Rheinpfalz Kinderbahn mit Korkenzieher

Thomas Wagner (links) von VR Coasters aus Kaiserslautern mit drei Mitarbeitern und Moderatorin Barbara Schöneberger auf der Bühn
Thomas Wagner (links) von VR Coasters aus Kaiserslautern mit drei Mitarbeitern und Moderatorin Barbara Schöneberger auf der Bühne beim Deutschen Computerspielepreis in Berlin.

Seine Erfindung hat das Potenzial, die Welt der Achterbahnfahrten zu verändern. Statt immer höher und abgedrehter zu bauen, werden Fahrgeschäfte mit Virtual-Reality-Brillen ausgestattet. Die Idee dazu hatte der Kaiserslauterer Thomas Wagner, der mit seinem Team Ende April den Deutschen Computerspielepreis in der Kategorie „Beste Innovation“ gewonnen hat.

Die Universal Studios in Osaka benutzen sie. Der höchste Freifallturm der Welt, im Six Flags Freizeitpark in New Jersey, der hat sie auch. Der Europa Park in Rust ist gar daran beteiligt: Virtual-Reality-Brillen, verbunden mit Achterbahnen oder Freifalltürmen. Die Idee von Thomas Wagner, Professor für Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern, ist ein Erfolgsprojekt, das mit dem Innovationspreis des Deutschen Computerspielepreises ausgezeichnet wurde.

Während der Fahrt sieht der Besucher feuerspeiende Drachen

Der Lauterer hat mit seinen Studenten ein Gerät gebaut, das den Kosmos eines Freizeitparkbesuchs mit virtuellen Welten verknüpft. Auf dem Achterbahnwagen ist eine Box, die über Funk Signale an ein Handy schickt. Das Handy steckt in der VR-Brille, die sich der Besucher aufsetzt. Während der Fahrt sieht der Besucher statt der echten Umgebung eine fiktive Fantasiewelt. Manchmal ist das der Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen, manchmal eine lizenzierte Simulation, in der Superman gegen seinen Erzfeind Lex Luthor kämpft.

"Auf dem Sofa wird den Leuten schlecht, in der Achterbahn nicht"

In jedem Fall wird eine Fahrt simuliert, deren Aufs und Abs mit denen der echten Achterbahn synchron ist. Bei geschickter Programmierung kann dem Besucher etwas vorgegaukelt werden, das gar nicht existiert. „Wir haben in einer Kinderbahn einen Korkenzieher simuliert, wo in Wirklichkeit nur eine steile Kurve ist.“ Das funktioniert, behauptet er. Diese Technologie löst ein Problem, das VR-Achterbahnsimulationen haben, die von Menschen auf dem Sofa angeschaut werden. Vielen werde dabei schnell übel. „Sie nahmen zwar die Bewegungen über die Brille wahr, aber nicht über ihren Gleichgewichtssinn.“ Als Achterbahn-Enthusiast, wie Wagner sich selbst bezeichnet, kam er auf die Idee mit der VR-Brille in der realen Achterbahn, um das Schwindelgefühl in den Griff zu kriegen. 

Der Europa Park ist früh eingestiegen in das Projekt

Als er und seine Studenten merkten, dass es funktioniert, wurde die Technologie sofort unter dem Namen VR Coasters patentiert. „Wir sind weltweit die Ersten gewesen, die diese Technik umgesetzt haben.“ Der Europa Park in Rust, auf dessen Gelände anfangs getestet wurde, sei schnell in das Geschäft eingestiegen und habe bei der Entwicklung geholfen. Aus dem Uni-Projekt ist so ein Unternehmen geworden, das zu 90 Prozent aus Absolventen der Kaiserslauterer Hochschule bestehe, wie Wagner betont.

Die Welt steht Schlange für das patentierte System

Jetzt steht die Welt in Kaiserslautern Schlange. Wagner zählt auf, in welche Länder die Technik bereits verkauft wurde: „Japan, USA, Mexiko, Finnland, Spanien, Italien, Kanada und viele andere.“ Seine ehemaligen Studenten reisen auf der ganzen Welt herum und nehmen die Bahnen in Betrieb. Die Simulationen dafür werden trotzdem in der Pfalz produziert. „Hergestellt wird das alles in Kaiserslautern, selbst die Superman-Simulation für die USA.“ Auf Wunsch könne eine Fahrt auch interaktiv sein. So lässt sich mit einer Kopfbewegung die virtuelle Spur wechseln.

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