Rheinpfalz „Lernen, die Signale des Kindes zu lesen“

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Neuhofen. Für Eltern mit Babys unter einem Jahr bietet Claudia Baisch in Neuhofen unter anderem Delfi-Kurse an. Die 48-jährige Kinderkrankenschwester und Stillberaterin legt dabei den Schwerpunkt auf das gemeinsame Erleben von Eltern und Kindern, um die Bindung zu stärken und auch den Müttern und Vätern mehr Sicherheit im Umgang mit dem Kind zu geben. Ein neuer Delfi-Kurs am Freitag, 6. Februar. Über das Konzept Delfi und den Nutzen der Babymassage spricht Baisch im Interview.

Frau Baisch, Sie bieten unter anderem Delfi-Kurse an. Was verbirgt sich hinter diesem Namen?

Delfi hat nichts mit Delfinen zu tun. (lacht) Die Wortschöpfung steht für die Begriffe denken, entwickeln, lieben, fühlen und individuell. Es ist ein Eltern-Kind-Konzept der Bundesarbeitsgemeinschaft der Evangelischen Familienbildungsstätten im ersten Lebensjahr des Babys. Dabei geht es um die Bedürfnisse der Kinder im ersten Lebensjahr, denn es wird nie so viel gelernt wie in diesem Alter. Die Kinder machen in dieser Zeit außerdem eine unglaubliche Entwicklung durch. Und kleine Kinder brauchen von Anfang an liebevolle Zuwendung und eine sichere Bindung. Die Kinder müssen also im ersten Lebensjahr sein. Können Eltern mit ihrem Baby sofort zum Kurs oder an wen richtet sich das Angebot? An Eltern mit Babys ab drei Monaten. Die Kinder werden in altershomogenen Gruppen zusammengebracht. Was wird in den Kursstunden gemacht? In den Gruppen sind bis zu acht Mütter oder Väter mit ihren Babys. Wichtig ist uns Kursleitern die Stärkung der Kompetenz der Eltern. Ziel ist, dass die Eltern wieder in ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen. Deshalb ist genug Raum da für Fragen. Die Eltern lernen Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind und knüpfen Kontakte zu anderen Müttern und Vätern. Als Kursleiterin gebe ich immer wieder Anregungen für die Sinne, zum Beispiel Anleitung zu Streichelmassagen, Finger- und Tastspielen. Den Kindern biete ich Möglichkeiten zu entdecken und zu begreifen. Manchmal dürfen sie zum Beispiel mit Kartoffelbrei matschen, sich in einem Spiegel betrachten oder in einem Wasserbecken planschen. Wo liegt der Unterschied zu anderen Eltern-Kind-Angeboten wie Pekip? Ich denke, dass sich viele Konzepte sehr stark ähneln. Es geht immer um die Bindung zwischen Eltern und Kind. Beim Pekip steht mehr die pädagogische Ausbildung der Kursleiterinnen im Mittelpunkt. Ich selbst bin Kinderkrankenschwester und Stillberaterin und könnte deshalb keine Pekip-Kurse leiten. Delfi ist eher im Norden verbreitet und in Rheinland-Pfalz bin ich meines Wissens die einzige zertifizierte Kursleiterin für dieses Konzept. Aber für alle Konzepte gilt: Es hat nichts mit Frühförderung zu tun. Allen Kursleitern ist klar, dass Entwicklung einfach passiert. Jedes Kind hat seine eigene Zeit. Wir beobachten es dabei und bieten ihm Anregungen. Streichelmassagen gehören zum Delfi-Konzept, und Sie bieten auch eigene Babymassage-Kurse an. Wie helfen Massagen dem Kind? Massage hat ja etwas mit Berührung zu tun. Bei der Berührung werden viele Bindungshormone ausgeschüttet – auch bei den Eltern. Den Kindern gibt es Sicherheit. Berührung ist eine Sprache, die das Baby aus dem Mutterleib kennt und versteht. Auch sein Körper spricht auf die Massage an. Die Atmung vertieft sich, die Durchblutung wird gefördert und Blähungen können minimiert werden. Warum benötigen Eltern dabei Anleitung? Können sie etwas falsch machen, wenn sie ihr Kind intuitiv massieren? Man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Aber die meisten Eltern sind dankbar, wenn sie gewisse Abläufe kennenlernen. Bei der Kolik-Massage sollte man etwa schon in die richtige Richtung massieren – im Uhrzeigersinn. Gibt es Kinder, für die eine Massage eher ungünstig wäre? Außer offenen Wunden spricht nichts dagegen. Gerade bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie Frühchen oder Babys mit einer Behinderung ist die Massage umso wichtiger. Dadurch werden sie noch mal besonders angesprochen. Mit welchen Fragen kommen die Eltern am häufigsten zu Ihnen? Unsicherheiten bestehen immer bei der Ernährung oder beim Stillen. Ab wann füttere ich Beikost? Schlafen ist auch oft ein Thema. Warum schläft mein Kind nicht durch? Ich kann nur erklären, warum ein Kind anders schläft als ein Erwachsener. Aber das hilft den Eltern auch, ihr Kind zu verstehen. Man kann mit Information die Eltern beruhigen. Wie kann man Kinder stärken, die Reizüberflutung der heutigen Zeit zu verkraften? Auf jeden Fall Rückzugsräume schaffen. In Kursen wie Delfi lernt man, die Signale des Kindes zu lesen. Dafür sensibilisiere ich die Eltern. Delfi steht für fünf Begriffe – welcher ist der wichtigste? Lieben finde ich persönlich das Wichtigste.

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