Eisenberg „Meister Lampe“ wird immer seltener
Nach einer neuesten Erhebung mit durchschnittlich 15 Hasen pro 100 Hektar sei der Bestand an Feldhasen stabil, teilte der Landesjagdverband mit. Hier am Donnersberg wurden in einem Referenzrevier jedoch lediglich vier Hasen für dieselbe Fläche ermittelt. Damit stellt sich die Frage, wer wohl in Zukunft die Ostereier bringt, wenn es vielleicht schon bald keine Hasen mehr gibt? Stabilität bedeute in der Mitteilung des LJV aber lediglich, dass sich die Hasenbestände – unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede – auf niedrigem Niveau eingependelt hätten, wie Pressereferent Günther D. Klein bekennt. Tatsächlich haben die Feldhasenbestände deutschlandweit in den letzten Jahrzehnten rapide abgenommen. So sank in Rheinland-Pfalz die Gesamtstrecke von 12.376 Hasen im Jagdjahr 2000/01 auf 3913 in 2017/18. Die Älteren können sich noch an Zeiten erinnern, in denen ihnen „Meister Lampe“, wie der Hase in der Fabel genannt wird, schon an den Ortsrändern und in den Gärten begegnete. Die meisten Kinder kennen zwar den Osterhasen aus Schokolade, jedoch einen richtigen Hasen in der Feldflur haben viele noch nie gesehen. Der Hase und Ostern Aber woher kommt eigentlich der Osterhase? Und vor allem, warum bringt er die Ostereier? Beide Fragen sind nicht eindeutig zu beantworten. Schon in der Antike wurde der Hase verschiedenen heidnischen Gottheiten als Symboltier zugeordnet. Ihnen galt er als Götterbote und wie das Ei als Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit. Im Frühjahr bekommen die Hasen sehr viel Nachwuchs. Die Menschen orientierten sich früher an diesem Zeichen der Natur, sie wussten, der Winter ist vorüber. Da Ostern in diese Jahreszeit fällt, wäre zu vermuten, dass sich der Hase im christlichen Mittelalter als österliches Symboltier neben dem Osterlamm durchsetzte, zumal er auch bei Ambrosius im 4. Jahrhundert n. Chr. als Sinnbild für Leben und Wiedergeburt galt. Daneben war es in der katholischen Kirche schon früh Tradition, zu Ostern gefärbte Eier zu weihen. Offensichtlich verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte die Symboliken von Hase und Ei zu einem gemeinsamen Osterbrauch. Immer weniger Feldhasen Der Feldhase lebte Jahrhunderte lang in der menschlichen Kulturlandschaft. Obwohl er immer bejagt wurde, war er nie in seinem Bestand gefährdet. Aber offensichtlich ist in den vergangenen Jahrzehnten da etwas aus den Fugen geraten. Seit Ende der 1960er Jahre fielen die Besätze unaufhaltsam. Als Hauptschuldigen hat man die moderne, voll mechanisierte Landwirtschaft – Kreiselmäher und chemische Pflanzenschutzmittel inklusive – mit ihren großflächigen Monokulturen ausgemacht. Wildkräuterreiche Ackerrandstreifen, Brachen, Hecken und kleine Feldgehölze, die dem Hasen vielfältige Nahrung und Versteckmöglichkeiten geboten hatten, verschwanden weitgehend. In der ausgeräumten Landschaft wurde das Niederwild auch zur leichten Beute für das Raubwild, dessen intensive Bejagung Kreisjagdmeister Klaus Weber fordert, soweit es das Jagdrecht zulasse. Der Kreisjagdmeister bedauert, dass gerade im Frühjahr und Frühsommer, wenn die Junghasen besonders schutzbedürftig seien, deren ärgste Feinde nicht bejagt werden dürfen. Und nicht zu vergessen seien die vielen Wildschweine, die sich ebenfalls an Junghasen vergreifen würden. Weber nennt aber auch nasse und kalte Frühjahre sowie verschiedene Wildkrankheiten als mitverantwortlich für das Seltenwerden des Feldhasen. Oft Verzicht auf Jagd In den Streckenmeldungen der Jagdbehörde wurden für den Donnersbergkreis im Jagdjahr 2017/18 insgesamt 123 Hasen ausgewiesen, davon 53 als Fallwild. Fünf Jahre zuvor konnten noch 238 und im Jagdjahr 2000/01 sogar 353 Hasen registriert werden. Da in vielen Revieren schon seit geraumer Zeit freiwillig auf die Bejagung des Feldhasen verzichtet wird, können diese offiziellen „Wildnachweisungen“ allerdings nicht als Grundlage für die Bestandsschätzungen dienen. Die Zahlen des LJV hingegen basieren auf den Erhebungen des bundesweit agierenden Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands. Hierbei zählen jeweils im Früh- und Spätjahr Jäger in 460 Referenzgebieten die Feldhasen auf festgelegten Strecken nachts im Licht von Scheinwerfern. Die anschließend von Wissenschaftlern ausgewerteten Daten werden dann auf andere Regionen hochgerechnet, wie Günther D. Klein verdeutlicht. Verbesserung der Lebensräume Aber trotz der positiven Bestandsentwicklung in Rheinland-Pfalz scheint es, als mache sich „der Krumme“, wie der Feldhase in der Jägersprache auch bezeichnet wird, in der Donnersberger Landschaft weiterhin rar. Nach Kreisjagdmeister Weber seien zwar in ein paar Feldrevieren des östlichen Landkreises immer wieder Hasen zu sehen, in den Waldrevieren würde man aber fast vergeblich nach ihnen suchen. Der Ilbesheimer Landwirt und Jagdrevierpächter Hilmar Knobloch kann in seinen privaten Aufzeichnungen bis auf das Jagdjahr 1960/61 mit einer Strecke von 174 Hasen zurückgreifen. Von da an seien die Jahresstrecken permanent zurückgegangen auf durchschnittlich 30 bis 50 Hasen um die Jahrtausendwende. Bei seiner letzten Jagd im November 2009 konnten noch zehn Hasen erlegt werden, seither sei „Hahn in Ruh“, wie das Jagdende in der Jägersprache genannt wird. Das Überleben des Feldhasen rund um den Donnersberg ist also keinesfalls gesichert, auch wenn Jäger und Landwirte mittlerweile viel Engagement zur Verbesserung der Lebensräume für das Niederwild aufbringen. Mit dem Verschwinden des Feldhasen würde auch die Symbolfigur für den beliebten Osterbrauch verloren gehen. Vielleicht stehen dann aber schon andere Tiere mit ähnlicher Symbolkraft in den Startlöchern, die zu anderen Zeiten und an anderen Orten schon einmal die Ostereier bringen durften: Fuchs, Kuckuck, Hahn, Huhn … Und was spräche eigentlich gegen den Storch, der in Thüringen diese Aufgabe lange vor dem Osterhasen wahrnahm, und der gerade dabei ist, den Donnersbergkreis als Lebensraum für sich zurückzugewinnen?