Kultur Südpfalz Mit Geduld zur Gemeinsamkeit

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Sein Ziel für die nahe Zukunft fasst Johann-Ardin Lilienthal, der neue Kantor des neuen Bezirkskantorat Bad Bergzabern-Germersheim, ganz unspektakulär unter ein knappes Motto: „Zusammenführung der beiden Orte“. Bezogen ist das auf die evangelische Kirchenmusik in Bad Bergzabern und Germersheim, die es als Organisationseinheit bislang nicht gegeben hatte.

Da Pirmasens einerseits und Speyer andererseits ihrer „Satelliten“ enthoben wurden, steht für den 26-jährigen gebürtigen Westfalen ein „jungfräulicher“ Wirkungskreis zur Verfügung. Mit Gestaltungskraft, Fantasie und sicher auch einiger Geduld hofft der frisch examinierte Kirchenmusiker dieser spannenden Aufgabe und den Ensembles, die mit ihm tätig sind, Profil und Strahlkraft zu geben. Unter den jetzt 15 Bezirkskantoren der Evangelischen Kirche der Pfalz ist Johann-Ardin Lilienthal der jüngste Amtsinhaber. Bei „Null“ indes hat er nicht beginnen müssen, wie er versichert, „da ist ja von beiden Kollegen zuvor wunderbare Arbeit geleistet worden“. Seit Anfang Oktober probt Lilienthal mit dem Chor, der Mitglieder aus den beiden südpfälzischen Gemeinden nebst Umland zusammenfasst. Zu seinem Einführungsgottesdienst am 8. November in der Kandeler Georgskirche wird die Bach-Kantate 150 „Nach Dir Herr verlanget mich“ zur Aufführung kommen. „Es macht Freude“, bekennt er, die Menschen seien fantastisch auf ihn zugegangen. „Und ich denke, wir werden bald mit weiteren Sängerinnen und Sängern eine funktionsfähige Bezirkskantorei etablieren können, ohne dabei gewachsene Strukturen antasten zu müssen.“ 1989 in Lemgo als Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter – beide früh verstorben – geboren, hat Johann-Ardin Lilienthal bereits in jungen Jahren etliche kirchenmusikalische Felder beackert. Die Orgeldienste reichen zurück in die Schulzeit, während des Kirchenmusikstudiums in Detmold, Köln und Bayreuth bei zum Teil namhaften Professoren wie Johannes Geffert und Matthias Neumann war er permanent im Einsatz als Chorleiter und Organist – oder probierte, wie 2010, gerade mal 21-jährig, mit den Vokalsolisten der Barockakademie Detmold oder den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben als Stimmbildner und Studienleiter. Bei der Motette in der Leipziger Thomaskirche stand der junge Kirchenmusiker 2008 und 2009 am Pult des Thomanerchors. Lilienthal ist zudem künstlerischer Leiter der Cantabile Chorwerkstatt Bayreuth. Dem Singen komme bei ihm zentrale Bedeutung zu, bekennt er: „das ist neben der ,Taste’ meine große Leidenschaft.“ Der frönt er in gleich mehreren hochklassigen Vokalensembles, und hat sich außerdem als Countertenor vor allem in und um Köln einen Namen gemacht. Eine deutliche Affinität gerade zur Alten Musik läge also nahe. Aber Lilienthal wehrt gleich ab. „Das Spektrum an Sakralmusik in seiner Gesamtheit ist viel zu interessant und unerschöpflich.“ Auf Vorlieben für Epochen und Komponisten wolle es sich daher nicht festnageln lassen. „Jede Musik ist gute Musik, wenn sie gut gemacht ist“, so sein Credo. Natürlich hoffe er, bald eine gut besetzte Bezirkskantorei und damit, neben dem schlicht liturgischen Auftrag, auch die Möglichkeit zu haben, die großen Oratorienwerke konzertant aufführen zu können. Die Nachwuchsarbeit hat der junge Kantor ebenfalls fest im Visier. „Ein Kirchenmusikalisches Seminar vor Ort – bislang bei den Landauer oder Speyerer Kollegen ausgelagert -, ein Schülerstamm also, muss allmählich aufgebaut werden.“ Prächtig funktioniere bereits die Kindersingschule in Zusammenarbeit mit den Kitas. Auch der Kinderchor in Bad Bergzabern berge noch etliches an Potenzial. Der Kontakt zu den Eltern, ihr Engagement stimme ihn zuversichtlich. Einen gesamtkirchlichen Auftrag gibt es zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden im Elsass. Auch da weiß der neue Mann am Pult, dass er auf solidem Fundament der Aktivitäten seines Bergzaberner Vorgänger Maurice Croissant aufbauen kann. Gut gelaunt versichert es zum Schluss, dass er die landschaftlich liebliche Pfalz, mehr noch die kontaktfreudige Offenheit ihrer Bewohner und die herzliche Aufnahme auch in der neuen Heimatgemeinde Minderslachen als ein ganz wunderbares „Rundum-Begrüßungspaket“ empfunden habe. „Ich bin gespannt auf alles, was noch werden wird.“ Info Der Gottesdienst zur Einführung von Bezirkskantor Johann-Ardin Lilienthal ist am Sonntag, 8. November, 14 Uhr, in der St. Georgskirche Kandel. Eine Werkeinführung zur Bach-Kantate 150“ gibt es bereits am Vortag, 20 Uhr, im Gemeindehaus. (gp)

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