Kultur Südpfalz Kontrastreiche Kunstwelten

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Zwei sehr kontrastreiche „Welten“ vereinen sich unter einem Dach, wenn der Kunstverein Villa Streccius heute Abend zur Vernissage in die Städtische Galerie Villa Streccius nach Landau bittet. Als Bindeglied der archaisch anmutenden Werke der Bildhauerin Susanne Ring im Parterre und den überquellenden Tütenbildern von Thitz im Obergeschoss fungieren fast 600 Kunst-Tüten, die von den Bürgern der Region selbst gestaltet wurden.

Vielleicht sollte man bei dieser fulminanten Ausstellung, die von der Kunsthistorikerin Tina Stolt, dem Künstler und Kunstberater Karlheinz Zwick und Barbara Kleinschmidt, der Vorsitzenden des Kunstvereins, kuriert wurde, das Pferd von hinten aufzäumen, also die Räume von oben nach unten begehen. Denn um die Tütenparade auf dem Flur und der Fensterfront kommt sowieso niemand vorbei und jeder will seinen eigenen Beitrag wiederfinden. Das ist durchaus berechtigt, weil der in Frankfurt geborene, auf der ganzen Welt agierende „Tütenkünstler“ Thitz seinen Ausstellungsbeitrag in Landau mit einem „Bag-Art“-Projekt für die Bevölkerung verband. Seit den Weintagen der Südpfalz verteilte er 5000 leere „Kunst-Tüten“, die von den Südpfälzern nach Lust und Laune „befüllt“ werden sollten. Fast 600 Exemplare kamen zurück und bilden nun als Installation „einen Eindruck davon, was kunstinteressierte Leute in und um Landau für Kunst halten“, so Thitz. Wieder einmal stelle sich heraus, dass der Kunstbegriff nicht zu fassen, aber wunderbar „anguckbar“ sei, ja mehr noch: dass die Südpfälzer zwar auch politische Themen, nicht aber Terror und Gewalt in die Kunsttüte packten und summa summarum sehr bunt, weltoffen und optimistisch scheinen. Diese Eigenschaften sind auch Thitz selbst auf den Leib geschrieben, weil er die Welt gern schönmalt und „die Kunst als Medium“ sieht, „um eine Gegenwelt zu Not und Gewalt“ zu schaffen. Seine Antwort auf den Terror in Paris ist dafür ein geniales Beispiel. Sein „Paris peinture“ zeigt in großem Format, mit bunten Farben, wirren Strichen, aber auch detailgenauen Ausdrücken die unbeschreibliche Mischung „aus äußerem Durcheinander und innerem Aufgewühltsein“, die beim Marsch der Millionen „Je suis Charlie“-Bekenner eine Woche nach dem Anschlag spürbar war. Kunst ist für den Tütenmann, der sich mit seinen Gemälden gerne auch in futuristische Welten – etwa den „River of Grass“ versetzt, stets mit der Kultur und der Geschichte verbunden, die den Menschen ausmacht. Die legendären Tüten, die er nun schon seit 30 Jahren als Maluntergrund präpariert, stellen den „Bezug zum realen alltäglichen Umfeld global existierender Kulturen“ her. Dieser Bezug zur Kulturgeschichte der Menschheit ist ein Standpunkt, den er mit der Bildhauerin Barbara Ring teilt. Doch während die Gedanken und Gefühle des an Benefiz-Projekten beteiligten Tütenkünstlers um die Gegenwart oder Zukunft kreisen, befasst sich seine Ausstellungspartnerin eher mit der Vergangenheit und den Mythen der Frühzeit. Ihre tönernen Skulpturen, die mal an Kultobjekte mexikanischer Ureinwohner, mal an indianische Kunst und dann wieder an religiöse Riten erinnern, stehen als Einzelobjekte oder Installationen symbolisch für die Kulturgeschichte des Menschen schlechthin. Meist namenlos, sollen sie „nur die Facetten eines Gedanken“ implizieren, dabei aber „Anstöße für Assoziationsketten“ geben und beim Betrachter Selbstkritik in Bezug auf eventuell einsetzende Kontextualisierungen auslösen. Immer wieder fällt der Blick auf Teppiche, die symbolisch für ein „portables Zuhause“ , vielleicht ein Sesshaft werden, stehen. Die Arbeiten der gebürtigen Mainzerin – darunter ausdrucksstarke Zeichnungen, die mit den Skulpturen kommunizieren – hat Susanne Ring bewusst für die Räume der Villa Streccius ausgewählt und manche Gruppen ganz neu zusammengestellt. Auch die „heilige Familie“ – eines ihrer Lieblingswerke – fand hier ausreichend Platz. Als tönerne Skulptur ist sie auch ohne Joseph vollkommen komplett und bietet ein eindrucksvolles Beispiel für den Ring’schen Minimalismus. Dass sich hier erstmals die Doppelschlange aus der Installation „Schlangen beschwören“ zur biblischen Gruppe gesellt, zeugt vom spielerisch-souveränen Umgang mit Gott und der Welt – die in dieser Ausstellung doppelt gefällt. Info —„Welten“ – Susanne Ring / Thitz; Villa Streccius, Landau, Dienstag und Mittwoch, 17 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. —Vernissage, heute Abend, 20 Uhr. (ttg)

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