Wörth
Kunstverein Wörth: Ausstellung schaut unter die Oberfläche
Der Titel der Schau, die am Freitagabend eröffnet wird, hält tatsächlich das, was er verspricht: Die gezeigten Fotografien, Skulpturen und Objekte, Grafiken und Malerei vermitteln durch ihren kreativen Blickwinkel spannende Kopf-Erlebnisse und Gedanken-Abenteuer.
Wer sich Zeit für den Rundgang nimmt, nach einem ersten Blick einen zweiten, genaueren Blick investiert, entdeckt ganz neue Welten, die sich hinter dem Offensichtlichen eröffnen. Dieses kunstvolle „Verwirrspiel“ beherrschen ganz besonders zwei Fotografinnen. Helga Persel aus Mainz widmet sich in ihrer Serie „Staub sein“ dem, was gewöhnlich am Boden liegt, unerwünscht ist und schnellstmöglich entsorgt wird. Also Staub und anderer Unrat wie tote Insekten und ähnlich „eklige“ Dinge, die durch ihren Blickwinkel ästhetisch geadelt werden. Ein Prozess, der auch in den Fotografien der Serie „Trash“ (Abfall) von Inge Boll steckt. Nur greift sie sich als Motive die Dinge, die gewöhnlich in der Biotonne landen, wie Schälabfall von Gemüse. „Ich zeige als einen Spiegel des Tages das, was mir täglich begegnet, meine Fotos ähneln einer Tagebuch-Aufzeichnung“, erklärt sie.
Titel der Schau regt an
Inspiriert durch den Titel der Ausstellung, startete Helmut Kern aus Neckartenzlingen (Baden-Württemberg) seine Serie “Hephaistos Reich“. Er habe überlegt, wie das Alltägliche neu gesehen werden könne und entdeckte als Motiv das Feuer in seinem Kaminofen. Mit einem Teleobjektiv nähere er sich den Flammen, so, als wolle er in das Feuer eintauchen, dessen Inneres offenbar werden lassen.
Mit dem Fotoapparat als Werkzeug arbeitet auch Elke Boll (Köln), die die Farben einzelner Rosenblüten um digitale Farbspiele ergänzt. Mona Breede (Karlsruhe) taucht in die Alltagswelten von einfachen Arbeitern in Venedig ein. Bei ihren Streifzügen durch Städte oder Arbeitsumfelder schaut sie sehr genau hin, wägt ihre Motive genau ab, ist eine Chronistin dessen, womit sich Menschen täglich beschäftigen.
Fast wie Karikaturen, gezeichnet mit dem Feinliner und unter kritischem Blick, wirken die Arbeiten von Raimund Schemmel (Franken). Er hält der Welt einen Spiegel vor, wenn er sich mit „Novizen und Honoratoren“ oder einem „Goldenen Kalb“ auseinandersetzt.
Besondere Faszination des Cafés Crumble
Im Comic-Stil gibt Susanne Köhler (Frankfurt) „ihre“ Alltagswelten wieder. Mit einem Werk aus der Serie „Comic Risotto“ blickt sie auf eine Szene im Café Crumble. Was für ein Zufall, denn auch der Maler Christian Paulsen (er lebt unweit von Frankfurt im Taunus) zeigt eine Momentaufnahme dieses Cafés.
Weg vom Realismus, hin zu eher surrealen, konstruierten Welten bewegt sich die Malerin Birgit Metzler aus Bensheim mit ihren Motiven, die im Alltag gerne übersehen werden – etwa Pilze, hässliche Fische oder urweltlich anmutende Amphibien. Genauso wie der 1943 geborene Münchner Maler Lothar Kasper Wurm, der einen Dubbeglas-Bierseidel durch eine Mondnacht schweben lässt.
Up-Cycling der besonderen Art
Ausgedienten Stoffen und Kleidung gibt Susanne Hessenthaler (Darmstadt), die sich schon vor ihrem Studium beruflich mit Stoffen beschäftigte, ein neues Aussehen. Die hochkarätige Ausstellung wird durch die beeindruckenden und wunderbar ironischen Bronze-Skulpturen von Elsa Vogt-Ramachers (Sulzbachtal) abgerundet.
Info
Vernissage am Freitag, 12. Juni, 20 Uhr, in der Galerie „Altes Rathaus“ Wörth; Öffnungszeiten bis zum 12. Juli, donnerstags 16 Uhr bis 18 Uhr, sonntags 14 Uhr bis 18 Uhr; www.kunstverein-woerth.de.