Rheinpfalz Mit der Kunst am Ende?
«Bad Dürkheim.» Bevor der Dürkheimer Kunstverein nächstes Jahr 40 wird, droht dem 225 Mitglieder zählenden Verein das Aus. Schon jetzt gibt es nur ein Rumpfprogramm und es fehlt an ehrenamtlichem Personal für den Vorstand. Nur ein Vorstandsmitglied will am 17. Mai erneut kandidieren. Der Verein wirft der Stadt mangelnde Unterstützung vor.
Bei seiner Neujahrsrede hat Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) die Kurstadt sogar als Eventstadt gerühmt. Von Kulturstadt sprach er nicht. Ein Stück Kultur könnte tatsächlich wegbrechen, wenn sich beim Kunstverein keine Bewerber für den Vorstand finden und er aufgelöst würde. Schon jetzt gibt es nur ein begrenztes Programm bis zur Mitgliederversammlung im Mai: Keine Ausstellung in diesem Jahr, auch der Limburg-Preis wird wohl nicht vergeben. Viele loben den Verein gerade für seine hochkarätigen Künstler, die er zu den beiden jährlichen Ausstellungen immer wieder in die Provinz holen konnte. Die aktuellen Schwierigkeiten haben mehrere Gründe. Von den fünf Vorstandsposten des Vereins ist schon jetzt einer unbesetzt, im Mai wird nur noch die langjährige Stellvertreterin Lucia Cornelius-Horstmann (62) wieder antreten. Vorsitzender Fred Baumgartner (65) will sich nach zwei Jahren aus privaten Gründen zurückziehen, wie er sagt. Vor zwei Jahren sah es schon einmal schwierig aus, bevor dann der Rentner und frühere BASF-Chemiker Baumgartner, der Kontakte zur Berliner Kunstszene hat, den Vorsitz von Heidi Gronegger übernahm. Ein Jahr später kündigte er bereits sein Ausscheiden für 2018 an, die Mitglieder rief er mehrfach zur Initiative auf. Passiert ist offenbar nichts. Von den 225 Mitgliedern seien nur „15 bis 20 aktiv“, sagte Baumgartner im RHEINPFALZ-Gespräch, der große Rest genieße die Angebote. Von der Stadt fühlt sich Baumgartner – zumindest ideell – allein gelassen. Scharf kritisiert er vor allem Kulturdezernentin Heidi Langensiepen (FDP), die es in sechs Jahren gerade einmal zu einer Vernissage des Kunstvereins geschafft habe. „Immer hat sie interne Veranstaltungen wie Musikschule als Entschuldigung vorgeschoben. Sind wir denn Externe? Weniger wichtig?“, fragt Baumgartner provokativ. Auch Bürgermeister Glogger habe „im Wahlkampf das Hohelied der Kultur“ gesungen, sich danach aber „nur noch einmal blicken lassen“. Glogger und Langensiepen sind selbst Mitglied im Kunstverein. Baumgartner beklagt auch die äußerst unterschiedliche städtische Förderung der knapp 180 Dürkheimer Vereine. Der Kunstverein erhalte jährlich 767 Euro, während etwa das Theater an der Weinstraße, aus dessen Reihen ein früheres Vorstandsmitglied im Kulturbüro der Stadt arbeitet, rund 28.000 Euro bekomme. Finanziell stehe sein Verein jedoch gut da, betonte Baumgartner. Der Bürgermeister zeigte sich sehr verwundert angesichts der Vorwürfe. Auf Nachfrage schrieb er, dass man die Zahlen „nicht direkt vergleichen kann, weil es beim Theater an der Weinstraße um Aufbauten auf der Limburg geht, die auch andere Veranstaltungen nutzen“. Dem Verein bot er Gespräche an. Die Dezernentin sagte, sie fühle sich „nicht für jeden Verein im Kulturbereich persönlich verantwortlich“. Städtische Veranstaltungen gingen vor. Und: Das Verhältnis mit Baumgartner sei „nicht einfach“. Eines von zwei Treffen führte zum Streit, wie von beiden zu hören ist. Auch der Limburg-Preis, eine alle drei Jahre von der Stadt vergebene Literatur-Auszeichnung, die der Kunstverein organisiert, sorgt für Zündstoff. Die Stadt stiftet das Preisgeld (4000 Euro), der Verein trägt die Organisation sowie weitere 3700 Euro und stöhnt unter der Arbeit, die in der aktuellen Situation nicht leistbar sei. Die Stadt wiederum hält die Attraktivität des seit 1991 existierenden Preises für „überbewertet“. Und nun? Viele würden einen Untergang des Kunstvereins bedauern, gerade auch Künstler wie der Dürkheimer Karl Seiter oder Wolfgang Sautermeister aus Mannheim, der mit Bad Dürkheim künstlerisch verbunden ist. Er mahnt aber auch „neue Ideen, neue Orte“ an. Eine Fusion mit dem Kulturverein Wachenheim, mit dem bisher eine eher lose Kooperation besteht, sehen weder die Wachenheimer noch die Dürkheimer bislang als Lösung. Gesucht werden Menschen, die sich engagieren. Eine Kurstadt „ohne“ Kunstverein fände auch die Kulturdezernentin „etwas peinlich“.