KARLSRUHE
Kohi zeigt Kalender mit Stars aus der Street- und Urban-Art-Szene
„Ja super, aber der bin ich nicht“, sagt Schürholz und lacht am anderen Ende der Leitung, als er auf die Ergebnisse einer Google-Suche nach seinem Namen angesprochen wird. Denn prominent erscheint als Erstes ein gewisser Kai Schürholt, der sich und die CDU vor einigen Jahren als Oberbürgermeister-Kandidat von Landau blamiert hat und in Braunschweig angeklagt werden soll, weil er sich unrechtmäßig bereichert haben soll.
Aber auch unter der richtigen Schreibweise findet man Kai Schürholz nur schwer – „weil ich noch heute im Hintergrund arbeite“, sagt er. Sich selbst würde er nie zu den Künstlern zählen. Er arbeitet nur für sie, ebenso wie für Museen oder Galerien. Seit 2019 lädt er deutsche und internationale Street-Art-Künstler und Grafiker in die Familie der „Secret Society“ ein, um sich mit einem Motiv an einem Jahreskalender zu beteiligen. Die Künstler sind beileibe nicht irgendwelche, sondern Szenegrößen mit internationaler Reputation durch Straßenarbeiten, Kunstmessen oder Galerien. Die Blätter werden aufwendig handgedruckt. Selten findet man Street- und Urban-Art so wunderschön verarbeitet und präsentiert wie in diesen Sammlerstücken.
Hälfte des Erlöses geht ans Kohi
Im Kohi sind nun alle bisher erschienenen und noch erscheinenden 36 Motive vertreten. Der haptische Eindruck, wenn man sie in die Hand nimmt, ist unerreicht. Hinzukommen der Duft sowie eine fabelhafte Druckqualität, ehe man der Schönheit der künstlerischen Arbeiten überhaupt erst gewahr wird.
Vertreten sind Namen wie Akut aus Berlin, der früher Teil des bekannten Duos Herakut war. Auch der Israeli Pilpeled oder die Hamburger Graffiti-Legende The Flying Förtress, dessen „Teddy Troopers“ weltweit bekannt sind. Gehängt wird die Ausstellung unter anderem vom Kohi-Mitglied Eckbert Loesel, der mit Schürholz seit seinen Berliner Jahren befreundet ist.
Nur in Berlin, London und Karlsruhe erhältlich
Als er im Sommer dessen Kalenderprojekt in kleiner Runde erwähnte, kam die Zusammenkunft von Berlin und Karlsruhe ins Rollen. Eine Selbstverständlichkeit ist dies nicht. Denn die für gerade einmal 140 Euro zu habenden Kalender werden momentan nur an zwei Stellen in Berlin sowie in der bekannten Londoner Graffik Gallery verkauft. Und nun eben auch im Kohi, das auch noch die Hälfte des Erlöses erhält.
Schürholz ist Jahrgang 1981 und war schon immer „Ghostprinter“ für die echten und vermeintlichen Großen der Kunstszene. Ein Handwerker, der seine Ausbildung in einer Berliner Traditionsdruckerei 2006 abgeschlossen hat und sich in jener letzten Generation vor der Digitalisierung verortet sieht, „die noch alles mit der Hand gemacht hat“.
Gruppe Innerfields einer der ersten Kunden
Noch immer hat er keine Webseite und zieht seine Aufträge über Mundpropaganda und Empfehlungen an Land. Bei allem, auch den Kalendern, geht es ihm nicht nur um das Geld. Ein Drittel seines Lebensunterhalts bestreitet er mit Kung-Fu-Training für Kinder und Jugendliche, das er nicht aufgeben möchte. „Ich komme klar, das ist eine super Balance, und meine Lebensqualität ist perfekt. Ich gehe keine 40 Stunden mehr arbeiten.“
Eine von Schürholz’ ersten Kunden sind seine Kumpels von der Graffiti-Truppe Innerfields. Angefangen haben sie auf den Straßen Berlins, heute zählen Ikea, Audi, Rewe oder MTV zu den Fans der Flächendesigner. Auch sie waren schon im Kohi und haben auf dessen Seiteneingangstor eine Arbeit hinterlassen. Er habe sie unterstützt, als sie angefangen haben. Heute geben sie diese Unterstützung an ihn zurück. „Die rennen wegen fünf Euro nicht mehr zu einem anderen Drucker.“
Kalender soll international weiter wachsen
Über die Zusammenarbeit mit dem Kohi freut sich der Berliner, weil es so etwas in der Hauptstadt nicht mehr gebe. „Dort halten die Galeristen nur noch die Hand auf und fordern zum Teil noch eine Stromkostenbeteiligung.“ Er zieht die bittere Bilanz einer zum Tode gehypte Stadt, „in der man zwar Millionen Kontakte hat, aber am Ende doch alleine ist“.
An dem Kalender verdiene er kaum etwas, sagt Schürholz. Hunderte Arbeitsstunden steckten darin, die nicht umzurechnen seien. Alle Beteiligten erhielten 20 Siebdrucke zur eigenen Vermarktung sowie einen signierten Kalender. Das war es, das ist der Deal. Und er funktioniert.
Sein Projekt soll noch wachsen und noch internationaler werden. Aus Kanada, Frankreich, Argentinien, Japan oder Brasilien kommen die Künstler bereits. Irgendwann möchte er die ganze Welt gedruckt haben.
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