Rheinpfalz Leser tasten sich an die Onleihe heran

Die Stadtbücherei Pirmasens startete im Oktober 2010 zusammen mit sieben anderen Bibliotheken die Onleihe Rheinland-Pfalz. Mittlerweile sind 33 Büchereien beteiligt und der Gesamtbestand beträgt 23.000 elektronische Medien, auf die die Leser zugreifen können. In der Zentralbücherei in Waldfischbach-Burgalben kann man seit einem Jahr digitale Medien ausleihen. Weitere Büchereien mit Onleihe gibt es im Landkreis Südwestpfalz bislang noch nicht.
Andrea Grothe, Leiterin der Bücherei, sagt, dass die Ausleihe von digitalen Medien „nur virtuell“ geschieht. Um die Medien ausleihen zu können, muss man sich in der Bücherei anmelden und einen Mitgliedsausweis beantragen. Dieser ist in der Bücherei in Waldfischbach bisher noch kostenlos erhältlich. Es ist aber für das kommende Jahr im Gespräch, eine Jahresgebühr zu erheben, die zehn bis zwölf Euro betragen könnte; Kinder und Jugendlich blieben befreit, eventuell auch Studenten. Darüber entscheiden muss der Verbandsgemeinderat. Die Mitglieder der Stadtbücherei Pirmasens zahlen bereits eine Jahresgebühr in Höhe von 15 Euro. Mit dem Ausweis bekommt man eine Lesernummer und mit dieser kann man auf der Internetseite onleihe-rlp.de digitale Medien ausleihen. In Pirmasens sind etwa 400 Onleihe-Nutzer verzeichnet, Tendenz steigend. In Waldfischbach sind für die Onleihe aktuell 210 Leser registriert; zum Vergleich: 1600 Leser nutzen das vor Ort verfügbare Angebot der Bücherei. In Waldfischbach kann man übrigens einen E-Reader (Tolino) ausleihen, um das Angebot und die Online-Ausleihe zu testen. Die digitalen Medien seien eine „Ergänzung zum Bestand“, sagt Grothe. Das Angebot sei in Teilen anders als in der Bücherei vor Ort, „in manchen Bereichen auch größer“. Die Bibliotheken kaufen die Lizenzen für die Medien. Jede Lizenz stellt ein Exemplar dar, das einmal ausgeliehen werden kann. Somit sind die zur Verfügung stehenden E-Books (im E-Pub-Format) begrenzt und „vieles auch ausgeliehen“, sagt Grothe. Dadurch entstehen lange Vormerklisten. Die Büchereien seien jedoch „bestrebt, die Leute nicht zu lange warten zu lassen“. Deshalb würden bei großer Nachfrage neue Lizenzen gekauft. Die Vorteile der digitalen Medien sind, dass das Angebot rund um die Uhr besteht und dass man die Daten auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen kann. Außerdem können Leser, die nicht mehr mobil sind, leichter Medien ausleihen, und auch im Urlaub oder auf Reisen sind platzsparend viele Medien griffbereit. Somit kann man überall und zu jeder Zeit seine elektronischen Medien auf Computer, Smartphone oder E-Reader nutzen und sich über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden halten. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Mahngebühr entstehen kann, da sich die genutzten Daten nach Ablauf der Leihfrist automatisch nicht mehr öffnen lassen. Doch es gibt auch Nachteile. So sind etwa die beliebten „Harry Potter“-Bücher aus rechtlichen Gründen in der Online-Ausleihe nicht erhältlich. Die Leihfrist von zwei Wochen ist auch „recht knapp“, so Grothe, und eine Verlängerung nicht möglich. Man muss das Buch, wenn man es nach den 14 Tagen noch nicht gelesen hat, erneut ausleihen. Allerdings sind viele Bücher von anderen Nutzern schon vorgemerkt, und „das ist schon ein Problem“, meint die Leiterin der Zentralbücherei. Wenn die Ausleihfrist allerdings verlängert würde, bedeutete dies andererseits, dass „die Bücher länger weg sind“. Deshalb sind die zwei Wochen Leihfrist vielleicht doch kein schlechter Kompromiss, vor allem, weil die Zeit für die meisten Leser wohl ausreichend ist. Für andere Medien gelten bei der Onleihe andere Ausleihfristen; Zeitungen zum Beispiel können nur tage- oder stundenweise ausgeliehen werden. Der Schwerpunkt der Onleihe liegt auf der Belletristik, so Grothe. Bei der Kinderliteratur haben die Bibiliotheken vor Ort immer noch mehr zu bieten, da es zum Beispiel bei Bilderbüchern sehr viel mehr um die Optik geht.