Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Max Raabe und das Palast Orchester in der Schwarzwaldhalle

Max Raabe
Max Raabe

Max Raabe und das Palast Orchester gastierten mit dem neuen Programm „Hummel streicheln“ in der Karlsruher Schwarzwaldhalle.

Damals wollte man den Problemen des Alltags entfliehen, gern mit flotten Tanzrhythmen. Zu den teils sehnsüchtigen, teils witzigen Texten sorgen Tango, Charleston, Foxtrott, Wiener und Englischer Walzer für Laune. Gedichtet und komponiert oft von jüdischen Künstlern, die nach 1933 nicht mehr gespielt werden durften. Max Raabe holt diese Stücke und die Namen der Künstler seit 1986 aus dem Vergessen ins Rampenlicht. Als zusätzliche Würze kommen ein paar angelsächsische Swing-Nummern aus dieser Zeit dazu, und großzügig streuen Raabe und das Palast Orchester auch neue, eigens für ihn und mit ihm komponierte Stücke ein.

Jede Nummer erhält dabei ein eigenes, ganz typisches Arrangement, in dem die Mitglieder des Palast Orchesters glänzen können. Das Sousafon, das aussieht, als würde es seinen Spieler umschlingen wie eine Boa constrictor, brummt gemütlich. Flinke helle Glanzlichter steuern die Trompeten bei, sanft singt die Klarinette, das Schlagzeug wirbelt virtuos, perlende Läufe des Klaviers und die seelenvolle Intensität des Violinspiels von Cecilia Crisafulli, seit Jahren die einzige Frau im Palastorchester, ergeben ein immer wieder neues, abwechslungsreiches Klangbild.

Ebenso charmant wie schnöselig

Die Beleuchtung taucht den Sänger in tiefen Schatten, wenn er nur als Silhouette erkennbar am Flügel lehnt und dem glanzvollen Spiel des Orchesters den Vortritt lässt. Und doch hängt alles an Max Raabe, seiner einzigartigen Begabung, ebenso charmant wie schnöselig die Stücke anzusagen und mit herrlicher Ironie zu kommentieren. Mit perfekter Stimmführung von der Brust- bis in die Kopfstimme und exakter Aussprache, so dass man ohne Übertitel jedes gesungene Wort versteht, zelebriert Raabe die Stücke. Gern mit ironischer Distanz, was der mit viel orientalischem Orchesterkolorit angereicherten Verführung durch „Salome“ gut bekommt.

Klassiker sind dabei wie „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ oder „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, die Raabe nie in Kitsch oder Pathos abgleiten lässt.

Die modernen Songs sind oft zauberhafte Alltagsvignetten. Niemand kann so elegant die Freude am Fahrradfahren besingen wie Max Raabe in „Fahrrad fahr’n“. Oder so lässig entspannt verkünden „Der perfekte Moment wird heut verpennt“. Und, wie immer, ohne eine Miene zu verziehen, in der Vorstellung schwelgen, eine Hummel zu streicheln, eine von den dicken, weichen… Texte wie die Idee, „…mit Tieren kommunizieren“ sind die ebenbürtigen Nachfolger älterer Raabe-Hits wie „Klonen kann sich lohnen“. Aber nicht alle neuen Lieder sind so fantasievoll und verspielt. Dunkel in der Klangfarbe und ernst gemeint beschreibt der Sänger in „Ans Herz gehen“ musikalisch die Vorstellung von inniger Verbundenheit zwischen zwei Menschen.

Zwischen dem Lebensgefühl gestern und heute

Eine Brücke zwischen dem Lebensgefühl heute und dem der gar nicht so guten alten Zeit zwischen den Weltkriegen schlagen Raabe und das Palast Orchester mit „Ein Tag wie Gold“. Lebenshunger, durchtanzte Nächte, immer am Rand des Abgrunds, das Stück war ideales Intro für die vierte Folge der TV-Serie „Babylon Berlin“, die in den Jahren vor und während der Machtergreifung Hitlers spielt.

Die meisten Lieder, ob alt oder neu, handeln natürlich von Liebe und Herzschmerz, von Max Raabe mit makelloser Intonation und Augenzwinkern serviert. Dazu der klangsatte, rhythmisch federnde Sound des Palast Orchesters, so konnte man auch in der Karlsruher Schwarzwaldhalle eine „Nacht wie Samt und Seide“ erleben, und sich bei den Zugaben an der ausgefeilt lässigen Version von „Mein kleiner grüner Kaktus“ freuen.

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