Kultur Südpfalz Lehrer und Schüler

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Ein Überblick über die Entwicklung der Skulptur nicht nur im Südwesten bietet die Städtische Galerie Karlsruhe. Nachgezeichnet wird dabei auch das Verhältnis von Lehrenden und Studierenden der Kunstakademie der Fächerstadt.

Es ist schon zu einer kleinen Tradition geworden und erleichtert es zugleich, die Sparauflagen der Stadt zu erfüllen, dass die Städtische Galerie jährlich eine Ausstellung aus den eigenen Beständen bestreitet. Diesmal wird der Blick bei der von Ursula Merkel kuratierten neuen Schau auf „Skulpturen aus der Sammlung“ geworfen. Obwohl der Großteil der ausgestellten Künstler in Beziehung zu Karlsruhe und besonders seiner Akademie steht – entweder als Lehrende oder als Studenten –, lassen sich in der Schau Tendenzen der Bildhauerei und Objektkunst festmachen, die weit über das Regionale hinaus Allgemeingültigkeit beanspruchen können. Rund 100 Exponate von 72 Künstlern, die immer noch im Bereich der Skulptur in der verschwindenden Minderheit sind, zeigen eine beachtlichen Querschnitt der rund 700 Exponate umfassenden Sammlung der Galerie, darunter einige, die bislang noch nicht ausgestellt wurden sowie einige interessante Neuerwerbungen. Am Beginn steht ein knapp gehaltener, etwas eng gestellter Überblick über die „Bildhauerei in Karlsruhe 1890-1930“ mit dem langjährigen bedeutenden Lehrer an der Akademie Hermann Volz, dessen Büste des Kurfürsten Friedrich I. von Baden den Betrachter hoheitsvoll begrüßt. Immerhin gründete der Kurfürst den Vorläufer der heutigen Kunstakademie. Wie ein roter Faden zieht sich das Verhältnis von Lehrer und Schüler durch die ganze Schau. Neben denen von Volz sind so Arbeiten des Jugendstil-Künstlers Hermann Binz zu sehen, während der Expressionismus bei Wilhelm Gerstel oder Georg Schreyögg seine Spuren hinterlassen. Auf die Unterdrückung in der NS-Zeit reagierten die Künstler nach 1945 mit einer fantasievollen Suche, ob nach neuen Materialien, einer neuen zumeist abstrahierenden Formensprache oder mit veränderten Konzepten der Skulptur und ihrer Beziehung zum Raum. Die Leichtigkeit der Metallarbeiten von Hans Ullmann sind dafür ebenso anschaulich wie die Verwendung von benutztem Leder bei Horst Egon Kalinowski. Auch wenn die Kunstakademie als Malerakademie gilt, zeigt die Schau in vielen Querverbindungen, welche bedeutende Bildhauer hier lehrten und wie sie ausstrahlten. Zu ihnen gehört Wilhelm Loth, dessen Beschäftigung mit weiblichen Torsi ebenso dokumentiert wird wie seine Verwendung des damals neuen Materials Plastik. Obwohl das Gegenständliche ab den 1950er-Jahren immer weiter zurückgedrängt wurde, zeigen Arbeiten wie Alfred Hrdlickas Bonhoeffer-Skulptur doch das Gewicht, die die Menschendarstellung hat. Strenger, konstruktiver geht es bei der Kunst eines Max Bill, Hubert Kiecol oder Werner Pokorny zu, unterstützt von handwerklicher Perfektion. Wie offen und vielfältig die Entwicklungslinien der Plastik in Deutschland inzwischen sind, wie vergängliche Materialien wie Papier für Skulpturen heute Verwendung finden, aber auch die Objektkunst mit ihrer Verwendung von Banalem, Alltäglichen einen gewichtigen Anteil hat, dafür stehen Künstler wie Meuser, Axel Heil oder Andreas Slominski. Das Gefundene, das oft die Grundlage ihrer oftmals ironischen-hintersinnigen, auch witzigen Arbeiten ist, bringt zudem neue Aspekte in die Bereich der Skulptur. Eindrucksvoll geraten ist der Raum, der Maler-Bildhauern der 1970er- und 1980er-Jahre gewidmet ist: Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz oder A.R. Penck kreierten einen neuen, oftmals von der Malerei beeinflussten oder malerische Mittel aufnehmenden Stil. Info Bis 18. Juni im Hallenbau A in der Lorenzstraße 27. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, am Wochenende 11 bis 18 Uhr. www.staedtische-galerie.de.

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