Rheinpfalz Lutz Eichholz aus Kaiserslautern ist auf dem Einrad in der Wüste unterwegs
Lutz Eichholz, einer der besten Einradfahrer der Welt, kann es nicht lassen. Mit dem Einrad durch die Wüste Jordaniens war der jüngste Akt des Kaiserslauterers. Das Abenteuer Familie sei für ihn dennoch ungleich schöner, sagt Eichholz, plant aber bereits die nächste Einradtour. Vom höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo, will er die Abfahrt wagen.
Was hat Lutz Eichholz nicht schon alles hinter sich. Zugspitze, Dolomiten, Alpen, Island, Neuseeland, Chile oder den 5671 Meter hohen Damavand im Iran. Überall ging es mühevoll hoch und auf dem Einrad jonglierend wieder runter. Der Mann ist mehrfacher Weltmeister und hält so manchen skurrilen Weltrekord: auf dem Einrad sitzend über Flaschen fahren, mehr als zehn Meter weit! Dann der Einradritt über die Distanz von 100 Metern mit zehn Hürden, der ihm einen seiner Einträge ins Guinnessbuch der Rekorde verschafft. Weit- oder hochspringen, ob in Hallen, in Stadien oder in unwegsamen Gelände, am liebsten dort, wo andere zu Fuß nicht mehr hinwollen. Und immer mit diesem Gefährt, das aussieht, als habe da wer das Fahrrad einfach nicht fertig gebaut. Das alles hat Eichholz weltweit bekannt gemacht.
Gefahren ist er nicht immer auf all seinen Touren. Beim Berganschleppen war es da durchaus schon mal praktisch, nur ein Einrad und kein echtes Rad auf der Schulter hängen zu haben. Und bei den Abfahrten per Einrad, da war die Erdanziehung gelegentlich auch mal größer als der noch so feste Wille, fahrend die Landschaft zu genießen. Bei einem trainiertem Einradfahrer, und das ist Lutz Eichholz schon gut 20 Jahre, funktionieren die Fallinstinkte meist ganz prima und schmerzlindernd. Das war zumindest bislang auf all den hohen Bergen und tiefen Abfahrten so.
„Einradfahren ist Kunst“
Mit heute 32 Jahren könnte es der studierte Raumplaner und Stadtsoziologe an der TU Kaiserslautern doch vielleicht mal ein bisschen geruhsamer angehen lassen. Theoretisch ginge das. Nur praktisch, da denkt Eichholz nicht daran, das Einrad irgendwo verstauben zu lassen. Warum auch? Einradfahren ist Kunst, und Kunst passt immer ins Leben. Auch ins Familienleben. Tochter Zoe ist zwei, sein Söhnchen Elian gerade erst wenige Monate alt.
„Das Abenteuer Familie ist definitiv genauso spannend und noch etwas schöner, als die höchsten Berge in den spektakulärsten Landschaften auf einem Rad herunterzufahren“, ist Eichholz froh, bislang beides gut kombinieren zu können. Wie gut das geht, zeigt die Tour im Sommer 2018 am Gran Sasso, einem Gebirgsmassiv in Italien. Seine Frau schwanger, Tochter Zoe ein Baby, und doch geht es rauf auf knapp 3000 Meter. „Hoch habe ich meine Tochter im Rucksack getragen. Und runter ging es dann ohne Baby mit Einrad“, schildert Eichholz, dass viel möglich ist, natürlich auch, weil seine Frau mitzieht.
Abfahrt vom Kilimandscharo
Auf der jüngsten Tour, die den Einradfahrer Ende 2018 in die Wüste Jordaniens geführt hat, da blieb die hochschwangere Frau dann aber daheim. „Der Abschied am Bahnhof Kaiserslautern von Frau und Tochter war schon heftig“, gibt Eichholz zu, dass ihm der Job als Familienvater doch am Herzen liegt und auf keinen Fall mit dem als Einradfahrer zu vergleichen ist. Er fliegt dennoch nach Jordanien, hat Heimweh, aber wie immer auch unglaublichen Spaß. Die Grenze des Möglichen wird mal wieder verschoben, und Eichholz findet in den Sandsteinformationen die steilsten Abfahrten seiner Sportlerkarriere.
Längst haben ihn die Familie in Kaiserslautern und der Alltag wieder. Aber wie lange? „Als neue sportliche Herausforderung plane ich schon etwas länger die Abfahrt vom Kilimandscharo“, sagt er, will das aber ruhiger angehen lassen und noch ein bisschen nach hinten schieben. Wann genau er den Plan „Das Einrad und der Kilimandscharo“ umsetzen kann, weiß er allerdings nicht. Noch fehlen Sponsoren für das große Abenteuer. „Falls ich Familie und Abenteuer nicht mehr kombinieren kann, wäre es für mich kein Problem, für die Familie zurückzustecken“, betont der Sportler.
Internet
www.lutzeichholz.de