Interview: Horst Lichter mit "Herzenssache" auch in Neustadt und Saarbrücken "Mein Studium war mein Leben"

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Er hat das Kochen von der Pike auf gelernt, aber auch schon in einer Brikettfabrik und auf einem Schrottplatz geackert. Zwirbelschnurrbart und rheinischer Dialekt sind seine Markenzeichen. Warum es nicht selbstverständlich ist, damit eine Fernsehkarriere zu schaffen, und was es mit seinem Live-Programm „Herzenssache“ auf sich hat, verriet Fernsehkoch und „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter LEO-Redakteurin Gisela Huwig im Interview.

Für mich ist es ja ein „Träumchen“, mit Ihnen telefonieren zu dürfen. Aber wir haben leider nur wenig Zeit. Sie sind eng getaktet. Nervt die Fragerei an solchen Tagen nicht irgendwann?

Ich hätte wirklich gerne mehr Zeit und ich würde meine Gesprächspartner sogar lieber persönlich treffen, was leider eben auch am Zeitfaktor scheitert. Mir ist wichtig, dass die Leute sehen, dass ich ehrlich bin und wirklich alles so meine, wie ich es sage. Das geht einfacher, wenn man sich gegenübersitzt und sieht, mit wem man es zu tun hat. Okay, dann möchte ich den Spieß zuerst mal rumdrehen: Haben Sie vielleicht eine Frage an mich, sowas wie: Was Sie schon immer über Redakteure wissen wollten, aber nie zu fragen wagen …? Wie ist das eigentlich, wenn der Chefredakteur einem so ein Interview aufs Auge drückt? Da kann ich nur sagen, ich habe Glück: Ich darf mir die Leute aussuchen, mit denen ich meine Interviews führe. Das macht mir dann immer richtig viel Spaß. Aber Ihnen machen Auftritte doch sicher mehr Spaß als Interviews? Ich habe das große Glück, wenige Dinge machen zu müssen, die mir keinen Spaß machen. Deshalb schaffe ich überhaupt erst das Pensum. Ich werde oft gefragt, wie ich das alles hinkriege. Das geht eben deshalb, weil ich es gar nicht als Arbeit oder Last empfinde. Schwer ist es immer nur eine halbe Stunde vor den Live-Auftritten. Ich kann nicht tanzen, ich kann nicht singen – ich frage mich dann immer, warum diese ganzen Leute mich eigentlich sehen wollen.  Sie haben gerade ihr großes Pensum angesprochen. Sie haben ja so gut wie jedes Hobby und sogar Ihren Beruf sozusagen fürs Fernsehen zum Beruf gemacht haben. Was machen Sie denn noch in Ihrer Freizeit zur Entspannung? Ich habe noch so viele Leidenschaften. Zum Beispiel Oldtimer. Die will ich schon seit Jahren gerne ins Fernsehen bringen… Dann ist Ihre wahre Leidenschaft und Ihr größtes Hobby vielleicht doch, Dinge, die Sie mögen ins Fernsehen zu bringen…? (lacht). Nein, im Ernst. Ich schraube für mein Leben gerne. In der Garage gemütlich schrauben, eine Tasse Kaffee und eine Zigarette – da bin ich richtig glücklich. Schrauben Sie wirklich selbst? Ja, ich schraube immer noch liebend gern selbst. Ich würde gerne auch noch die passenden Ausbildungen dafür machen, noch mehr lernen, zum Beispiel KFZ-Mechatroniker und Schreiner… Auch wenn es speziell mit den Oldtimern und Ihnen im Fernsehen bisher noch nicht geklappt hat, so haben Sie doch enorm viele Formate, die Ihnen wie auf den Leib geschneidert scheinen, etwa auch „Bares für Rares“, wo es ja auch um alte Schätze geht. Wie ist das denn gekommen? Es war wohl eine Mischung aus Glück und Eigeninitiative. Dazu gehört viel Fleiß. Gleichzeitig wollte ich mich aber nie verbiegen. Als ich zum ersten Mal bei „Kerners Köche“ aufgetreten bin, mit all den Sterne-Köchen, da habe ich trotzdem Wert darauf gelegt, das zu kochen, was ich selbst