Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Lauterecker „Holzschnäppchen“ locken viele Interessenten an

Gut beschirmt zum Einkauf: Werner Schramm versteigert die Stämme, Joachim Mai beschriftet die Stämme mit dem Namen des neuen Eig
Gut beschirmt zum Einkauf: Werner Schramm versteigert die Stämme, Joachim Mai beschriftet die Stämme mit dem Namen des neuen Eigentümers. Foto: M. Hoffmann

Der Regen stört sie nicht weiter: Zum 22. Mal treffen sich am Samstag Schreiner, Drechsler und Holzfreunde aus der ganzen Region auf dem Holzlagerplatz „Staudacker“. Die „Holzschnäppchen“ sind jedes Jahr ein Anziehungspunkt.

„Der Holzschnäppchenmarkt“ ist in Rheinland-Pfalz eine Besonderheit“, erklärt die Kuseler Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel. Sie geht mit zirka 20 interessierten Käufern die verschiedenen Baumstämme durch. Von Eiche über Buche, Linde, Esche, Kirsche oder Tanne werden 19 verschiedene Holzarten angeboten. Dabei handelt es sich überwiegend um Einzelstämme und besondere Holzarten, die von den Förstern über das Jahr gesammelt werden.

„Hier haben wir die Nummer 951, Eiche, 1,82 Festmeter für 320 Euro“ ruft Auktionsleiter Werner Schramm. Zwei Arme schnellen in die Höhe. In Fünf-Euro-Schritten steigt der Preis. Bei 350 Euro geht ein Arm runter. Verkauft. „Zum Brücher?“ fragt Auktionsgehilfe Joachim Mai, auf das Kopfnicken des Käufers hin sprüht Mai ein B auf den Baumstamm.

Direkt ins Sägewerk

Gabi Kleinhempel nennt es den „Clou“ beim Holzmarkt: Für 19 Euro werden die erworbenen Stämme ins Sägewerk Brücher nach Rathsweiler gefahren, wo sie nach Wunsch des Kunden zugeschnitten werden. Durch die Menge der Stämme können die Transportkosten vergleichsweisen klein gehalten werden. „Als Hobbyschreiner hast du auf den großen Holzmärkten kaum eine Chance. Für jemanden, der ein bis zwei Bäume für den privaten Gebrauch kauft, sind die organisatorischen Kosten einfach zu hoch“, weiß die Forstamtsleiterin.

Die Idee des Holzschnäppchenmarkts stammt von dem ehemaligen Forstamleiter Klaus Grigull. Von 1984 bis 2017 arbeitete er als Förster im Pfälzerwald. Seine Leidenschaft für Holz inspirierte ihn: „Ich wollte Holz aus der Region für die hiesigen Leute anbieten.“ Statt des damals beliebten glatten Holzes landeten bei Grigull die Stämme mit „Charakter“: Egal ob krumm und schief oder mit einem Krebsgeschwür im Stammesinneren – auf dem Holzlagerplatz wird individuelles Holz verkauft. Da auf dem allgemeinen Holzmarkt für die „Charakterstämme“ kein Interesse vorhanden ist, können diese zum Schnäppchenpreis zur Auktion freigegeben werden. Eine Win-win-Situation für alle.

Das Handeln beginnt

Nach der offiziellen Auktion fängt das richtige Handeln erst an. Bäume, die in der ersten Runde nicht verkauft wurden, finden bei einem zweiten Durchgang ihren neuen Besitzer. Im Nachverkauf wird ordentlich runtergehandelt. Für Preise zwischen 20 und 460 Euro wird fast jeder der 80 bis 120 Jahre alten Baumstämme verkauft.

Der Gewinn, der mit dem Verkauf gemacht wird, fließt dahin zurück, wo die Bäume herkamen: in den Staats- oder Gemeindewald.

Bei Glühwein und regionaler Wildbratwurst werden nach der Auktion die Kaufformulare ausgefüllt. Auch Hans-Jürgen König kommt um den bürokratischen Teil der Auktion nicht herum. Seit 13 Jahren kommt der Holzfreund aus Speyer zu der Aktion in den Landkreis Kusel. Als Hobbyschreiner verwendet er das Holz für selbstgebaute Möbel, Zäune oder Tische. „In Speyer gibt es sowas nicht. Hier bekomme ich besonderes Holz für einen guten Preis“. Am Samstag fährt König mit fünf Stämmen nach Hause. Ein erfolgreicher Tag.

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