Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Mit 50 hat sich Arnhild Noack mit der Kunst noch mal ganz neu erfunden

Arnhild Noack hat daheim in Jockgrim Zeugnisse aus allen Entwicklungsschritten, die sie bisher durchgemacht hat.
Arnhild Noack hat daheim in Jockgrim Zeugnisse aus allen Entwicklungsschritten, die sie bisher durchgemacht hat.

Der Blick folgt den Weinreben entlang Richtung Horizont, und die Stille der winterlichen Landschaft ist geradezu spürbar. Arnhild Noack hat die Weite und die Ruhe des Weinbergs perfekt eingefangen, auf ihre ganz eigene Weise. Wie alle Künstler malt die Jockgrimerin mit Farbe und Form. Aber auch mit Steinen und Licht.

Angefangen hat alles, als Arnhild Noack sich nach einer gesundheitlichen Krise mit 50 Jahren noch einmal neu erfunden hat. Nicht zum ersten Mal. Geboren wurde sie 1944 in Lenauheim in Rumänien. Als junge Frau zog sie in die nächstgelegene Großstadt, nach Temesvar. Dort verliebte sie sich in einen jungen Mann aus Deutschland.

Wie aber aus dem damals sozialistischen Rumänien herauskommen? Mutig fuhr die junge Arnhild in die Hauptstadt Bukarest, zu einer Audienz bei Machthaber Ceausescu – und erhielt danach tatsächlich einen Reisepass. Es folgte eine lange glückliche Ehe. „Mein Mann hat mich immer unterstützt“, sagt Arnhild Noack.

Stammgast auf Schrottplätzen

Nach der Zeit als berufstätige Mutter zweier Töchter stürzte sie sich mit 50 in das Abenteuer Kunst und belegte kurzerhand über Jahre hinweg alle Kurse, die in der Herxheimer Kunstschule Villa Wieser angeboten wurden. Zeichnen, Aquarellmalerei, Porträt, Bildhauerei, sogar Schweißen lernte sie. Wie sich ihr Können und Wissen erweiterte, änderte sich auch ihre Arbeitsweise. Winterliche Landschaften in feinsten Farbnuancen und die intensiv farbigen Landschaftsimpressionen aus Italien hängen im Treppenhaus und erzählen von ihrer künstlerischen Entwicklung, ebenso wie die anmutige liegende Frauenfigur aus Sandstein in ihrem Garten.

An das Schweißen, wichtig für die Gestaltung von Objekten aus Schrott, erinnern die charmanten Sonnenblumen in ihrem Garten, ebenso wie das treffend unter anderem aus Heugabelelementen zusammen gesetzte Flamingopaar. Ihren Chor hat Noack aus Kugeln und langgezogenen Dreiecken verewigt, und durch die angeschweißten Arme an einer Zange die typische Haltung des Chorleiters wiedergegeben. Die Künstlerin war eine Zeit lang Stammgast auf Schrottplätzen, immer auf der Suche nach Zahnrädern, Schaufeln und anderen Metallgegenständen, aus denen sich etwas machen ließ. Bis zu dem Tag, an dem ihr die Flex aus der Hand glitt. „Das hätte böse ausgehen können“, erinnert sich Arnhild Noack.

Bei Kunstharz bleiben nur drei Minuten für Korrekturen

Impulse für ihre Kunstwerke bekommt die Noack aus der Natur. Von langen, zahlreichen Spaziergängen durch die Pfälzer Weinberge stammen viele ihre neueren Arbeiten. In ihrem Atelier unterm Dach des Wohnhauses in Jockgrim leuchtet hier geheimnisvoll ein alter Rebstock in seiner Hülle aus Kunstharz auf, dort wächst aus einem knorrigen Rebstock ein Kopf, gegossen in kristallklarem Harz und zigfach geschliffen und poliert.

Noack beherrscht den Umgang mit Kunstharz inzwischen virtuos, denn so einfach wie man denkt ist dieses Material keineswegs. Die Temperatur beim Gießen muss stimmen, und das nicht nur in der Gusswanne, sondern auch in der Umgebung. Die Menge muss zum Objekt passen, die Bestandteile müssen im richtigen Mischungsverhältnis zueinander stehen. Und dann kommt eine weiß überzogene Harzschicht heraus, die erst durch den richtigen Schliff transparent und lichtdurchlässig wird. Noack hat jahrelang damit experimentiert, denn einmal gegossen, bleiben nur noch drei Minuten, dann ist das Harz schon zu fest um noch etwas zu ändern.

Ansichtskarten auf Marmor

Vor einem fein strukturierten, glasartigen Hintergrund bringt Arnhild Noack ihre Inspirationen aus der Natur stimmungsvoll zur Geltung, ob es winterliche Gräser sind oder an Blüten erinnernde, farbige Elemente. Das Spannende an ihren Arbeiten ist das Spiel mit dem Licht, das die Werke aufleuchten oder geheimnisvoll wirken lässt.

Natur und Landschaft zaubert Noack auch auf Steine. „Die Idee kam mir, als ich Bruchsteine aus Granit und Marmor sah. Den Marmor habe ich sogar selbst in Carrara geschlagen“, erzählt sie. Auf diese Steine bringt sie eigene Landschaftsaufnahmen auf. Jede dieser „Ansichtssachen“ ist einmalig in ihrer Form. Die kleinen „Ansichtssachen“ in Kopfsteinpflastergröße haben eine Blindbohrung und können, einzeln oder in Serien, an die Wand gehängt werden.

„Ich bin zufrieden“, sagt Noack. Sie kann auf ihre Töchter und erwachsenen Enkel zählen. Und darauf, dass ihr die Ideen nie ausgehen werden.

Gerne spielt Arnhild Noack in ihren Arbeiten heute mit dem Licht.
Gerne spielt Arnhild Noack in ihren Arbeiten heute mit dem Licht.
Ihre „Ansichtssachen“ sind Bilder auf Stein.
Ihre »Ansichtssachen« sind Bilder auf Stein.
In Kunstharz hat Arnhild Noack ein Buch mit Pfälzer Sagen eingegossen.
In Kunstharz hat Arnhild Noack ein Buch mit Pfälzer Sagen eingegossen.
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