Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Julius Gawlik aus Landau hat es in die NDR Big Band geschafft

Julius Gawlik bei einem Besuch in der alten Heimat Landau
Julius Gawlik bei einem Besuch in der alten Heimat Landau

Julius Gawlik ist mit 23 Jahren das jüngste Mitglied der NDR Big Band. Der Landauer hat sich unter 150 Bewerbern durchgesetzt und einen festen Platz in dieser renommierten Jazz-Institution ergattert. Doch der junge Saxofonist bleibt auf dem Teppich.

Die Anstellung bei der NDR Big Band ist ein Ritterschlag. Doch er sagt: „Es wäre falsch, zu denken, ich sei der Beste.“ Gefragt nach dem Geheimnis seines Erfolges, zögert er. „Es spielen viele Faktoren mit, nicht auf alle hat man selber Einfluss“, sagt er. Voraussetzung aber sei ein enger Bezug zur Musik, zum Jazz. Und man müsse sich in die Band einfügen, in den Saxofonsatz ebenso wie in den Gesamtklang, und mit den anderen Musikern gut klarkommen. „Man muss ein Teamspieler sein“, sagt er. Und gerade das mache ihm auch Spaß: „Es ist toll, Teil von etwas Größerem zu sein, am Gesamtklang einer solchen Band mitzuwirken“, sagt er. Dass man sehr viel übt, sei selbstverständlich, und damit habe er auch schon früh begonnen.

Angefangen habe er mit etwa zwölf Jahren auf der Klarinette, als er 13 war kam das Saxofon dazu. Mit dem Jazz hatte er schon früh Berührung: Sein Vater, Berthold „Bobby“ Gawlik, spiele Klavier und mache Jazz, habe in verschiedenen Bands gespielt und auch mit dem Sohn zusammen oft Musik gemacht.

Durch die ganze Plattensammlung gehört

Und der Vater hatte eine pfiffige Idee: Sein Sohn sollte ihm gegen ein kleines Entgelt die Vinyl-Plattensammlung digitalisieren. Und weil das nur in Echtzeit geht, hat sich Julius durch Vaters ganze Sammlung gehört. „Ich hab etwa ein Jahr lang jeden Tag zwei Platten gehört“, sagt der junge Musiker. Besonders beeindruckt habe ihn John Coltrane. Kein Wunder, Coltrane trieb das Saxofonspiel zu extremer Virtuosität, prägte die Entwicklung von Bebop über Modal und Modern bis zum Free Jazz. Benny Goodman und seine Big Band habe Gawlik auch gefallen. „Ich habe viel gehört, was man in meinem Alter eigentlich nicht hört“, sagt er.

Die erste Big Band in der Julius Gawlik mitspielte, war die Brass Connection der Landauer Stadtkapelle. Schon mit 14 Jahren schaffte er die Aufnahme ins Landesjugendjazzorchester, später mit 18 dann ins Bundesjazzorchester. Mit 15 begann Gawlik ein Vorstudium an der Musikhochschule in Mainz. Dann studierte er Jazz-Saxofon an der Universität der Künste in Berlin.

Auswahlverfahren dauerte zwei Jahre

Bei der NDR Big Band habe er sich beworben, weil das Jazzorchester toll sei und die Stelle auch ein guter Job in einer sehr schwierigen Branche sei – weshalb die Nachfrage so groß sei. Beworben haben sich Musiker aus aller Welt. Die Stelle war im Sommer 2019 ausgeschrieben und das Verfahren bis zur endgültigen Zusage habe fast zwei Jahre gedauert. Erst schicke man Aufnahmen und Unterlagen, dann werden Bewerber eingeladen. Immer wieder gab es Vorspiele und Zusammenspiele, die Gruppe der Bewerber wurde immer kleiner. In der NDR Big Band wird Gawlik auch Klarinette und Flöte spielen, was er auch reizvoll findet. „Julius Gawlik ist nicht nur ein sehr guter und sehr talentierter Musiker, sondern bereits jetzt wiedererkennbar in dem, was er tut“, sagt Bandmanager Axel Dürr.

Zurück nach Landau, woher seine Mutter stammt, kam die Familie Gawlik aus Halle an der Saale, als Julius fünf Jahre alt war. Dass das Otto-Hahn-Gymnasium, wo er 2017 Abitur machte, ihm in der Oberstufe für Konzertreisen oder zum Studium in Mainz öfter mal frei gab, war sehr hilfreich. „Ich hatte gute Unterstützung, und das freut mich sehr“, sagt er.

Jetzt pendelt er zwischen Berlin und Hamburg

Seit dem Studium lebt er in Berlin, jetzt pendle er zwischen Hamburg und Berlin. Freunde und Familie habe er noch in Landau und deshalb versuche er, zwei- bis dreimal im Jahr in die Pfalz zu kommen. Auf die Frage, was er als Pfälzer in Berlin vermisse, fällt ihm als erstes der Pfälzerwald und die Natur ein.

Jetzt will er sich erst mal in den neuen Job mit der NDR Big Band einarbeiten und parallel eigene Musik und eigene Projekte voranbringen. „Ich will mich auf dem Posten sicher nicht ausruhen“ sagt er. Und so schmiedet er Pläne für verschiedene Konzerte und Touren in Europa und darüber hinaus – die dann hoffentlich auch stattfinden werden.

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