, und sich gegen Rassismus engagiert, ist in Sorge um Deutschland. Darüber hinaus auch um Europa, um die Demokratie und ihre Werte. Denn das gesellschaftliche Klima ist nach ihrer Erfahrung in den vergangenen Jahren rauer geworden. Schon Höflichkeitsfloskeln wie „bitte“ und „danke“ seien im täglichen Umgang selten geworden. Stattdessen werde eine Kassiererin im Supermarkt angeherrscht, ob sie nicht schneller machen könne, hat die in Berlin lebende Autorin bemerkt.
Sie erzählt von üblen Hass-Mails
Ihre eigenen Erlebnisse haben Dunja Hayali motiviert, „Haymatland“ zu schreiben. Seit vier, fünf Jahren erreichen sie Hass-Mails. Beschimpfungen wie „linke, grüne Dumpfbacke“ oder „Systemnutte des Öffentlich-Rechtlichen“ gehören noch zu den harmloseren. Auch Vergewaltigungs- und Mordfantasien sind darunter. Über Nörgeleien, man sie dürfe in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern, könne sie nur lachen. Denn wenn sie diese Beleidigungen und Bedrohungen ihrem Rechtsanwalt vorlege, sage der nur: „Das wirst du wohl aushalten müssen.“ Und selbstverständlich sprechen diese meist anonymen und deshalb feigen Schreiber der Hass-Mails Dunja Hayali ab, Deutsche zu sein.
„Ich bin hier geboren, ich bin eine Deutsche“, betont die ZDF-Moderatorin, die in Datteln bei Dortmund auf die Welt gekommen ist. Durch Sendungen wie „heute“, das „Morgenmagazin“ und in jüngster Zeit „Das aktuelle Sportstudio“ ist sie einem Millionenpublikum bekannt. In ihrem Buch erzählt sie, wie ihre Eltern aus dem Kriegsland Irak geflohen sind, sich in Wien kennengelernt haben und in Mainz von einem robusten, aber herzlichen deutschen Ehepaar aufgenommen wurden, als wären sie dessen eigene Kinder.
Als Mädchen war sie Messdienerin
Sie betont die liberal-konservative und menschenfreundliche Einstellung ihres Elternhauses und ihrer Erziehung, der Vater ein Arzt, die Mutter eine Pharmazeutin. Sie betont ihre christliche Prägung und erwähnt bei ihrem Auftritt in Mannheim wiederholt, dass sie als Mädchen Messdienerin gewesen ist. Sie verschweigt aber auch nicht, dass sie nach dem Selbstmord eines guten Freundes aus der Kirche ausgetreten ist. „Biodeutsche“, wie sie Mitbürger ohne Migrationshintergrund nennt, würden nicht verstehen, was es bedeute, wenn jemand hier geboren und aufgewachsen sei und plötzlich ausgeschlossen werde. Sie selbst habe an sich bemerkt, wie sie durch alle die Anfeindungen „ein bisschen paranoid“ geworden sei.
Dunja Hayali will Mut machen
Mit ihrem Buch verfolgt Dunja Hayali vor allem das Ziel, andere aufzurütteln und ihnen Mut zu machen. Zwar gebe es eine stets gleichbleibende Anzahl von eingefleischten, in ihrem Vorurteil unerschütterlichen Antisemiten. Doch es gebe auch Menschen, die sich durch Argumente noch erreichen ließen. Ihretwegen engagiere sie sich gegen Rassismus und für Demokratie und trete jenen energisch entgegen, „die das Klima unserer offenen Gesellschaft vergiften. Das Unsagbare und Undenkbare soll nicht wieder sagbar und denkbar werden.“ Herzensbildung steht für sie an erster Stelle. Diese sei jemandem zwar in die Wiege gelegt, werde aber auch durch das Grundgesetz befördert.
„Haymatland“ ist leicht und verständlich geschrieben. Bei ihrem Auftritt wechselt Dunja Hayali ständig zwischen Lesung und Erzählung. Ihre mündlichen Ausführungen nehmen dabei weitaus mehr Raum ein als die Lesungen. Denn kaum hat die vor Energie nur so strotzende Autorin einen Satz gelesen, fällt ihr auch schon etwas ein, das sie unbedingt erzählen muss. Ihr Auftritt ist denn auch lang, doch keineswegs langweilig. Nicht zuletzt trägt dazu sicherlich Dunja Hayalis Vorsatz bei, nicht den Humor zu verlieren.
Termin
Dunja Hayali „Auf Tour durchs Haymatland“ am Donnerstag, 10. Oktober, 20 Uhr, im Karlsruher Tollhaus. Karten unter www.tollhaus.de.