Rheinpfalz Kaffee und andere Künste

Zelebriert die Zubereitung von Kaffee: Andreas Kontoussias.
Zelebriert die Zubereitung von Kaffee: Andreas Kontoussias.

«LUDWIGSHAFEN.» Seit drei Wochen ist Andreas Kontoussias als „Caipiman“ mit seiner Kaffee- und Cocktailbar Teil des Kunstfestivals „Wow Art Lu“. Ein Projekt, das dem 40-Jährigen so gut gefällt, dass er gar über ein eigenes Café in der Ludwigshafener Innenstadt nachdenkt. Sich immer wieder zu verändern und stets offen zu sein für neue Dinge – das zieht sich wie ein roter Faden durch sein (Berufs-)Leben.

Sollte es vorher noch einen Zweifel daran gegeben haben, dass Andreas Kontoussias seine Arbeit mit Leidenschaft ausübt, dann ist er spätestens jetzt ausgeräumt: in dem Moment, in dem der 40-Jährige den Milchschaum auf den Kaffee gleiten lässt und ohne Schablone, nur mit einem Löffel, ein Blatt zaubert. Und auf der anderen Tasse ein Herz. „Latte Art“, sagt er und lächelt. „Natürlich dauert bei uns alles ein paar Sekunden länger, als wenn man auf das Knöpfchen des Vollautomaten drückt“, sagt er. „Aber es ist auch liebevoller. Und es geschieht mit Respekt gegenüber dem Gast.“ Das Zelebrieren der Zubereitung ist es, was Kontoussias an der italienischen Kaffeekultur schon immer fasziniert hat. Auf Reisen schaut er sich unheimlich gerne Cafés und Röstereien an oder sitzt einfach an der Bar und beobachtet, was sich jenseits der Theke abspielt. Dabei war ihm ein Dasein als Barista nicht gerade in die Wiege gelegt. Nach dem Realschulabschluss schlug der im Hemshof aufgewachsene Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter eine Laufbahn bei der baden-württembergischen Polizei ein. Sechseinhalb Jahre arbeitete er im Streifendienst bei der Bereitschafts- und der Autobahnpolizei. Den Job – und die Sicherheit einer Beamtenlaufbahn – gab er zugunsten eines Einstiegs ins väterliche Unternehmen auf, aus der eine erste Selbstständigkeit wurde: Er spezialisierte sich darauf, für Kunden in Griechenland deutsche Fahrzeuge zu kaufen und sämtliche Formalitäten zu regeln. Ein Geschäft, das so lange gut ging, bis die griechische Krise seine Kunden in Schwierigkeiten brachte. Im Jahr 2008 legte er den Grundstein für seine nächste Karriere in der Gastronomie. Nachdem er schon als Polizist nebenbei als Barkeeper gearbeitet hatte – etwa im Mannheimer Café Prag oder im Ludwigshafener Allegro –, lag die Branche nahe. 2009 gründete Kontoussias „Caipiman“, einen mobilen Cocktail- und inzwischen auch Baristaservice. Für Unternehmen und Privatpersonen ist Kontoussias auf Messen, bei Firmenfeiern oder privaten Veranstaltungen im Einsatz. Er mixt Cocktails, bereitet Kaffeespezialitäten zu und zaubert eben mit Hingabe Herzen aus Milchschaum. Oder lässt es seine Mitarbeiter tun. Bis zu sechs Aushilfen beschäftigt er. Sie intensiv einzuarbeiten und gut zu schulen im Umgang mit Spirituosen, mit Kaffeebohnen – die aus der Mannheimer Rösterei Helder & Leeuwen stammen – und vor allem mit Kundenwünschen, das ist ihm wichtig. Bis zu drei Veranstaltungen gleichzeitig kann er mit seinen vier mobilen Bars bespielen. „Die kann ich superschmal zusammenbauen und in meinem Bus transportieren“, erzählt er. Dazu kommt noch das „Baristabike“, ein Hingucker für Messen und Events. Um eine gewisse Sicherheit zu haben, hat Kontoussias noch bis Anfang 2016 als Barkeeper in der Kultgaststätte Maffenbeier gearbeitet – auch wenn dort seine Fähigkeiten als Cocktailmixer nicht gefragt waren, ist das doch eher der richtige Ort für eine Schorle oder ein Weizenbier. Weil sein eigenes Unternehmen immer besser lief und ihn seit einiger Zeit ernährt, hängte er den Nebenjob an den Nagel. Und kann sich jetzt vorstellen, ein eigenes Café zu eröffnen, dessen Gäste hochwertige und mit Liebe hergestellte Produkte zu schätzen wissen. „Am liebsten in Ludwigshafen“, sagt der Vater einer 14-jährigen Tochter, der mit seiner Partnerin in Oppau lebt und noch nie in einer anderen Stadt gewohnt hat. Teil einer kreativen Gruppe zu sein, die Leben in das Abrisshaus der GAG am Knödelbrunnen bringt, Laufkunden für Kultur zu begeistern, auch für Kaffeekultur – das alles sind Dinge, die dem 40-Jährigen sichtlich Spaß machen. In irgendeiner Form würde er das Projekt gerne fortsetzen. Ob parallel zum eigenen Café oder vorher noch – so genau weiß Andreas Kontoussias das selbst noch nicht. Eines ist er auf jeden Fall: offen für alles, was noch so kommen mag.

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