am liebsten mache. Und weil ich zudem Spaß daran habe, die Menschen zum Lachen zu bringen, habe ich mich eben so gegeben wie ich bin. Produzent und Sender haben in dieser Kombination das Potenzial für ein neues Format erkannt. Ich habe keine höhere Schule, ich habe nicht studiert, mein Studium war mein Leben. Und verbiegen will ich mich auch nicht. Sie mussten mich also so nehmen, wie ich bin. Auch mit meinem Dialekt. Da haben Sie aber auch schon wieder Glück gehabt, dass es der rheinische Dialekt ist und nicht der sächsische, oder? Ja, das ist bestimmt ein großes Glück (lacht). Aber tatsächlich ist es auch mit rheinischem Dialekt nicht selbstverständlich. Ich hatte mal ein Angebot wo man mir sagte, dass ich zwei Bedingungen erfüllen müsse: Mein Schnurrbart wäre zu old-fashioned, da müsse ich was machen. Und ich müsse Hochdeutsch lernen. Weil ich beides nicht wollte, scheiterte der Deal. Na, die werden sich heute auch fragen, ob das nicht mal eine Fehlentscheidung war… Ganz bestimmt. Da denkt zumindest der Entscheidungsträger sicher noch manches Mal dran. (lacht) Heute haben Sie ja wirklich viele bundesweite „Baustellen“. Man macht das Fernsehen an und sieht – Horst Lichter. Und dann kommt jetzt auch noch ein Bühnenprogramm, das heißt „Herzenssache“. Ist das Programm für Sie ein ganz besonderes oder warum heißt es „Herzenssache“? Es ist tatsächlich etwas ganz Besonderes für mich. Ich gebe in dem Programm viel von mir persönlich preis. Den Namen hat keine Agentur und kein Management kreiert. Der kommt von mir. Die Idee dazu hatte ich schon lange im Hinterkopf. Ich erzähle Dinge, die mir selbst sehr nahe gehen. Das war bei den ersten Shows nicht ganz einfach. Da stand ich auf der Bühne und habe geweint. Am Ende habe ich es aber immer wieder geschafft, dass wir alle zusammen Tränen gelacht haben. Das ist mir auch wichtig. Ich möchte gerne die Menschen berühren, aber ich möchte kein Mitleid. Warum ist es Ihnen diese Art Seelenstrip so wichtig auf der Bühne? Ich glaube, ich habe das Grundbedürfnis, dass die Menschen mir glauben, mich ernst nehmen, sehen dass ich echt bin, dass das alles stimmt, was ich erzähle. Vielleicht muss man Wunden öffnen, um auch das offenzulegen. Wenn man immer der Clown ist, glauben einem manche vielleicht am Ende nicht mehr. Gibt’s trotzdem fürs Publikum auch wieder was zu essen? Es wird keine Kochshow, aber ich werde zufällig ausgewählte Leute aus dem Publikum zu mir auf die Bühne holen, und die können dort gemütlich speisen. Ich will sie dort aber nicht etwa auf die Schippe nehmen. Das ist eine ernst gemeinte Einladung. Sie kommen auf Ihrer Tour auch in die Pfalz. Kennen Sie regionale Spezialitäten? Was halten Sie davon? Und weil sich Saarländer und Pfälzer ja immer so schön kabbeln: Welche regionale Küche hat für Sie die Nase vorn? Diese Kabbeleien gibt es in allen Regionen. Das kennt man auch von Köln und Düsseldorf. Da braucht es nur ein bisschen Toleranz von beiden Seiten. Ich kenne von beiden Küchen das ein oder andere. In der Pfalz habe ich ja schon den Saumagen-Orden bekommen. Dafür hatte Frank Elstner mich vorgeschlagen. Er hat gemeint, das sei eine liebe und nette Veranstaltung mit lieben und netten Menschen, ein kleiner Verein in einer kleinen Halle. Das sei ganz toll. Und so war es dann auch. Ich muss allerdings zugeben, eine saarländische Spezialität fällt mir gerade nicht ein… Ich denke, Ihr Flaggschiff ist sicher nach wie vor „Lafer, Lichter, Lecker“. Und Sie haben Ihren Johann ja ganz gut im