Rheinpfalz
Leute aus der Nähe: Heiner Müller zieht dutzende Tomatensorten
Wer gerne Tomaten isst, dem werden im Supermarkt oft nur drei oder vier verschiedene Sorten roter Tomaten angeboten, meist pauschal deklariert als Strauch-, Rispen- oder Cocktailtomaten. Auf dieses nicht gerade üppige Angebot braucht sich Heiner Müller aus Herschberg aber nicht zu beschränken, denn in seinem Garten hinterm Haus gedeihen – je nach Erntejahr – zwischen 35 und 50 Sorten vielfarbiger Früchte in unterschiedlichsten Formen und Größen.
Unter Müllers Tomaten befinden sich hinreichend bekannte Gewächse und auch ganz exotische Exemplare, deren Namen eigentlich nicht geläufig sind. Die Zahl der angebauten Nachtschattengewächse schwankt schon deshalb „weil ich neugierig bin“, so der 71-jährige Gartenfreund, „und deshalb immer wieder neue Sorten ausprobiere“. Andere fallen natürlich auch mal weg, weil sie sich nicht gut entwickeln oder überhaupt nicht seinem Geschmack entsprechen. Dass hin und wieder zufällige Kreuzungen entstehen, wenn verschiedene Samen zu nahe beieinander ausgelegt werden, amüsiert Heiner Müller immer wieder. Begonnen hat er mit dem intensiven Anbau vor 25 Jahren, als er seine Ernährung umgestellt hat.
Was Tomaten betrifft, ist der ehemalige Hauptschullehrer jedenfalls ein ausgesprochener Feinschmecker. Auf Anhieb kann er mehrere seiner Lieblingssorten nennen, wozu auf jeden Fall die „Berner Rose“ gehört, eine runde, leicht violette und saftige Fleischtomate. Aber auch die längliche „Olirose“, die gelb-rot gesprenkelte „Feuerwerk“ und die „Black Cherry“, eine saftige dunkelbraun-violette Cocktailtomate, stehen auf dieser Liste. Geradezu begeistert ist er in diesem Jahr von der erstmals angebauten „Orange Favourite“, einem orangefarbigen mittelgroßen Exemplar von intensiv-würzigem Geschmack.
Farbige Vielfalt in Müllers Gewächshäusern
Wer nur rote Tomaten kennt, wäre sicherlich erstaunt über die farbige Vielfalt, die sich bei Heiner Müller in Herschberg bietet. Die Palette reicht von weiß („Weißes Ochsenherz“) über gelb, orange, rot und grün („Green Zebra“) bis hin zu violett und nahezu schwarz. Wie im Dschungel leuchten die einzelnen Farben zwischen den teils meterhohen Pflanzen im Gewächshaus hervor. Über insgesamt etwa 180 Quadratmeter erstrecken sich die vier Folien-Gewächshäuser, zu deren Bewässerung mindestens dreimal in der Woche jeweils rund 300 Liter angesammeltes Regenwasser notwendig sind.
In Brot eingebacken sind sie eine Delikatesse
Tomaten-Liebhaber Müller legt besonderen Wert auf naturnahen Anbau mit eigener Komposterde, sogar den Samen zur Aussaat im Frühjahr gewinnt er weitgehend selbst.
Der Lohn für soviel Mühe sind meist reiche Ernten, über die sich dann auch die Familie, Nachbarn und Bekannte freuen können. Die heiße Witterung der beiden vergangenen Sommer hat den Ertrag etwas geschmälert – „manche Früchte bekamen einen regelrechten Sonnenbrand“, bedauert Heiner Müller. Geerntet wird ausschließlich zum Eigenbedarf von Anfang Juli bis Mitte Oktober. Was zur Haupterntezeit nicht immer frisch verzehrt werden kann, wird für die Wintermonate in Scheiben geschnitten, in einem speziellen Gerät getrocknet und in Gläsern aufbewahrt. Eingebacken in Brot ist es eine wahre Delikatesse, wie seine Frau Ute versichert. Sie schätzt es auch, zur Erntezeit die reifen Früchte zu Tomatensuppe und Chutney zu verarbeiten.
Zur Sache: Die Tomate
Als „Diva“ unter den Gemüsesorten wird die Tomate gerne bezeichnet, sicher auch deshalb, weil sie sich nicht eindeutig zuordnen lässt. Das Fruchtgemüse aus der Familie der Nachtschattengewächse ist wohl eher ein „Mittelding“ zwischen Obst und Gemüse und stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika, wo Tomaten schon bei den Azteken bekannt waren.
Dabei ist sie für uns eigentlich ein „junges Gemüse“, denn erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie in Deutschland als Lebensmittel geschätzt. Mittlerweile konsumiert jeder Deutsche im Schnitt über 20 Kilogramm im Jahr, etwa die Hälfte davon als frische Früchte. Ursprünglich galten Tomaten in Europa als Zierpflanzen und hielten dann zu Beginn des 18. Jahrhunderts Einzug in die italienische Küche. Kurioserweise bekamen sie aber erst hundert Jahre später ihren heute gebräuchlichen Namen. Weltweit sind über 3000 Tomatensorten bekannt, von denen für den allgemeinen Konsum aber nur wenige angebaut werden. Größte Produzenten in der Welt sind China und Indien, in der EU sind es Italien, Spanien und Portugal. uwa