Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Karlsruhe: US-Sänger José James huldigt beim Karlsruher Zeltival im Tollhaus der Soul-Ära

Lässig und mit Afro-Mähne: José James Foto: Peter Bastian
Lässig und mit Afro-Mähne: José James

Mit einer üppigen Afro-Mähne und einer rein schwarzen Band zur Seite trat der US-amerikanische Sänger José James am Mittwoch lässig auf die Bühne des Zeltivals im Karlsruher Tollhaus. So erinnerte er auch rein äußerlich an die große Zeit des Soul, der er mit seiner Hommage an Bill Withers huldigt.

„Lean On Me“ nach dem großen Hit von Bill Withers heißt auch die neue CD von José James, der Vorfahren aus Panama und Irland hat. Eingespielt hat er die Songs, weil sie „noch immer so voller Energie und so ergreifend“ seien. Die Aufnahmen seien in ein „gigantisches Medley“ gemündet, das sich laut James anfühlte wie „die ideale Kirche: die Leute weinten, tanzten, sangen, schrien, es war mächtig“. Bei seinem Karlsruher Konzert kam es zwar nicht mehr zu solchen Gefühlstumulten, aber getanzt wurde auch, und musikalisch hatte das Quartett Bemerkenswertes zu bieten.

Als Erstes spielt die Band Withers’ anderen großen Hit „Ain’t No Sunshine“, jenen Song über die Frau, die nur Dunkelheit hinterlässt, wenn sie nicht da ist. Und dann auch das lässig dahinplätschernde „Use Me“ mit dem stolpernden Rhythmus.

Schöne Songs sind und bleiben schöne Songs. Nichts gegen sie! Da ist aber meistens kein Raum für interessante Versatzstücke oder Improvisation. Wie eine Explosion wirkte es daher im Mittelteil, als James, der auch Gitarre spielt, Marcus Machado (Gitarre), Aneesa Almusawwir (Bass und Gesang) und Aaron Steele an den Drums Jimi Hendrix’ „Fire“ anstimmten. Der Song, der für sich schon knallt, wirkte wie eine Befreiung. Jetzt wurde – nicht zur Freude aller Besucher – richtig Musik gemacht. Es folgte James’ „Anywhere U Go“, ein harter Rockkracher mit wüstem Gitarren- und Drumsolo, und ein Song, bei dem James Hip-Hop und Scatgesang mit Freejazz vermischte. Das war großes Kino!

Aber auch er kann schöne Songs. Sein „Trouble“ oder sein „Come to My Door“ klingen wie altvertraute Hits. Ein Zeichen für hervorragendes Songwriting. Doch so groß wie die von Withers sind seine Lieder noch nicht. Die kamen am Schluss noch mal zur Geltung mit „Just the Two Of Us“ und „Lovely Day“, in das James ein bisschen „What's Going On“ von Marvin Gaye einfließen ließ.

x