Rheinpfalz Liederkranz ist aus dem Dorf nicht weg zu denken

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Vor dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte steht der Männergesangverein Liederkranz Gimsbach: Am 22. März und 8. November feiert der älteste Gesangverein in der Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler sein 150. Jubiläum. Als Kulturträger und Bindeglied in der Gemeinde hat der Männergesangverein die Gimsbacher Ortsgeschichte mit geprägt.

Laut Vereinsprotokoll gründeten am 15. Januar 1864 einige sangesfreudige Männer um den Gimsbacher Musiker und Dirigenten Jakob Daubermann den heute noch sehr aktiven Chor. Ein erster Höhepunkt war am 8. Juni 1913 die Fahnenweihe des Gesangvereins, der sich in Germania Gimsbach umbenannt hatte. Auf der Fahne war zu lesen: In Freud und Leid, zum Lied bereit und Bayern & Pfalz, Gott erhalt’s . Patenverein bei der Feier war der damalige Männerchor Harmonie 1899 Matzenbach, der eine gestickte Fahnenschleife überreichte.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es unter dem Volksschullehrer und Dirigenten Karl Gortner einen beachtlichen Aufschwung. Es wurde nicht nur der Gesang gepflegt, auch Theaterabende standen im Mittelpunkt des kulturellen Lebens; diese Tradition konnte bis Ende der 50er Jahre aufrecht erhalten werden.

Im Dezember 1948 waren es wieder 19 sangesfreudige und gesellige Männer, die sich nach den Kriegsjahren der Pflege des deutschen Liedes annahmen. Die drei Antragsteller Ludwig Drumm, Otto Göttel und Albert Müller mussten bei der französischen Militärregierung nicht weniger als 96 Fragen beantworten. Den Vereinsnamen Germania gab man auf, und so hieß fortan der Verein wieder Liederkranz Gimsbach.

Auffallend ist, dass seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute nur drei Dirigenten und vier Vorsitzende den Verein führten - vielleicht auch ein Schlüssel zum Erfolg. Zuerst waren dies der Ehrendirigent Adolf Weis (1948-1959) und der erste Vorsitzende Albert Müller (1948-1978), die den Verein in einer schweren Zeit wieder aufbauten, als Theaterabende und festliche Bälle vom grauen Alltag ablenkten.

Ein sehr großer Verdienst von Albert Müller war die Gründung der Singgemeinschaft Mittleres Glantal am 26. Januar 1958. Bis zuletzt trafen sich die fünf befreundeten Glantalvereine jährlich zu ihrem Gartenfest. Unter dem zweiten Chorleiter, dem Ehrendirigenten Rudolf Kühne (1961-1981) absolvierte der Verein besonders feierliche Gesangsauftritte im Rahmenprogramm von zwei Siegerehrungen im Kurfürstlichen Schloss in Mainz des Wettbewerbs Unser Dorf soll schöner werden . Dort wurde die damals noch selbstständige Gemeinde Gimsbach 1964 als Landessieger geehrt und erhielt 1965 die Goldmedaille als Bundessieger.

In diese Zeit fiel auch das Fest zum 100-jährigen Vereinsbestehen, das mit der Überreichung der Zelterplakette 1965 in Koblenz an den ersten Vorsitzenden und damaligen Bürgermeister Albert Müller einen krönenden Abschluss fand.

Nach dem Tod von Albert Müller war der sehr engagierte Vorsitzende Rolf Schneider (1978-1989) maßgeblich daran beteiligt, dass der Gesangverein sich nicht nur gesanglich, sondern bei fast allen Veranstaltungen im Ort engagiert. Rolf Schneider war auch die treibende Kraft, dass der Vereinsring gegründet wurde und das Dorfgemeinschaftshaus mit sehr großer finanziellen Unterstützung aller Vereine gebaut und 1985 eingeweiht werden konnte.

Als Rudolf Kühne krankheitsbedingt den Dirigentenstab aus der Hand geben musste, läutete Rolf Schneider zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden Hans Neu und dem neuen Dirigenten, dem Gimsbacher Urgewächs Dieter Börtzler, 1980 eine nie dagewesene Verjüngungskur ein. Das Motto lautete: Es muss nicht immer Disco sein, geh’ in den Gesangverein .

Beim 125-jährigen Bestehen, als dem Verein der Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz verliehen wurde, hatten die 35 Sänger ein Durchschnittsalter von 43 Jahren. Danach wurde dem damaligen Schriftführer Lothar Baur (1989-2008) zusammen mit den jeweiligen zweiten Vorsitzenden Werner Harth und Hans Neu die führende Rolle im Verein übertragen.

Auf Initiative des Dirigenten Dieter Börtzler wurde im März 1998 als Ergänzung zu dem 29 Sänger starken Männerchor ein Singkreis gegründet, in dem bis dato 26 Sängerinnen und Sänger Evergreens, Gospelsongs und modernes Liedgut vortragen.

Seit der Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses 1985 setzt der Männerchor bei den Faschingsveranstaltungen des Vereinsrings in Gimsbach stets Glanzpunkte mit originellen Gesangsbeiträgen.

Von 2008 bis 2012 wurde der Gesangverein erstmals von zwei gleichrangigen Vorsitzenden geführt: Helga Jung und Hans Neu. Das bewährte sich bestens: Lothar Baur und Herbert Berwanger agieren bis heute ebenfalls als Vorstands-Duo. (red)

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