Karlsruhe Magisches Mondlicht: Caspar David Friedrichs „Felsenriff“ gefragt wie nie

Caspar David Friedrichs „Felsenriff am Meeresstrand“ von 1824
Caspar David Friedrichs »Felsenriff am Meeresstrand« von 1824

Caspar David Friedrichs Bild „Felsenriff am Meeresstrand“ bleibt noch den Februar über in Karlsruhe. „Zum Glück“, sagt Pressereferentin Daniela Sistermanns. Besonders viele Anfragen erhalte die Kunsthalle von Schulklassen.

Eigentlich hätte das Bild schon vor einer Woche Karlsruhe Richtung Berlin verlassen sollen für die Ausstellung „Unendliche Landschaft“ zum 250. Geburtstag des Greifswalder Malers ab 19. April in der Alten Nationalgalerie, und von dort von 2025 nach New York als Leihgabe ans Metropolitan Museum. Kein Wunder: Mit seinem magischen Mondlicht über den imposanten Felsen gehört das kleinformatige Bild, das fast ganz in Blautönen gehalten ist, zu den großen Gemälden des Romantikers.

Hamburg, Dresden, Berlin, New York – alle großen Museen wollten das Bild für ihre Ausstellung zum Caspar-David-Friedrich-Jahr. Das Konzept der Berliner Ausstellung sagte den Karlsruhern am meisten zu, sagt die Kuratorin Leonie Beiersdorf. Gehöre das „Felsenriff am Meeresstrand“ doch in die Gruppe der nordischen Landschaften Friedrichs. Das Bild sei eng verwandt mit dem etwa zeitgleich 1823/24 entstandenen berühmten Friedrich-Gemälde „Das Eismeer“ mit den sich bizarr auftürmenden Eisschollen.

Ein echter Hingucker

Die Kunsthistorikerin liebt das Bild: „Das ,Felsenriff’ ist unglaublich schön und kompakt.“ Es sei stimmig komponiert und besitze mit seinem Mondlicht einen echten Hingucker. Woher die Inspiration stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, dass Friedrich als Vorlage eine Druckgrafik des englischen Künstlers William Cooke von der Isle of Wright hatte. „Allerdings sind Friedrichs Landschaften selten vollkommen nachvollziehbare Naturdarstellungen. Der fromme Protestant Friedrich malte Gottes Schöpfung respektvoll in einer ganz eigenständigen Ästhetik, ohne sie zu verherrlichen“, sagt Beiersdorf.

Fans von Caspar David Friedrich aus der Region haben also noch ein wenig Zeit, sich sein „Felsenriff“ im ZKM anzuschauen. In einem Lichthof des historischen Industriebaus ist die Kunsthalle während ihrer Sanierung mit einem Teil der Sammlung untergekommen. Eigene Führungen zum großen Jubiläumsjahr seien nicht geplant, sagt Sistermanns. Das Gemälde sei aber Teil der Führung zu den Höhepunkten der Sammlung, die auch digital möglich ist.

Caspar David Friedrichs „Kirchhofpforte“ von 1822
Caspar David Friedrichs »Kirchhofpforte« von 1822

Das „Felsenriff am Meeresstrand“ hat die Kunsthalle digitalisiert und mit einer Beschreibung online gestellt. Auf der Homepage ist zu lesen, was das Gemälde so wirkungsvoll macht: „Die Größe der Bäume im Vordergrund verweist auf die gigantischen Ausmaße des Felsenriffs und setzt einen Maßstab für die Größenverhältnisse im Bild. Mit diesem wichtigen Detail gelingt es dem Künstler, das kleine Format inhaltlich aufzuladen.“ So vermittle das Gemälde trotz seines kleinen Formats den Eindruck von erhabener Naturgewalt.

Nicht angefragt für eine der zahlreichen Ausstellungen im Caspar-David-Friedrich-Jahr wurde ein zweites Bild des Künstlers, das die Karlsruher Kunsthalle besitzt: „Kirchhofpforte“ von 1822. Es zeigt den Friedhof vor einer kleinen Kirche. „Ein sanft ansteigenden Pfad führt auf ein Tor zu, durch das man auf zwei Kreuze blickt. Die Stimmung ist herbstlich kühl. Die Bäume, die den schmalen Weg säumen, sind unbelaubt, die Farben reduziert. Kein Mensch ist zu sehen.“ Das Bild thematisiere eine Schwelle: „zwischen einem dunkleren Diesseits und einem Jenseits der Pforte im Licht“, ist auf der Homepage der Kunsthalle zu lesen.

Nach Karlsruhe kam es 1943 – ein Kaufdatum, bei dem gleich Warnlampen angehen. Aber bislang haben sich bei der Provenienzprüfung keine Verdachtsmomente ergeben, dass es sich um NS-Raubkunst handelt. Auch nicht beim „Felsenriff“, sagt die Kuratorin Beiersdorf. Es wurde erst 1950 angekauft.

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