Rheinpfalz Mehr Raum für Schwergewichte
Tonnenschwer und meterlang: Die Maschinen, die in der früheren Schuhfabrik stehen, werden immer komplexer, größer, schwerer. Zu mächtig für die gemieteten Räume der Atom Stanz- und Schneidesysteme GmbH, die deshalb 2016 eine Halle bauen und nach Pirmasens umziehen wird. Dies soll auch technische Präsentationen erleichtern. Wie zum Beispiel für ein Fachforum der Dichtungsindustrie, zu dem diese Woche 40 Experten aus ganz Deutschland anreisen.
Im Frühjahr soll mit dem Bau einer Halle begonnen, Ende 2016 umgezogen werden. So plant es Christopher Thornhill, Geschäftsführer der deutschen Tochter des italienischen Maschinenbauers Atom (wir berichteten kurz am 23. September). Eine Summe im einstelligen Millionenbereich dürfte dafür fließen. Gebaut wird auf der Husterhöhe in Pirmasens, weil dort Fläche für die 1300 Quadratmeter zur Verfügung stand, begründet Thornhill den Wegzug aus Rodalben, wo seit etwa 16 Jahren italienische Maschinen verkauft werden. Mit der Vergrößerung um etwa 300 Quadratmeter einher geht eine verbesserte technische Einrichtung. Allein schon dafür, um die immer zahlreicher werdenden Schwergewichte unter den Maschinen selbst bewegen zu können – bisher habe man bei der Anlieferung externe Firmen damit beauftragen müssen, sagt Thornhill. Auch die beengte Zufahrt zur alten Fabrik im „Tälchen“ habe dies nicht gerade einfach gemacht. Drei Tonnen wiegt zum Beispiel der große Schneidetisch, der automatisch nun mehrere Arbeitsgänge erledigt, für die zuvor einige Handgriffe notwendig waren: Er holt sich von einer Palette eigenständig eine Material-Platte, zieht diese auf einem Band nach vorne und schneidet dann die gewünschten Teile aus, mit zwei Schneideköpfen. Brandsohlen für Schuhe werden hier ausgeschnitten, um die 9000 Paar können in acht Stunden fertig sein – mehr als an herkömmlichen Maschinen. Einsetzbar ist eine solche Maschine aber auch in anderen Branchen, zum Beispiel in der Dichtungsindustrie. Für Thornhill ein großer Vorteil, denn damit seien sie breit aufgestellt – „ein gesundes Geschäft“, stellt er fest. Dies ist umso wichtiger, als das Geschäft mit der Schuhindustrie im Laufe der Jahre an Bedeutung verloren hat. Dessen Anteil am Gesamtumsatz, der 2014 bei rund 6,5 Millionen Euro lag, betrage inzwischen nur 15 bis 20 Prozent, stellt Thornhill fest – andere Bereiche wie die Dichtungsindustrie seien hingegen gewachsen. Deswegen werde auch die Tätigkeit der 1999 gegründeten Rodalber Molina e Bianchi Schuhmaschinen GmbH – damit begann die Entwicklung des Rodalber Handelshauses im Wesentlichen – bald eingestellt. Maschinen dieser Marke würden weiterhin vertrieben, dann aber als Handelsware unter dem Dach der Atom Stanz- und Schneidesysteme GmbH. Die deutsche Tochter des italienischen Produzenten Atom verkauft und wartet Atom-Maschinen von Rodalben aus in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn, derzeit mit elf Beschäftigten. Mit dem Umzug könnte die Belegschaft noch leicht aufgestockt werden. Die vor allem in Deutschland starke Dichtungsindustrie spielt für Atom eine große Rolle, wie Thornhill erklärt; hier sei der italienische Produzent Marktführer. Und deren Produkte würden in zahlreichen Branchen eingesetzt: in der Chemiebranche ebenso wie im Lebensmittelbereich oder in der Elektronikindustrie. So stünden beispielsweise zwei Schneidetische von ihnen auch bei BASF. Verkauft wurden sie nicht direkt an das Chemieunternehmen, sondern an einen technischen Händler; solche Fachhändler handelten mit allem, was rund um Sicherheit und Arbeitsschutz benötigt werde – von der kleinen Dichtung bis zur Schutzbekleidung. Ein solcher Händler habe die Anlagen an die BASF geliefert, wo sie im Werkstattbereich eingesetzt werden für schnelle Reparaturen. Denn an Sondermaschinen seien auch Dichtungen oft keine genormte Standardware, so Thornhill. Für Reparatureinsätze vor Ort hätten sie auch eine mobile Serviceeinheit entwickelt, die zum Beispiel in Raffinerien eingesetzt werde. Doch nicht nur Sondermaschinen sind gefragt. Der Trend gehe dahin, hat Thornhill beobachtet, auch genormte Standard-Dichtungen wieder verstärkt hier herzustellen und etwa weniger in China – um Materialqualität sicherzustellen. Um Dichtungen wird sich auch Ende der Woche alles drehen, wenn 40 Mitglieder der Fachgruppe Dichtungstechnik des Verbandes Technischer Handel aus ganz Deutschland nach Rodalben kommen werden: Bei der Atom-Tochter findet der technische Teil ihrer Jahrestagung statt. Schlafen und weitertagen werden die Fachleute allerdings in Landau, bedauert Thornhill. Denn dafür hätten die hiesigen Kapazitäten nicht ausgereicht – auch nicht in Pirmasens. (tre)