Griff mit Ihrem Witz und locken ihn auch ganz schön aus der Reserve. Ist das Drehbuch oder wirklich spontan? Da ist null Drehbuch dabei. Das können Texter im Vorfeld gar nicht so schreiben. Wir wissen vorab nur die Rezepte, und wir wissen, wer als Gast kommt. Der Rest passiert spontan. Nun mal Hand aufs Herz: Ist Johann Lafer vielleicht nicht doch ab und zu wirklich ein bisschen eingeschnappt, wenn er sich nicht mehr an den Tisch zum Essen setzt, sondern sich französisch verabschiedet? Wie kriegen Sie das denn wieder hin hinterher? Ohne den gegenseitigen Respekt voreinander hätten wir nicht zehn Jahre lang zusammen diese Sendung machen können. Die Grenzen sind klar: Ich überlasse dem Sternekoch das Feld des Superkochens. Da ordne ich mich unter. Er überlässt im Gegenzug mir das Feld, witzig zu sein. Trotz des Erfolgs werden wir Ende des Jahres mit der Sendung aufhören. Man soll dann aufhören, wenn die Leute das noch bedauern. Wenn man zu lange weitermacht, wird das Ende unwürdig. Das wäre, wie eine Stelle zu lange zu streicheln, an der es eigentlich gut tut. Dann tut’s am Schluss nur noch weh. Wenn man diese Kochshows im Fernsehen sieht, wirkt das alles so leicht und locker. Beim Nachkochen wird’s schon schwieriger. Und wer gar deshalb den Beruf des Kochs anstrebt, könnte ganz schön Augen machen, denn Koch kann doch eigentlich schon ein echter Knochenjob sein, überhaupt die Arbeit in der Gastronomie, oder? Welche Voraussetzungen muss man denn unbedingt mitbringen, wenn man diesen Beruf ergreifen will? Wer diesen Job machen will, der muss die Menschen lieben. Und er muss ein Realist sein und von vornherein die Nachteile sehen. Als Koch hat man kein gesellschaftliches Leben. Man muss am Wochenende arbeiten, man steht jeden Abend am Herd. Da bedarf es der Disziplin. Außerdem müssen angehende Köche gehorchen können. Das ist ganz wichtig. Wer glaubt, er kann toll kreativ kochen und dann schön kreativ das Gericht vom Chef verändern, der muss mit einer negativen Reaktion rechnen… Köche werden physisch und psychisch schwer beansprucht. Das muss man sich vor Augen halten, wenn man den Beruf ergreifen möchte. Für mich ist es trotzdem ein Traumberuf, wenn man es gerne machen will und bereit ist, die Nachteile dafür in Kauf zu nehmen. Das sind die harten Lehrjahre. In keiner Sparte kommt man gut an, ohne jemals geprobt zu haben. Nehmen Sie zum Beispiel Helene Fischer. Die arbeitet seit Jahrzehnten jeden Tag hart an sich, trainiert ihren Körper und ihre Stimme. Das ist richtig harte Arbeit. Und die ist wichtig, um etwas zu erreichen. Das ist auch beim Kochen so. Leider gilt natürlich nicht der Umkehrschluss, dass jeder, der hart an sich arbeitet, auch automatisch etwas erreicht. Zum Erfolg des Kochs gehört ja auch der Genießer. Ich habe kürzlich die These gelesen, Essen sei die moderne Religion. Was ist da dran? Ja, es wird heute tatsächlich zur Religion gemacht. Ich halte das für sehr gefährlich. Egal auf welcher Seite. Das Problem ist sicher einerseits, dass wir maßlos geworden sind. Andererseits sollten aber auch Veganer nicht dauernd versuchen, andere zu bekehren. Und jeder sollte bei aller Überzeugung doch auch ehrlich bleiben. Info Mit „Herzenssache“ kommt Horst Lichter auch in die Region: Fr 22.4., Trier, Europahalle; So 24.4., Neustadt, Saalbau; Mo 25.4., Saarbrücken, Saarlandhalle; Mo 23.5., Stuttgart, Liederhalle; je 20 Uhr, Karten: 01806 570070, für Neustadt auch unter 0631 37016618.

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