Kultur Südpfalz Klingendes Schatzkästlein

Mit Ovationen im Stehen gefeiert wurde das neue Programm von Harmonic Brass in der voll besetzten Marktkirche von Bad Bergzabern. Die von dem Ensemble ausgewählte und präsentierte „Playlist“ begeisterte das Publikum. Darunter waren, wie immer, viele treue Fans des Bläserquintetts aus München.
Bei „Playlist“ lag auch kein gedrucktes Programm aus: um kein Geheimnis vorzeitig zu lüften. Moderator Andreas Binder griff stattdessen immer mal wieder in ein kleines Schatzkästlein. Darin lagen alte Briefe, deren Verfasser sich in ganz persönlichen, zuweilen auch vertraulichen Worten an „ihre“ musikalischen Vorbilder richteten. Binder öffnete nach und nach jeden der fünf Briefumschläge und las die zumeist amüsanten Zeilen vor. „Rein zufällig“ fiel dem launigen Conférencier und Hornisten dann der erste Brief in die Hand. Er war, von zarter Frauenhand geschrieben, an den Herrn Wolfgang Amadeus Mozart gerichtet und stammte natürlich von Trompeterin Elisabeth Fessler. Sie fand seine Musik „total krass“ und wünschte sich nichts mehr als einmal die „Königin der Nacht“ aus der „Zauberflöte“ zu spielen. Und die Zuhörer in der Marktkirche durften sich an der Bearbeitung von Hans Zellner freuen, interpretiert von Harmonic Brass mit der Trompeterin Elisabeth Fessler. Die „Champagnerarie“ des Don Giovanni folgte. Der französische Komponist und Organist Léon Boëllmann hat es dem Trompeter Hans Zellner in besonderer Weise angetan. Boëllmanns „Suite gothique“ wurde von Zellner für das Bläserquintett arrangiert. Die schon 1991 gegründete Formation feiert bei ihren Konzerten nicht nur in Deutschland Erfolge mit Werken ihres „Wegbegleiters“ Georg Friedrich Händel. „Lascia ch`io pianga“ durfte daher nicht fehlen. Und vor dem Pausensekt erklang noch Georges Bizets „L´Arlesienne“-Suite. Rossini ist einer der Lieblingskomponisten von Andreas Binder, wie einem weiteren Brief zu entnehmen war. Ob das mit der Liebe zum Urlaubsland Italien zusammenhängt oder damit, dass Binder sich mal auf „Tournedos Rossini“ freuen würde, wurde nicht ganz klar. Jedenfalls wünschte sich der Briefeschreiber Musik aus „Wilhelm Tell“, wohl auch, um die Trompeter Fessler und Zellner dazu zu zwingen, sich am Horn zu beweisen. Tosender Beifall war der Lohn, ehe der Tubist Manfred Häberlein einen „Kubanischen Walzer“ seines Lieblings („Mulo, i mog di“) Mulo Francel erklingen ließ. Ganz formal und schnörkellos wandte sich der Posaunist Manfred Lux „An die Vereinigten Staaten von Amerika“, die er allesamt mag. Vor allem schätzt er Florida, wo er beinahe gelandet wäre, dann aber doch nach Worms kam, und damit der einzige Rheinland-Pfälzer bei Harmonic Brass ist. Lux begeistert sich am „Swing“, und nicht nur mit Glenn Millers „In The Mood“ bewiesen die Bläser ein weiteres Mal ihre musikalische Bandbreite. Zugaben wurden gefordert, zu Recht, und Harmonic Brass ließ sich nicht lumpen. „Funiculi Funicula“ rundete die „Playlist“ ab, ehe mit Bachs „Lobet den Herrn meine Seele“ das Konzert ausklang.