Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Jonas Kaltenbach studiert in Köln Jazz-Schlagzeug und hat die Schorle auch in die Musik eingeführt

Jonas Kaltenbach – hier bei einem Konzert in Klingenmünster – hält noch intesiven Kontakt in die Südpfalz.
Jonas Kaltenbach – hier bei einem Konzert in Klingenmünster – hält noch intesiven Kontakt in die Südpfalz.

Als Jonas Kaltenbach vor einer Woche beim Festival in Klingenmünster auftrat, war das ein Heimspiel für ihn. Der Schlagzeuger stammt aus Steinfeld. Inzwischen ist er in der Kölner Jazzszene etabliert. Die Schorle ist ihm geblieben – auch in der Musik.

Jonas Kaltenbach hat seinen Bachelor-Abschluss als Jazz-Drummer fast schon in der Tasche. Das Abschlusskonzert fehlt noch. Es soll am 12. September im renommierten Stadtgarten in Köln sein mit seiner Band Cerasa. Sein Stil bewegt sich im weiten Feld des Modern Jazz.

Angefangen hat alles mit einer Bongo, die seine Eltern ihm in Südfrankreich gekauft haben. Er erinnert sich noch, wie er auf der Heimfahrt im Auto getrommelt hat. Kaltenbach wurde 1994 in Heidelberg geboren, aufgewachsen ist er in Steinfeld und in Bad Bergzabern zur Schule gegangen. Rhythmus scheint ihm im Blut zu liegen. „Ich habe als Kind auch auf Partys meiner Eltern getanzt. Es war schon früh abzusehen, dass ich Rhythmus spannend finde“, erinnert er sich.

Schlagzeug im Keller eines Freunds entdeckt

Wie seine beiden Brüder habe er auch Klavier gelernt, weniger aus eigenem Interesse, sondern weil die Mutter das gerne wollte. Ein wichtiger Impuls ergab sich zufällig bei einem Schulfreund, als Kaltenbach zwölf Jahre alt war. „Wir haben draußen gespielt und sind danach zu einem der Jungs ins Haus gegangen. Und da stand im Keller ein Schlagzeug.“ Er hat drangesetzt, und da war ihm schnell klar, dass Schlagzeug sein Instrument ist.

Er wünschte sich ein Drum Set und nach den ersten vereinzelten Stunden bei älteren Freunde seiner Brüder nahm er regelmäßigen Unterricht. An seiner Schule lockte ihn die Big Band von Peter Kusenbach. „Eigentlich wollte ich da rein, weil viele Freunde von mir schon drin waren und ich gerne was mit anderen zusammen machen wollte“, sagt er im Rückblick. Denn die Big Band unternahm auch Reisen, spielte in der Pfalz auf Festen und gab Konzerte im Ausland.

Erster Unterricht beim Big-Band-Kollegen

„Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich in den Sound einzufinden“, erinnert sich Kaltenbach. Damals habe er noch vorwiegend Rock gehört, im Plattenschrank seines Vaters fand er Led Zeppelin, Pink Floyd und Nirvana. Über die Big Band kam er dann zum Jazz. Sein „Amtsvorgänger“ am Schlagzeug, Julian Losigkeit aus Oberotterbach, heute ebenfalls Profi und in der Metropolregion aktiv, hat ihm Unterricht gegeben.

Kaltenbach gefiel das. Im Jazz gebe es kein ausgeprägtes Schüler-Lehrer-Verhältnis mit Distanz, der Kontakt sei eher „kumpelhaft“. Selbst im Studium habe er erlebt, dass Lehrer und Fortgeschrittene einen kollegialen Umgang mit den Lernenden pflegen.

Ein Jahr lang für die Aufnahmeprüfung geübt

Julian Losigkeit hat ihm damals von seinem Studium erzählt. Er wollte probieren, ob er das auch schafft, obwohl er zuerst nicht so recht geglaubt hat, dass er den Anforderungen der Aufnahmeprüfungen genügen könne. Doch nach dem Abitur 2014 habe er ein Jahr lang täglich mehrere Stunden geübt – auch Klavier, weil das als Zweitinstrument verlangt wird. Und er hatte Erfolg: In Mannheim und Stuttgart wurde er zum Jazz-Studium zugelassen. Er entschied sich für Mannheim und wechselte nach zwei Jahren nach Köln.

Im Rheinland spielt er jetzt in einem halben Dutzend Bands: alles Projekte, in die sich alle Beteiligten einbringen. Jobs als Sideman habe er keine. In den Bands gebe es auch Musiker aus der Kurpfalz – etwa in der Kapelle 17. Mit Pianist Paul Janoschka spielt er in der Formation Jazz Schorle. Janoschka kommt aus Offenbach. Wenn die beiden Pfälzer in Köln „Schorle“ erklären und das Maß beschreiben, staunen die Rheinländer.

Kontakt in die Südpfalz noch intensiv

Der Kontakt zur Pfalz sei immer noch intensiv, nicht nur wegen des Festivals in Klingenmünster, wo er schon öfter gespielt hat. So habe die Kapelle 17 im Haus von Janoschkas Eltern schon Aufnahmen gemacht.

Nach dem Bachelor-Abschluss will Kaltenbach weiter bis zum Master studieren. Auch dafür muss er zunächst eine Aufnahmeprüfung bestehen. Auch dem Jazz will er treu bleiben. Keiner seiner Kollegen würde die Musik an den breiten Publikumsgeschmack anpassen wollen. „Jazz hat ein kleines Publikum. Das weiß man aber vorher“, sagt er. Wichtiger als das große Geld sei ihm, das Zuhörer offen sind, sich auf Neues einlassen und Spaß beim Zuhören haben.

x