Rheinpfalz
Mannheim: Universitätsklinikum stellt neues Notfallzentrum vor
Wenn es in einem Krankenhaus um Leben und Tod geht, ist Schnelligkeit ein entscheidender Faktor. Die Erweiterung der Notfallversorgung ist auch nötig, weil viele Patienten ihre gesundheitliche Verfassung falsch einschätzen.
Kurze Wege, schnelle Behandlung, mehr Flexibilität: Mit einem Integrierten Notfallzentrum reagiert die Universitätsmedizin Mannheim auf den gestiegenen Bedarf der Notfallversorgung. 1,7 Millionen Euro sind in eine Notfallpraxis, einen zweiten Schockraum, eine Notfall-Computer-Tomographie (CT) und eine zentrale Aufnahmestation investiert worden. Diagnostik und Sofort-Behandlung können somit an Ort und Stelle durchgeführt werden. Binnen acht Monaten war die Erweiterung im laufenden Betrieb abgeschlossen.
Die Ausdehnung der Notfallversorgung ist auch die Antwort auf einen bundesweiten Trend. Immer mehr Menschen würden bei akuten, medizinischen Problemen direkt das Krankenhaus satt den Hausarzt aufsuchen. „Seit gut zehn Jahren steigt auch bei uns die Zahl der Notfallpatienten jährlich um drei bis fünf Prozent“, sagt der ärztliche Leiter Joachim Grüttner. Mittlerweile sei man bei rund 50.000 Patienten pro Jahr angelangt. Doch nicht immer handele es sich dabei um Notfälle, bei rund 20 Prozent liege eine Fehleinschätzung der eigenen gesundheitlichen Probleme vor, bis hin zu Ängsten, die durch „Dr. Google“ noch gesteigert würden. Doch auch mangels Hausärzten vor Ort wenden sich viele offenbar direkt ans Krankenhaus.
Ressourcen-Verschwendung
„Jeder hat das Recht, uns aufzusuchen. Aber die Versorgung der wirklich Schwerverletzen leidet zum Teil darunter. Unsere Ressourcen sind nicht dafür gedacht“, ergänzt der medizinische Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennes. Dank des Notfallzentrums könne sich das Personal der Uni-Klinik nun gezielt darauf einstellen. Patienten würden gesichtet, nach Dringlichkeitsbedarf kategorisiert und dann entsprechend weitergeleitet, heißt es. Wertvolle Sekunden und Minuten, die Leben retten können.
„Die Hochrisikopatienten liegen uns verständlicherweise am meisten am Herzen“, erläutert Grüttner. Infusionsbesteck, Mullkompressen, Notfall-Medikamente, Desinfektionsmittel und Katheter: Die Schubladen im neuen Schockraum sind allesamt beschriftet. Hier werden die Patienten im Notfall wiederbelebt und operiert, nur einen Raum weiter wird im CT die Diagnostik gestellt. Der röntgenbasierte Computer-Scan habe sich zum unverzichtbaren Standard entwickelt. Ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie: Binnen Sekunden kann die richtige Behandlung eingeleitet werden.
Pflegekräfte bilden sich weiter
Auch die zentrale Aufnahmestelle wurde neu eingerichtet. Zwölf Betten stehen für eine kurzstationäre Betreuung bereit. Nach einer Gehirnerschütterung kann dort zum Beispiel der Zustand des Erkrankten zwölf bis 24 Stunden überwacht werden. „Danach entscheidet sich, ob sie wieder nach Hause können oder stationär aufgenommen werden müssen“, erklärt Grüttner. Um eine höhere Flexibilität in der Patientenlenkung zu erreichen, ist im Notfallzentrum zudem eine hausärztliche Notfallpraxis sowie ein ärztlicher Bereitschaftsdienst integriert. „Aber das bedeutet nicht, dass wir in Konkurrenz zu den Hausärzten treten. Es ist nur ein ergänzendes System“, betont Geschäftsführer Hennes.
Doch nicht nur in Räume und Ausstattung, auch in das Personal wurde investiert. Um die Ärzte, aber auch die Patienten zu entlasten, absolvierten elf Pflegekräfte eine Weiterbildung zur Notfallpflege. „Sie bewegen sich auf der Schnittstelle zwischen Intensiv- und Normalstation. Das ist eine besondere Herausforderung“, betont Pflegedirektorin Yvonne Dintelmann.
20 Kilometer Kabel verlegt
Vor einer großen Aufgabe standen auch Bauleiter Thomas Schumacher und sein Team. Die vor zehn Jahren zuletzt als chirurgische Ambulanz genutzten, aber seit zehn Jahren leerstehenden Räumen mussten technisch auf den neuesten Stand gebracht werden, ohne den empfindlichen Krankenhausbetrieb zu stören. „Da konnte man nicht mal eben so den Strom abstellen“, sagt Schumacher. Allein 20 Kilometer Kabel mussten in dem 650 Quadratmeter großen Bereich verlegt werden.
Noch Fragen?
Bereits 1701 wurde in Mannheim ein „Nothaus“ errichtet. 1924 ging das Krankenhaus am Neckarufer in Betrieb, durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt. 1974 erfolgte der Bau von „Haus 2“ mit seinen Operationssälen. Dort ist auch das Integrierte Notfallzentrum untergebracht.