Rheinpfalz
Mannheimer Kindervesperkirche hat wieder ihre Türen geöffnet
„Wir sorgen heute alle gemeinsam dafür, dass rund 160 Kinder eine schöne Zeit haben“ – Jugendpfarrer Oliver Seel stimmt die Helfer der Mannheimer Kindervesperkirche in Waldhof ein. Seit Montag hat das Mittagessen- und Spielangebot wieder geöffnet. Bis zum 15. Dezember setzt die evangelische Kirche in der Quadratestadt damit einmal mehr ein Signal.
Schon lange vor den ersten Kindern sind die Helferinnen und Helfer da. Die Küchenmannschaft ist ein eingespieltes Team aus rund zehn Leuten. „Und die meisten sind dabei, seit es dieses Angebot gibt“, sagt Organisatorin Ruth Würfel, „Viele kommen bereits um 10 Uhr. Dann trinken wir erstmal gemeinsam Kaffee“, erzählt Iris. Wie alle anderen Helfer trägt auch sie einen Anstecker, auf dem nur der Vorname steht – damit die Kinder wissen, mit wem sie es zu tun haben. Das erste, was Ruth mir deshalb überreicht, ist mein gelbes Namensschild. „Wer einen Button hat, der muss arbeiten“, sagt sie lachend. Erst danach erhalte ich die Arbeitsschürze.
Nur Udo Scholz hat weder das eine noch das andere. Der Hallensprecher der Mannheimer Adler begrüßt die Kinder, repräsentiert, wie an jedem Tag, den Verein „Adler helfen Menschen“, größter finanzieller Träger der Veranstaltung. Danach trinkt auch Udo einen Kaffee. Den hat Sascha gekocht, Hausmeister der Jugendkirche und unverzichtbares Bindeglied. Um kurz nach 10 Uhr fährt der auch schon los ins Thomasheim im Stadtteil Neuhermsheim. Dort nämlich wird das Essen für Kinder, Lehrer und natürlich die Schülerinnen und Schüler gekocht, die es den Gästen der Kindervesperkirche an den Platz bringen oder im Anschluss zusammen mit den Kindern spielen und basteln.
Um 11 Uhr startet die Essensausgabe
Käsemakkaroni mit Tomatensoße gibt es an diesem Tag, Salat und als Dessert einen Früchtejoghurt. Das kommt als Punktlandung. Während am Haupteingang schon die ersten Schulklassen auflaufen, schieben Sascha und Hans-Jürgen vom Seiteneingang her die Warmhaltebehälter mit dem Essen ins Kirchenschiff. „Wir haben heute eine Förderschule und zwei Grundschulen zu Gast“, erklärt Ruth, begrüßt die Kinder und beruhigt: „Es gibt für alle genügend zu essen.“ Und dann endet die Ruhe vor dem Sturm abrupt. Die Kinder sind da.
Um 11 Uhr startet die Essensausgabe. Hans-Jürgen und Robinah übernehmen. „Stell dich mal da hin und gib das Essen aus.“ Ein Schlag Makkaroni, eine Kelle voller Soße und dann reiche ich die Teller an die Schüler der Humboldtschule weiter, die den Kindern an diesem Tag das Essen servieren. Denn auch der Service ist wichtiger Bestandteil des Konzepts. Die Kinder sind Gäste von älteren Schülern und Erwachsenen.
In der Spülküche geht es rund
Aber zunächst wird gesungen. Ecki hat die Gitarre dabei, singt gemeinsam mit allen Besuchern das Kindervesperkirchen-Lied, in dem der Tagesablauf komprimiert zusammengefasst ist. „Wir essen, basteln, spielen.“ Und Spaß haben natürlich auch alle. Auch die Helfer hinter der Theke. „Ich habe in der großen Vesperkirche angefangen“, erzählt Helmut aus Neckarau. Aber vier Wochen Arbeit am Stück wurden dem Rentner im Alter zu viel. „Dann hat man mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei der Kindervesperkirche zu helfen.“ Und so ist der heute 80-Jährige von Anfang an mit dabei, ist wichtiger Helfer in der Spülküche.
Die ist früh gefordert. Denn kaum sind alle Essen ausgegeben, kommen auch schon die ersten benutzten und meist restlos leergegessenen Teller wieder zurück. Vorreinigen, einsortieren und schon brummt die Spülmaschine, wird mit schmutzigem Geschirr gefüttert und spuckt dafür Teller, Becher und Besteck blitzblank wieder aus. Das muss jetzt nur noch abgetrocknet und wieder einsortiert werden. Natürlich nicht nur ein Fall für mich als einmalige Aushilfe, vielmehr schnappt sich jeder, der eben noch anderweitig Beschäftigten ein Handtuch, sortiert Teller wieder ein, oder bringt die Trinkbecher zurück in die Ausgangsposition bei der Getränkeausgabe.
Jede Station einmal durchlaufen
Getan ist die Arbeit damit aber noch lange nicht. Immerhin muss das Besteck gleich noch für den nächsten Tag vorbereitet werden. „Man nimmt eine Gabel und ein Messer, schlägt die Serviette einmal unter, klappt das Ende ein und wickelt dann das Bündel“, erklärt mir Iris. Auch Gerlinde und Burkardt helfen bei der eintönigen Arbeit mit und entlassen mich danach: „Du hast jetzt jede Station einmal durchlaufen. Damit hast du die Kindervesperkirche wirklich erlebt“, sagen sie.
Schade eigentlich, denn so darf ich weder einen Wollengel basteln noch ein Papier-Rentier bemalen und auch das Kerzenziehen findet ohne mich statt. Dafür erhalte ich die ultimative Belohnung aller Helfer, denn nach getaner Arbeit bekommen auch die noch ein Mittagessen. Denn, wie Ruth Würfel versprochen hatte: „Essen ist genug da.“