Kultur Südpfalz Künstlerinnen auf Spurensuche

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Für eine Ausstellung, die auch als Betrag zum Jubiläumsjahr der Stadt Karlsruhe verstanden werden soll, ist dies ein interessanter Ansatz: 16 Mitglieder der Gedok-Künstlerinnenvereinigung begaben sich auf die Spuren von Vorgängerinnen, die durch Herkunft oder Studium an der Karlsruher Akademie zumindest zeitweise verbunden waren.

Diese Annäherungsversuche sind unter dem Titel „Spuren. Suche. Begegnungen“ in der Durlacher Orgelfabrik zu besichtigen. Zum einen wird dabei ein Anstoß zum Blick auf durch Emigration oder andere Umstände hier zum Teil fast vergessene Künstlerinnen ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben. So beziehen sich gleich drei Künstlerinnen – Uta Arnhardt, Christiane Breu und Johanna Reutter – auf Sonia Delaunay. Die Malerin, die mit ihrem Ehemann Robert Delaunay den sogenannten Ophismus als Variante der abstrakten Malerei entwickelte, hatte unter anderem auch in Karlsruhe studiert. „Patinnen“ sind ferner die 1906 und 1908 in Karlsruhe geborenen bedeutenden jüdischen Fotografinnen Ellen Auerbach und Liselotte Billigheimer-Grschebina, die Malerinnen Eleonore Frey-Hanken und Gretel Haas-Gerber sowie die als vielseitige bildende Künstlerin und Kunsthandwerkerin tätige Clara Kress. Auf deren Bildstickerei „Hortus temptationis“ bezieht sich ein Bild, mit dem ihre Nichte Christa Kress vertreten ist. Wenn an dieser etwas zu kritisieren ist, dann ist es die bei solchen Gemeinschaftsausstellungen nie ganz zu vermeidende künstlerische Unausgewogenheit. Besonders bemerkenswert erscheinen Jutta Hierets indische Fotoarbeiten aus der Serie „Karma – Wege der Kinder“, in denen sie, ergänzt durch Texte, Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Räumen und Landschaften darstellt. Dann Elke Steiners Gemälde „Goldene Zeiten“, wobei der porträtierte Schimpanse die Ironie des Titels deutlich werden lässt, Lilo Maischs eindrucksvolles Glas-„Fenster“, eine „Hommage à Clara Kress, Rosa Baums „Seherin“ oder Gloria Kellers „Lebenslinien“ mit Blick auf Gretel Haas-Gerbers „obsessives Zeichnen“. Wie diese hat Keller sich der Frage nach sich selbst gestellt und in verschiedenen Altersstufen gezeichnet. Zwei dieser ausdrucksstarken Arbeiten sind zu sehen. Ein ganz spezielles Projekt mit den Titel „Festung Europa“ hat die in Karlsruhe geborene und dann zunächst in Teheran aufgewachsene Myriam Schahabian beigesteuert. Es beginnt schon draußen, nimmt dann gleich nach dem Eintreten großen Raum ein und soll als aktuelle Antwort auf die Situation der in den 30er Jahren nach Palästina ausgewanderten Fotografinnen Auerbach und Grschebina verstanden werden. Nur dass es hier um die Bootsflüchtlinge geht, die übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen und allzu oft dabei ihr Leben verlieren. Die Installation aus u.a. Filmen (so eine düstere Bootsfahrt vor ungenannter Küste, Tonplastiken, die aktuelle Medieninformationen nachstellen, sowie dem Glasmodell der idealen hochgotischen Kathedrale als Sinnbild des angeblich bedrohten „Abendlandes“ kann den Betrachter recht intensiv beschäftigen. Info Bis 3. Mai in der Orgelfabrik, Amthausstraße 17, Karlsruhe-Durlach. Donnerstag und Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 18 Uhr, Sonntag 15 bis 19 Uhr, feiertags geschlossen. Eintritt frei. (yst)

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