Rheinpfalz Mitgestalten statt zusehen

Routineaufgaben werden künftig verstärkt von Robotern oder Künstlichen Intelligenzen übernommen, sagt der Digitalisierungsfachma
Routineaufgaben werden künftig verstärkt von Robotern oder Künstlichen Intelligenzen übernommen, sagt der Digitalisierungsfachmann der IG Metall Kaiserslautern, Stefan Wolf.

Neben Arbeitgebern und Arbeitnehmern beschäftigen sich auch die Gewerkschaften verstärkt mit der fortschreitenden Digitalisierung. Für die IG Metall etwa wird das Thema immer wichtiger, sagen Bernd Löffler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern, und Gewerkschaftssekretär Stefan Wolf, der für Digitales und Industrie 4.0 zuständig ist.

„Immer häufiger hören wir, dass Arbeitnehmer Angst davor haben, was in den kommenden Jahren digital auf sie zukommt“, berichtet Bernd Löffler, der einräumt, dass die Digitalisierung bislang noch kein Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit war. Man habe allerdings erkannt, dass sie nicht nur Angestellte betreffe. Wolf: „In der IG Metall sind auch IT-Angestellte organisiert, unter anderem bei John Deere, Mobotix oder KSB.“ Löffler ergänzt: „Aber auch die Arbeiter im Blaumann bekommen das zunehmend mit.“ Stichwort: Roboter. Als Gewerkschaft sei man bemüht, die Auswirkungen der Technik auf die Arbeitnehmer zu bewerten und daraus Handlungsweisen für Betriebsräte abzuleiten, schildert Wolf: „Und zwar schon immer.“ Moderne Technik sei dank Betrieben wie Opel oder früher auch Pfaff in Kaiserslautern bereits früh ein Thema gewesen. Heute sei man in Kaiserslautern ganz nah an der Digitalisierung dran – etwa wegen der Hochschule, der Technischen Universität und den Instituten in der Trippstadter Straße. Wolf: „Wir arbeiten mit der Wissenschaft zusammen.“ Künftig würden wohl immer mehr Routineaufgaben von Robotern (in der Produktion) oder Algorithmen (in der Verwaltung oder Produktentwicklung) übernommen. Laut Wolf führt das dazu, dass Routine-Betätigungen in etlichen Jobs wegfallen. „Das bedeutet, dass die Aufgaben, die übrig bleiben, schwieriger und anstrengender werden.“ Zusätzlich nehme die psychische Gefährdung wegen der Verdichtung der Arbeit zu. Daraus leitet Löffler ab, dass eine gute Ausbildung und die Weiterbildung der Arbeitnehmer immer wichtiger werden: „In den Betrieben müssen Freiräume zur Qualifizierung geschaffen werden.“ Niemand solle auf der Strecke bleiben. Löffler und Wolf kündigen an, dass Digitalisierung ein wichtiger Punkt für Betriebsräte ist, in den Seminaren für neugewählte Betriebsratsmitglieder solle das Thema verstärkt aufgegriffen werden – von der Arbeitsplatzgestaltung bis zum Arbeitsschutz. Der Prozess der Digitalisierung muss zwingend gestaltet werden, appelliert Wolf auch an die Betriebsräte: „Sonst kommen Menschen unter die Räder.“ Die IG Metall wolle künftig versuchen, die Betriebsräte für diese Aufgabe fit zu machen, sagt Löffler. Die wüssten am besten, was in den Unternehmen gut und was schlecht laufe. Als Gewerkschaft spiele man auf drei Ebenen, fasst Wolf zusammen: „Der individuelle Ansatz ist, dass sich die Arbeitnehmer selbst fortbilden und auf dem aktuellen Stand halten. Der mittlere Ansatz ist, dass die Betriebsräte sich engagieren und den Prozess begleiten. Auf der Makro-Ebene, der nationalen Ebene, kann die IG Metall auf die Politik einwirken, wo Gewerkschaftsvertreter in verschiedenen Gremien mitarbeiten“, erläutert der Funktionär. Wie weit die Digitalisierung in einem Unternehmen fortgeschritten sei, lasse sich von außen kaum beurteilen, schildert Wolf: „Ich kenne beispielsweise einen erfolgreichen Mittelständler in Kaiserslautern, bei dem noch jede einzelne E-Mail ausgedruckt wird.“ Umgekehrt könne hinter unscheinbaren Fassaden mit High-Tech-Geräten gearbeitet werden. Das zeige, wie wichtig eine konstruktive Zusammenarbeit der Gewerkschaft mit Betriebsräten sei – und letztlich auch mit den Arbeitgebern. „Die Räte wissen, wie es in ihrem Betrieb zugeht“, betont Löffler.

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