Rheinpfalz Kampf zwischen Flüchtlingen endet blutig

«Mannheim.» Ob ein Asylbewerber aus Nigeria einen Mitbewohner mit einem Messer töten wollte, hat das Mannheimer Landgericht zu klären. Der 30-Jährige bestreitet, ein Messer benutzt und von hinten zugestochen zu haben.
Er hat sein Leben riskiert, um von Nigeria nach Europa zu fliehen. Der Grund für die Flucht klingt abenteuerlich. Er sei der Sohn eines Königs, sagte der Angeklagte. Nach dessen Tod habe er eigentlich dessen Thron besteigen sollen. Doch das hätten seine Landsleute verhindert. „Die wollen mich umbringen und verwenden schwarze Magie.“ Weil er um sein Leben fürchtete, sei er 2016 von Libyen auf die Insel Lampedusa geflüchtet. Nun steht der vermutlich 30-jährige Asylsuchende wegen Mordversuchs vor dem Mannheimer Landgericht. „Ich grüße die Kammer und habe dem deutschen Staat zu danken“, sagte er beim Prozessauftakt. Die Vorwürfe gegen den Mann wiegen schwer. Laut Anklage hat er versucht, einen Mitbewohner in einer Mannheimer Flüchtlingsunterkunft zu töten. Unvermittelt habe er Anfang Oktober von hinten auf den Kopf des 44-Jährigen eingestochen. Der Afrikaner fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein. Die stark blutende Wunde am Ohr wurde in einer Klinik genäht. Die Tat am 2. Oktober hatte offenbar eine Vorgeschichte. Einige Tage zuvor sollen die beiden Männer in ihrem Zimmer bereits aneinandergeraten sein. Der 44-Jährige habe nachts laute Musik gehört und den „Chef“ gespielt, behauptete der Angeklagte. Daraufhin sei es zu einer Schlägerei gekommen. Beide Männer wurden dabei verletzt. Zwei Tage verbrachte der Angeklagte in einer Klinik. Dann kehrte er zurück und bezog einen anderen Raum. Am Tattag habe er noch seine Sachen aus dem früheren Zimmer holen wollen. Das habe seinem früheren Mitbewohner nicht gepasst. „Er fing an, mit mir zu kämpfen.“ Er habe sich gewehrt, will aber nicht zugestochen haben. „Ich habe nie ein Messer benutzt.“ Der Kontrahent sei nur von seinem Ring getroffen worden. Das blutverschmierte Messer wurde auf dem Flur gefunden. Für das Opfer besteht kein Zweifel: „Er hat mich plötzlich von hinten mit dem Messer gestochen.“ Die Auseinandersetzung einige Tage zuvor, schilderte er so: Er sei an dem Abend in das Zimmer gekommen, in dem der Angeklagte bereits schlief. Als der 44-Jährige das Licht anmachte, habe es sein Mitbewohner wieder ausgemacht. Beide hätten sich daraufhin geprügelt. Direkt vor dem Messerangriff sei es zu keinem weiteren Streit gekommen. Seit der Tat könne er kaum noch schlafen und höre Geräusche im Ohr. „Ich kann da nicht hinsehen“, sagte der Mann, als im Gericht ein Bild seiner üblen Verletzung gezeigt wurde. Der Angeklagte besuchte eigenen Angaben zufolge zwölf Jahre die Schule und begann danach ein Ingenieursstudium, das er nach zwei Jahren aufgab. Auf seiner Flucht sei er in Italien gerettet worden. Im März 2018 sei er mit dem Zug nach Deutschland gereist. Der Angeklagte soll an Tuberkulose leiden und hat wohl psychische Probleme. Er führe Selbstgespräche, sagte er. „Manchmal weiß ich nicht, was ich mache.“ Für den Prozess sind sieben Tage anberaumt.