Rheinpfalz Kommunikation mit Schnur und Trichter

Emilian, Paul, Matteo, Philipp und Leonie (von links) unterhalten sich mit selbst gebastelten „Telefonen“.
Emilian, Paul, Matteo, Philipp und Leonie (von links) unterhalten sich mit selbst gebastelten »Telefonen«.

Schall, Geräusche, Töne – in der Wolfsteiner Kita „Kleine Strolche“ vermittelte Rüdiger Kramb der Vorschulgruppe einige Grundbegriffe aus dem Gebiet der Akustik und führte dazu eine Reihe von Experimenten vor.

Kramb als pensionierter Mathematik- und Physiklehrer hat Erfahrung, wissenschaftliche Erkenntnisse kindgerecht darzustellen. Denn im Gymnasium unterrichtete er jahrelang in der fünften und sechsten Klasse das neu eingeführte Fach „Naturwissenschaft“. Für eine frühe Begegnung setzt sich vor allem die Initiative „Think Ing“ ein, die damit den Ingenieurnachwuchs fördern möchte. Unterstützt wurde Kramb von der Erzieherin Anita Esper, die schon mehrere Projekte dieser Art begleitet hat. Die sieben „Wackelzähne“, wie die Vorschulkinder genannt werden, waren schon sehr gespannt auf das, was sie erwartete. Auch Krambs Enkel Matteo durfte dabei sein, obwohl er noch nicht zu ihnen gehört. Nach einer kurzen Einführung ging es los mit dem ersten Experiment. Ein geschlagenes Tamburin versetzt ein anderes, das etwa einen Meter entfernt ist, in Schwingungen. Sie lassen sich sichtbar machen, wenn man das Fell mit einem Tischtennisball berührt, der locker an einem Faden hängt. Gemeinsam wurde nun nach einer Erklärung gesucht. Dazu diente auch ein zweites Experiment, an dem sich alle Kinder beteiligen konnten. Sie bekamen Pappröhren, bei denen beide Öffnungen mit Folien verschlossen waren. Auch hier ließ sich beobachten, dass ein kleiner Stoß auf eine Folie sich auf die andere auswirkt. „Die Luft wird angeschubst“, kommentierte einer der jungen Forscher das Ergebnis. Damit war das Phänomen „Hören“ bereits erklärt. Rüdiger Kramb zeigte dann mit Hilfe des Overheadprojektors, wie sich Schallwellen in der Luft ausbreiten und hörbar werden, wenn sie im Ohr das Trommelfell in Schwingungen versetzen. Nun folgte eine zweite Versuchsreihe, mit der erklärt wurde, warum der Mensch zwei Ohren hat. Die Kinder hielten der Reihe nach einen „Hörschlauch“ – ein Plastikschlauch mit zwei Trichtern – an beide Ohren. Klopft man an verschiedenen Stellen auf den Schlauch, wird das Geräusch von den einzelnen Ohren unterschiedlich deutlich gehört und kann einer Seite zugeordnet werden. Aber Geräusche breiten sich nicht nur in der Luft eines Hörschlauches aus. Auch über ein „Schnurtelefon“, das zwei Joghurtbecher mit einer Schnur verbindet, kann man über eine Entfernung von 20 bis 30 Metern sprechen. Die Beobachtung wurde durch ein Stethoskop ergänzt, mit dem die Kinder gegenseitig ihren Herzschlag hörbar machten. Das dritte Thema beschäftigte sich mit Tönen, die ein Tonfrequenzgenerator produzierte. Dabei ließen sich die Grenzen des menschlichen Hörens im Ultraschallbereich zeigen. Spannend fanden die Kinder, dass Töne, die der Mensch nicht hört, für manche Tiere wie Fledermäuse wichtig für ihre Orientierung sind. Als nach mehr als eineinhalb Stunden die Aufmerksamkeit etwas nachließ, gab es ein letztes Experiment. Mit Hilfe eines Lautstärkemessers wurden unterschiedlich laute Geräusche miteinander verglichen: die spielenden Kinder im Hof der Kita oder das Wasser, das ins Waschbecken lief. Dann durften die Kinder nach Herzenslust so laut schreien, wie sie konnten, und erreichten dabei bis zu 104 Dezibel. Aber gerade dieser Versuch machte deutlich, dass Lärm schmerzhaft sein kann und man sich gegen ihn schützen muss. Was Lärmschutzmauern an Straßen und Autobahnen leisten, konnte mit einer Schachtel anschaulich gemacht werden. Denn bereits durch die Pappe wird die Lautstärke deutlich verringert. Es war ein anspruchsvolles Programm, das Kramb und Esper mit den Kindern durchführten. Da waren von Seiten der Erwachsenen viel Geduld und Humor gefragt. Aber es war eindrucksvoll, wie wissbegierig die Fünf- und Sechsjährige waren und wie gut sie beobachteten. Selbst bei den Erklärungen der Experimente gab es viel Verständnis und überraschende Antworten. Das Projekt endete damit, dass sich jeder der „Wackelzähne“ für zu Hause sein eigenes Telefon aus Joghurtbechern und Schnur bastelte. Sie machten sich mit großem Eifer an die Arbeit und bewiesen damit, dass ihnen das Thema Akustik Spaß gemacht hatte.

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