Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kallstadt: Zu Besuch bei Trumps Nachbarn

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Karin Speckert mit ihrer geschichtsträchtigen Magnumflasche. Unterschriften von Helmut Kohl, Michail Gorbatschow, George Bush und Friede Springer zieren das Etikett des Frühburgunders von 1996.

Der Enkel eines Kallstadters ist US-Präsident und könnte irgendwann die Pfalz besuchen. „Falls er wirklich kommt, stellen wir am besten die Mülleimer raus“, sagt Karin Speckert (76), Besitzerin eines Erinnerungsstücks an einen anderen US-Regierungschef.

„Ich stelle mich dann doof“, sagt die 76-jährige Kallstadterin trocken. Seit Donald Trump vor gut zwei Jahren zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, sind viele Touristen in der Freinsheimer Straße in Kallstadt auf der Pirsch, um sich vor jenem Haus abzulichten, in dem Trumps Großvater Friedrich im Jahr 1869 geboren wurde. Besonders gut weiß das Karin Speckert, die im Haus schräg gegenüber wohnt. Immer wieder mal werde sie auf der Straße angehalten. Die Leute wollten wissen, wo das Trump-Haus sei, aber sie sage dann stets, sie habe keine Ahnung, berichtet die Nachbarin. Schließlich hätten die jetzigen Besitzer schon genug Scherereien. „Die Japaner kommen gerne und machen Selfies“, sagt Speckert, und auch deutschstämmige Amerikaner habe sie unter den Touristen schon oft ausgemacht. Allerdings: Viele Besucher hätten sich wohl mehr von dem Haus versprochen, meint sie. „Es ist eben sehr einfach. Die Besitzer haben es als Pfälzer Hofhaus aber sehr schön erhalten.“ Speckert verzieht sich jedenfalls lieber in ihr Haus, wenn sie bemerkt, dass Touristen im Anmarsch sind. „Eigentlich schade, denn wir Kallstadter sind wirklich sehr gastfreundlich.“ Die Trumps und die Pfalz Das wissen Touristen abseits des Trump-Trubels durchaus zu schätzen: Das Leben in Kallstadt spielt in den vielen gastronomischen Betrieben – das Angebot reicht von einfachen Straußwirtschaften bis zum Gourmet-Lokal mit Michelin-Stern. Und Karin Speckert selbst ist am liebsten draußen in den Weinbergen. Da schlägt für sie das Herz von Kallstadt. Ein besonderer Frühburgunder aus Kallstadter Reben ist es denn auch, mit dem Karin Speckert aufwarten kann – obwohl sie um die Rarität gar kein großes Aufhebens machen will. Die Magnum-Flasche, eine Spätlese von 1996, lagert ungeöffnet in einem unscheinbaren Karton in ihrem Keller. Der Weinort Kallstadt ist eigentlich für seinen Riesling der Lage Saumagen bekannt. „Saumagen zum Trinken und Essen“ wird in den Gaststätten oft und gerne serviert. Und Karin Speckert lenkt den Blick, statt auf den Frühburgunder, eigentlich lieber auf ihre Puppensammlung, die dem Besucher gleich ins Auge fällt. Die Exponate zeigt sie im Hausflur und im Wohnzimmer in Schränken und Puppenwagen. Die Puppen sind für sie präsent. Die Frühburgunder-Flasche dagegen ist einfach „Geschichte“, „Vergangenheit“, und Karin Speckert winkt sogar ein bisschen ab, wenn sie davon erzählt.

Goldene Unterschrift von Helmut Kohl

Die Flasche klemmt im Karton fest. Harter Styropor hält sie fest. Mit einem festen Ruck ist sie dann doch draußen. Wenn man die goldenen Unterschriften Helmut Kohls, Michail Gorbatschows und des kürzlich verstorbenen George Bush sieht, ist man froh, dass die Flasche bei der Aktion heil geblieben ist. Sie erzählt tatsächlich Geschichte: Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer trafen sich drei Staatsmänner auf Einladung des Axel-Springer-Verlags am 9. Oktober 1999 in Berlin. Getrunken haben sie dabei ausgerechnet einen Wein aus Kallstadt. „Die Veranstaltung war im Presseclub des Springer-Hauses“, erzählt Speckert, als sei sie dabei gewesen. Das waren sie und ihr Mann damals aber nicht. Die Unterschriften des früheren Bundeskanzlers, des US-Präsidenten und des letzten sowjetischen Staats- und Parteichefs haben sie dem Chef des Presseclubs, Karsten Rongstedt, zu verdanken. „Der hat sich gedacht, dass wir uns in Kallstadt bestimmt sehr über so ein Präsent freuen würden.“ Rongstedt, enger Vertrauter von Axel Springer, ließ die Staatsmänner sowie Friede Springer unterschreiben.

„Mit Promis hatten wir oft zu tun“

Das Stück weckt eher traurige Erinnerungen bei Karin Speckert. Der Wein wurde von Karin Speckerts Ehemann Arno an- und ausgebaut. Sein Tod vor 14 Jahren hat in ihr Leben eine tiefe Lücke gerissen. Seitdem haben die Speckerts kein eigenes Weingut mehr, Mutter und Sohn bewirtschaften aber noch das Weinbergsgelände, liefern die Trauben im Herbst an die Kallstadter Winzergenossenschaft. „Harte Arbeit, die sehr auf die Knochen geht“, sagt Speckert, die aus Hamburg stammt und als Bankangestellte in Neustadt arbeitete, als sie ihren späteren Mann kennenlernte. 40 Jahre ist das her. Als Gorbatschow den Stift zur Hand nahm, um seinen Namen auf die Flasche zu schreiben, drückte jemand auf einen Kamera-Auslöser. Auch dieses Foto hat Speckert noch. „Mit Promis hatten wir oft zu tun“, erzählt sie. Schließlich habe man bei Empfängen nach der Verleihung der Goldenen Kamera oder nach Wetten-dass? oft Speckert-Wein aus Kallstadt ausgeschenkt. So hätten sie und ihr Mann Thomas Gottschalk, Manfred Krug oder Bud Spencer kennengelernt: „Alles normale Leute ohne Allüren.“ Der Berühmtheit Trump würde sie eher aus dem Weg gehen, sagt die 76-Jährige. Sie hält nicht viel vom amtierenden US-Präsidenten und sagt bestimmt: „Falls er wirklich kommt, stellen wir am besten die Mülleimer raus und machen die Rollläden runter, um zu zeigen, was wir von ihm halten.“ Am besten, Trump verschone die Kallstadter ganz mit seinem Erscheinen, meint sie. Ihr machen vor allem die Sicherheitsvorkehrungen Sorgen.

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