Rheinpfalz Künftig gratis surfen in der City

Surfen im Biergarten, Café oder sogar im Geschäft: Das soll in Kusel möglich sein – auch für all jene, die keine Flatrate für ihr Smartphone haben. Die Kreisstadt soll mit freiem Internet-Zugang ausgestattet, die City Surfzone werden. Und das ist keine Zukunftsmusik, sondern soll voraussichtlich bis zur Messe schon funktionieren. Möglich macht’s das Projekt „Freies W-Lan für die Innenstadt Kusel“, das der Verein Zukunfts-Region Westpfalz angestoßen hat.
Nach Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken wird auch in Kusel künftig Gratis-Surfen möglich sein. Wie das nun zu bewerkstelligen sei, hat der Geschäftsführer der Zukunfts-Region Westpfalz, Hans-Günter Clev, am Freitagabend dem Kuseler Stadtrat mitgeteilt (wir berichteten). In dem Gremium fand das Projekt ungeteilte Zustimmung. Dem Verein Zukunfts-Region gehören nach Angaben des Geschäftsführers mittlerweile 163 Mitglieder an – Unternehmen wie auch Gebietskörperschaften. Der Landkreis wie die Verbandsgemeinde Kusel zählen zu den Institutionen, die den Verein per Mitgliedschaft unterstützen und auch von dessen Wirken profitieren sollen. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, die Westpfalz in vielerlei Hinsicht zu stärken und fit für die Zukunft zu machen. Technisch sei das Funknetz relativ einfach einzurichten, die notwendigen Investitionskosten seien vergleichsweise gering, teilte Clev mit. Ihm zur Seite stand bei der Präsentation des Vorhabens Guido Hartmann, Geschäftsführer der Gesellschaft „K-Net“ in Kaiserslautern. Die ist ein Tochterunternehmen der Kaiserslauterer Stadtwerke und spielt bei dem W-Lan-Vorhaben ebenso wie die Kuseler Stadtwerke eine Schlüsselrolle. Das Versorgungsunternehmen verfügt über ein eigenes Kabelnetz, das im Kuseler Untergrund verläuft. Das sogenannte Steuernetz erlaube, die zu installierenden Hotspots zu versorgen, die wiederum die Signale per Funk in der Innenstadt verteilen, erläuterte Stadtwerke-Geschäftsführer Friedrich Beck. Einzige Hürde, die noch etwas Aufwand verlange: Es sei eine gut ein Kilometer lange Leitung entlang der Bahnlinie vom Kuseler Gaswerk Richtung Kläranlage zu verlegen. So soll eine Verbindung zu einer Fernleitung geknüpft werden. Angedacht ist die Verbindung zum Glasfasernetz „Herkules“, das zur Versorgung von Bundeswehr-Standorten verlegt worden ist. In Kusel sollen gut ein Dutzend Hotspots installiert werden, für deren Stromversorgung die Stadtwerke bürgen. Die Hotspots geben die Signale über Funk weiter. In ihrem Wirkungsbereich ist problemlos möglich, sich mit einem Laptop, Tablet oder Smartphone ins Netz einzuklinken. Was die Kosten betrifft, so wollte sich Clev noch nicht genau festlegen. Das sei noch näher zu untersuchen, richte sich nach dem zu stemmenden Aufwand. Allerdings hatte der Geschäftsführer zumindest eine Vergleichsgröße parat: In Kaiserslautern seien 20 Hotspots vorgesehen, dort rechne man mit Kosten von rund 54.000 Euro. In Kusel könne man mit 16.000 bis 18.000 Euro rechnen. Was der Stadtrat gerne hörte: Die Zukunfts-Region zahlt die Hardware, liefert die Hotspots frei Haus. „Wir müssen ja was tun mit dem Geld unserer Mitglieder“: Es sei ja Sinn und Zweck der Institution, mit solchen Projekten die Infrastruktur in der Westpfalz zu stärken, erinnerte Clev. Dass sich die Kaiserslauterer Stadtwerke-Tochter K-Net und die Kuseler Stadtwerke mit einbringen, ohne zumindest einen direkten Nutzen daraus zu ziehen, sei auch einfach zu erklären: Beide Energie-Versorger betrachteten diesen Service als ein Instrument der Kunden-Bindung, wie Guido Hartmann bestätigte. Die Sache sei aber nicht erst für den St. Nimmerleinstag ins Auge gefasst: In Kaiserslautern werde das Netz Mitte Mai stehen, in Pirmasens ab Mitte Juli. Clev nannte Anfang September als einen möglichen Start-Zeitpunkt für Kusel. Es müsse aber klar sein, dass die Funknetz-Versorgung in der City keine „Komplettlösung bis in den letzten Winkel“ darstelle, schränkte Clev ein. Beim ersten gemeinsamen Gespräch vor zwei Wochen habe man sich über die Verteilung der Hotspots bereits Gedanken gemacht. In einem Rutsch sei das vorgesehene Netz allerdings nicht aufzubauen, es seien Bauabschnitte vorgesehen. Der erste sehe Hotspots am Stadtwerke-Gebäude und am Bahnhof, am Rosengarten und in der oberen Bahnhofstraße vor. Seien die Zugangs-Punkte dann erst einmal installiert, biete sich die Möglichkeit einer sinnvollen Erweiterung: Es sei möglich, jeweils sogenannte Sub-Netze einzurichten. Beispielsweise könnten sich Gastronomen zusammenschließen und eigens Zugänge in ihren jeweiligen Lokalen anbieten, womöglich ohne Zeitlimit. Oder auch der Einzelhandel könne ein Netz etablieren. Interessant seien auch die Möglichkeiten, Stadt-Informationen mittels QR-Code einzuspielen. So könnten sich Fremde in Kusel an den Hotspots über Sehenswertes und die Geschichte der Stadt kundig machen. (cha)