Kultur Südpfalz Künstlerische Positionen aller Art
Die 18 aktuellen Professoren und Professorinnen der Kunstakademie stellen anlässlich des Stadtjubiläums erstmals gemeinsam in der Städtischen Galerie in Karlsruhe aus. Die stilistische Vielfalt und die Qualität überzeugt.
Einen geeigneteren Ort als die Städtische Galerie Karlsruhe für die erste Ausstellung aller Professoren und Professorinnen der Kunstakademie Karlsruhe dürfte es kaum geben, ist das erklärte Ziel der Sammlungspolitik des Hauses doch die Kunst aus dem deutschen Südwesten. So finden sich Arbeiten von vielen der 18 Künstler der Akademie schon in den Beständen der Städtischen Galerie, wurden den meisten schon Gruppen- oder Einzelausstellungen gewidmet. Zum 300. Stadtjubiläum sind die 18 Professoren nun erstmals gemeinsam in einer Schau bis 21. Februar präsent, wobei vor einer Gruppenausstellung indes nicht die Rede sein kann, zu unterschiedlich sind die Ansätze und künstlerischen Positionen der Lehrenden. Brigitte Baumstark, die Leiterin der Städtischen Galerie, spricht bei der Ausstellung von einem „Generationenschnitt“, treffen doch Arbeiten von Silvia Bächli, die als erste Frau 1993 in die Fächerstadt als Professorin berufen wurde (und die bald in den Ruhestand geht), auf die von Schlemmer beeinflussten Werke von Kali Lindena, die zuletzt den Ruf an die Akademie erhielt. Bei vielen wie beispielsweise Bächli mit ihrer aus einem Gitterwerk aus Acrylfarben bestehenden Arbeit „Roten Zimmer“ oder dem auf dem Kunstmarkt omnipräsenten Stephan Balkenhol, von einer seiner bekannten Figuren werden die Besucher der Schau empfangen, ist der Personalstil auf den ersten Blick erkennbar. Auch Daniel Roth, der einst in Karlsruhe studierte und 2007 zum Professor ernannt wurde, präsentiert mit der Installation „Das Herz der Finsternis“ eine durch Assoziationen an eine Reise in den brasilianischen Regenwald inspirierten vielschichtigen Arbeit eher typisches. Auch Franz Ackermann, der als Kurator der Ausstellung fungierte, großformatige Arbeit wie sein Triptychon „My private Tarlabasi“ mit seinem auf Fotos von einem Londonaufenthalt, Collage und Malerei verschränkendem Ansatz erweitert das Bild von den Arbeiten des Künstlers nur unwesentlich, während die ebenfalls im großen Lichthof präsentierten Werke von Leni Hoffmann und Tatjana Doll im Kontext ihrer sonstigen Arbeiten eher ungewöhnlich sind. Nicht nur die Größe der Bilder überrascht bei Doll, sondern das Verschwinden der Motivik, die Beschränkung auf die Arbeit mit der verlaufenden Lackfarbe. Axel Heil, ebenfalls ein früherer Karlsruher Student, der nun in der Fächerstadt lehrt, ergänzt mit seiner großformatigen Picasso-Hommage, die auf einem Foto der Wohnung des Picasso-Galeristen Kahnweiler basiert, den Raumeindruck. Während Marijke van Warmerdam mit ihrer Film-Arbeit zu den wenigen gehört, die nicht traditionelle bildnerische oder skulpturale Techniken verwenden, bleiben Erwin Gross, der langjährige Rektor der Akademie ist mit seinen gewohnt leicht matten Farbauftrag, oder Ernst Caramelle mit seinen Schattenbildern im Rahmen des Gewohnten. Gefundenes hingegen ist die Grundlage der Arbeiten von Meuser, die oft wie bei der „Grundausstattung eines Bauarbeiters“ recht ironisch-witzig wirkt. Esoterisch von der Erinnerung an indonesische Spiritualisten, die in den 1930er Jahren in seiner holländischen Heimat lebten, inspiriert wirkt Marcel van Eaden. Eine überzeugende Kombination gelingt Corinne Wasmuth mit der Verschränkung des sich in den Beständen der Städtischen Galerie befindliche großformatige Öl-Bild „DFW-CDG“ mit Magazin-Fundstücken aus ihrem Privatarchiv. Info Geöffnet bis 21. Februar. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, am Wochenende 11 bis 18 Uhr. Ein informativer Katalog über die aktuellen 18 Professoren der Kunstakademie liegt vor. (gt)