Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Lieblingsplatz: Am Hilschberg in Rodalben

Der idyllische Platz auf einem Felsen auf dem Hilschberg öffnet den Blick und die Sinne.   Foto: Hans Heinen
Der idyllische Platz auf einem Felsen auf dem Hilschberg öffnet den Blick und die Sinne.

In Rodalben führen zwar nicht alle, aber doch viele Wanderwege auf den Hilschberg. Auf diesem Berg, ein paar Meter abseits vom viel begangenen Felsenwanderweg, habe ich meinen Lieblingsplatz entdeckt: eine Bank auf einem Felsen, umgeben von Sträuchern und Bäumen.

In der Idylle bietet sich Gelegenheit zum Entspannen. Der Blick schweift nach unten auf die im Tal liegende Stadt. An dieser Stätte lässt sich der Autoverkehr in der Hauptstraße zur Feierabendzeit nur erahnen: Denn hier oben hört man keine Autos. Blätter der Bäume rascheln bei leichtem Wind. Kommt er aus Westen, klingen die Glocken von St. Josef herüber.

Da ist sie: die Zeit zum kurzen Innehalten, um seinen Gedanken nachzuhängen. An diesem Ort sind schon Pläne gereift für neue Vorhaben, für Termine wie auch Freizeit- und Urlaubsreisen.

Wanderer und Biker kommen miteinander aus

Oberhalb meines Rastplatzes steht das Hilschberghaus, das mit seinem Turmanbau um eine Attraktion reicher geworden ist und sich zur Drehscheibe des Rodalber Tourismus entwickelt. Fremde, die den Weg zum Hilschberghaus hinauf steigen oder von oben herunter kommen, haben manchmal Fragen, die meist den Felsenwanderweg oder die bizarren, massiven Felsgebilde am Wegrand betreffen.

Es sind überwiegend Wanderer, viele aus der Vorderpfalz, die die abwechslungsreiche Strecke mit leichten Anstiegen und mäßigem Gefälle mögen. Das gilt auch für Mountainbiker, unter ihnen viele Amerikaner und Holländer. Höfliche Leute, die genau wissen, dass sie auf dem Mountainbike-Weg unterwegs sein sollten und nicht auf dem Felsenwanderweg. Die Rücksichtnahme der Radfahrer trägt maßgeblich dazu bei, dass sich Wanderer und Biker auskömmlich verhalten, wenn sie sich treffen.

Der nächstgelegene Felsen von meinem idyllischen Platz aus ist der Saufelsen, an dem auch Kletterer den Aufstieg versuchen. Den Felsen lichten aber auch Fotografen gerne ab – wegen seiner deutlich ausgeprägten Schichten.

Zwei ähnliche Sandsäulen bilden Bruderfelsen

Rodalben

braucht wohl keinen Erdrutsch zu befürchten, der Untergrund ringsum ist felsig: Hier findet sich der typisch pfälzische Buntsandstein. Mein auserkorener Platz ermöglicht nicht nur das entschleunigende Eintauchen in die Natur, sondern erweist sich auch als Begegnungsstätte mit der Geschichte. In mehreren Millionen Jahren haben sich während der Trias (250 bis 200 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung) im Pfälzerwald Buntsandstein-Ablagerungen bis zu einer Stärke von 500 Metern gebildet. Als sich die Täler bildeten, sind rund um Rodalben bizarre Felsengebilde entstanden. Viele blieben erhalten.

In diese Zeit fällt die Entstehung des Bruderfelsens, der in Sichtweite gegenüber meines Lieblingsplatzes liegt. Er wird in den Abendstunden von der Sonne angestrahlt. Durch Erosion wurde der sichtbare Hangfelsen (der größte Teil befindet sich unter der Erde) zu zwei Sandsäulen geformt, deren Teile sich wie Brüder ähneln.

Diese Felsformation hat die Fantasie früherer Bewohner angeregt – woraus eine Sage entstanden ist. Zwei Brüder sollen im unerbittlichen Streit um ein anmutiges Zigeunermädchen wegen ihrer Gefühlskälte zu Stein erstarrt sein. An diesem Ort steht heute in Rodalben der Bruderfelsen, das Wahrzeichen der Stadt, zu deuten als Mahnmal für das friedliche Miteinander. Was einem alles in den Sinn kommt, wenn man in aller Ruhe dasitzt und sinniert ...

Der Autor

Für die Rheinpfalz schreibe ich seit August 1968. Damit habe ich mit 19 Jahren angefangen – zwischen Abitur und Studium. Das kleine Honorar hat dazu beigetragen, mein erstes Auto zu unterhalten, einen weißen Citroën 2 CV mit roten Sitzen. Am 16. August kommt ein runder Geburtstag auf mich zu, der 70. Ich habe gerade mein erstes Kinderbuch für meine beiden siebenjährigen Enkel, die Zwillinge Emma und Max, geschrieben. Es sind Geschichten, die ich mit ihnen zusammen verfasst habe. Titel: „Von Pinguinen, Helden und Prinzessinnen“, 48 Seiten. Die kleinen Leser bekamen es am 1. August als Geburtstagsgeschenk überreicht.

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