Rheinpfalz Mit Krieger und Clown

Mannheim. Der chinesische Garten im Mannheimer Luisenpark feiert dieses Jahr zehnten Geburtstag. Zu diesem Jubiläum ist gestern die Ausstellung „Marionetten, Stabpuppen, Schattenfiguren“ eröffnet worden.
Da kann und darf man staunen: Wenn Thomas Wang zwei chinesische Handpuppen miteinander kämpfen lässt, dann wirkt es so, als würden die Figuren nicht durch Luft, sondern durch Wasser tanzen. Immer rascher kreisen die Puppen umeinander, während sich die Waffen kreuzen, ohne einander jemals zu berühren. Man weiß dann sofort, warum das Puppentheater in China und Taiwan beliebt ist, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Zum zehnten Jubiläum des Freundeskreises „Chinesischer Garten mit Teehaus“ gibt es nun eine kleine, aber feine Ausstellung. Parkdirektor Joachim Költzsch: „Manche Marionetten sind 80 bis 100 Jahre alt und haben 16 bis 24 Fäden, wesentlich mehr als die Marionetten im Westen.“ Das Puppentheater hat in Asien eine lange Tradition. Zunächst wurde es nur im Palast des Kaisers und in den Häusern sehr reicher Bürger gezeigt, später auf Märkten und sogar in Freudenhäusern. „Es gibt fünf Standard-Charaktere“, so die Heidelberger Sinologin Kaja Müller-Wang, die gerade an ihrer Promotion arbeitet. Da sind die Puppen für die männliche und weibliche Hauptrolle, beide sind weise und verfügen über ein sanftes, gütiges Wesen. Dann gibt es den mutigen Krieger, den weisen, alten Mann mit Bart und den Clown, der für die Lacher beim Publikum zuständig ist. Einige Stücke werden wieder und wieder gespielt, die Zuschauer kennen teilweise den Text auswendig und murmeln ihn während der Aufführung mit. So ein Stück ist zum Beispiel „Die Reise in den Westen“. Damit ist nicht der Aufbruch in die USA gemeint, sondern nach Indien, wo die Reisenden nach den Ursprüngen des Buddhismus’ suchen. Es ist aber auch durchaus erlaubt, moderne Stücke aufzuführen oder gar selbst zu erfinden. So schreibt Thomas Wang kleine Stücke für Handpuppen, mit denen seine Schüler die taiwanesische Sprache üben können. Zu Beginn eines Stücks stellt sich jede Puppe mit einem eigenen Gedicht vor. Kaja Müller-Wang zitiert das Gedicht einer attraktiven, jungen Puppen-Dame: „Schon immer war schönen Frauen ein schlechtes Schicksal beschert – alleine auf dem Kissen schlafend, seufzen sie in Einsamkeit – von unbarmherzigen Schicksal geschüttelt – doch ich bin entschlossen, mich in die Höhle des Löwen zu begeben, und meines Vaters Güte zu erwidern.“ Zum Puppen-Drama gehört die passende Musik. Im Süden bevorzugt man viel Gesang, im Norden eher Trommeln und nördlich des Yangtse sind Einflüsse der Peking-Oper spürbar. Der Umgang mit den Puppen will gelernt sein. Oft dauert die Lehrzeit drei bis vier Jahre. Bei manchen Stabpuppen lassen sich nur die Arme bewegen, doch bei anderen Puppen kann man die Augen öffnen und schließen, den Mund öffnen oder mit den Händen fest zugreifen. Der Wert einer Puppe richtet sich sowohl nach den Möglichkeiten ihrer Beweglichkeit wie auch nach der Kostbarkeit ihres Gewands. „Wichtig ist die Gestaltung der Gesichter und Hände“, so Költzsch, „meist dauert die Herstellung eines Kopfes zwei bis drei Monate.“ Wer die fremdartigen Figuren der Ausstellung betrachtet, glaubt das sofort. Für den Aufbau der Präsentation war Mitarbeiter Oskar Sand zuständig, zu den Leihgebern gehören Sammler wie Christopher Fuhn aus Heidelberg.