Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Das Weindorf und der Präsident

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Donald Trumps Großeltern: Elisabeth und Friedrich Trump.

Der Großvater

Kallstadt

ist durch US-Präsident Donald Trump weltweit in den Fokus gerückt, weil einer von Trumps Großvätern, Friedrich Trump, in dem Pfälzer Weinort geboren wurde: im Jahr 1869 als Sohn von Johannes Trump und Katharina Trump, geb. Kober. Die Familie besaß ein kleines Weingut. Aber erst wanderte Friedrich Trumps Schwester Katharina in die USA aus, 1885 dann auch Donald Trumps Großvater Friedrich. 1902 heiratete er in der Heimat die Kallstadterin Elisabeth Christ und zog mit ihr in die USA (Foto). Friedrich Trump wurde mit Restaurants im Nordwesten der USA und im Yukon-Territorium reich. (Foto: Archiv)

Mein lieber Herr Gesangsverein

Die Kallstadter sind nicht gerade stolz darauf, dass Donald Trumps Großeltern hier geboren sind. Beim Männergesangverein war man schon vor einem Jahr in der Singstunde nicht unbedingt begeistert von dem Gedanken, Trump ein Ständchen zu singen, wenn er nach Kallstadt kommen sollte. „Uns ist fast lieber, wenn er nicht kommt“, ist zweiter MGV-Vorstand Leo Möckel weiterhin froh, dass es noch keinen Besuchstermin gibt. Jedoch könne man schlecht Nein sagen, wenn die Präsidenten-Pläne für eine Reise in die Pfalz konkreter würden. „Wenn er tatsächlich kommt, werden wir uns als gute Gastgeber zeigen“, ist der 79-Jährige überzeugt. Schließlich werde das Medieninteresse sehr hoch sein. Und wenn der Männergesangverein für einen Beitrag am Tag X tatsächlich gebraucht werde, könne man bestimmt mit dem Chor reden, gibt sich Möckel aufgeschlossen.

"Dachte, dass mehr kommt"

Noch keinen „Trump-Tourismus“ hat der Leiter des i-Punktes in Kallstadt, Jörg Dörr, ausgemacht: „Wir haben bislang höchstens 20 Leute da gehabt, die sich hier im i-Punkt nach dem Standort des Trump-Hauses erkundigt haben. Wir haben gedacht, dass da mehr kommt.“ Die meisten Touristen hätten angegeben, sowieso gerade in der Pfalz zu sein und sich deshalb auch Kallstadt ansehen zu wollen. Solange es keine offizielle Anfrage nach einem Besuch des Präsidenten gebe, werde man auch nichts vorbereiten. „Ich glaube da auch immer noch nicht dran“, ist Dörr skeptisch.

Aufpassen beim Smalltalk

Veronika Schramm hatte als Leiterin eines Gästehauses schon US-Amerikaner zu Besuch. „Da habe ich schon aufpassen müssen, was ich sage. Die haben ganz toll gefunden, was Trump macht“, sagt sie. Sie hoffe nach wie vor, dass Trump nicht in die Pfalz kommt. „Da ist hier in Kallstadt keiner scharf drauf und bestimmt auch keiner in der ganzen Region“, meint Schramm, der sofort Bilder von Demonstranten und Absperrungen in den Sinn kommen, wenn sie sich einen Besuch Trumps in Kallstadt vorstellt. Obwohl US-Botschafter Richard Grenell im Dezember verlauten ließ, dass Trump vorhabe, die Heimat seiner Großeltern zu besuchen, glaubt Schramm nicht so recht daran. „Ich halte nicht so viel von dieser ganzen Diskussion“, meint sie. So gehe es den meisten Kallstadtern.

Der Film

Für Simone Wendels Film „Kings of Kallstadt“ (2014) sagte Donald Trump vor seiner Kandidatur zum US-Präsidenten „Ich bin ein Kallstadter“ in die Kamera. Und er betonte, dass er Kallstadt genauso liebe wie sein Großvater Friedrich. Aber der drehte seiner Heimat ja bekanntlich den Rücken. Weil er durch die Auswanderung seinen Wehrdienst nicht ableisten musste, konnte er später mit seiner Frau Elisabeth, die Heimweh nach Kallstadt hatte, kein deutscher Staatsbürger mehr werden.

Merkels Geschenk

Bei ihrem Besuch in Washington im April 2018 überreichte Kanzlerin Angela Merkel dem US-Präsidenten im Oval Office einen Kupferstich von 1705 mit einer Karte der Pfalz, auf der auch Kallstadt eingezeichnet ist. Das Weiße Haus nannte den Präsidenten in diesem Zusammenhang einen „stolzen Enkel deutscher Einwanderer“. Im Dezember berichtete US-Botschafter Richard Grenell, dass Trump Kallstadt besuchen wolle. „Ich weiß nicht wann, aber er hat mir gesagt, dass er kommen und den Heimatort seiner Familie sehen will“, sagte er. Der Botschafter wollte zuvor nach Kallstadt kommen, um den Besuch vorzubereiten. So hatte es US-Generalkonsul James Herman im Januar 2018 bei seiner Stippvisite in Kallstadt angekündigt. Eine Anfrage aus der Botschaft steht noch aus.

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