Kultur Südpfalz Jeder fühlt sich ausgenutzt

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Die Kammeroper München ist bekannt für ihre flotten und anspruchsvollen Inszenierungen – und das hat das junge Ensemble mit seinem Gastspiel in der Landauer Festhalle am Dienstag einmal mehr bewiesen. Mozarts „Così fan tutte“ wurde unter der Regie von Beka Savi auch 228 Jahre nach der Premiere zu einer „Schule der Liebenden“, in der man mit größtem Vergnügen auch drei Stunden die Schulbank drückte, um Altbekanntes neu zu erfahren.

Ist es ein Jahrmarkt der Eitelkeiten? Ein Karussell der Lustbarkeit? Oder ein schief geratener Kronleuchter, der ein in Schieflage geratenes Liebesnest zweier durcheinander gewirbelter Paare bescheint? Das fantastische Bühnenbild von Céline Demars ist alles in einem und bringt die Facetten des „Dramma giocoso“ mit jener Eleganz und Leichtigkeit auf den Punkt, die auch in Mozarts Musik liegt. Dies um so mehr, als das Kammerorchester München nicht mit schwerem Gerät, sondern mit einer schlanken, beweglichen, transparenten und deshalb überraschend gestaltenreichen Besetzung anreist. Dirigent Nabil Shehata, der in seine raffinierte Bearbeitung sogar Akkordeon und Gitarren integriert hat, lässt seinen Musikern viel Raum für dynamische Ausgestaltungen, fordert aber auch Zurückhaltung, ja sogar Stille, wo man sie aushalten muss. Den Sängern entzieht er damit den gewohnt wohligen, in Sicherheit wiegenden Klangteppich und fordert sie zu besonders intensiven, intimen Interpretationen heraus, die der launigen Gaukelei auf der Bühne einen tiefen Ernst entgegensetzen und glaubhafte Gefühle inmitten eines künstlich aufgebauschten Spektakels spürbar machen. Allen voran Anna Malesza, die als sehr überzeugende Fiordiligi ihre schon wankende Treue noch mit dem Gewehr verteidigen will und dabei spürt, dass sie dieses Fels-in-der Brandung-sein vielleicht mit einem versteinerten Herzen bezahlt. Von solch weit ausholenden Gegensätzen – zu denen auch die aparte Wechselwirkung der italienischen Arien und der in ein zeitgemäßes Deutsch übertragenen Rezitative gehört – lebt diese charmante Inszenierung, die stets die Balance zwischen Klamauk und Ernst wahrt. Dazu tragen auch die Kostüme bei, die Uschi Haug für den schmuddelig teuflischen Don Alfonso (Frederik Tucker), die puppenhaften, fast weiß geschminkten Schwestern Fiordigili (Anna Malesza) und Dorabella (Irene Weber) und die komödiantisch zwischen Kobold und Fee verortete Despina (Theodora Raftis) entwarf. Despina und Alfonso geben im grotesken Drama die abgetakelten Lebensklugen, die man mit keinen hehren Absichten und moralischen Credi beeindrucken kann. Schließlich wissen sie: „Così fan tutte“ – so machen es alle – erst ewige Treue schwören, dann einen anderen begehren. Als Lehrer in der „Schule der Liebenden“ sind sie für die beiden jungen, unerfahrenen, romantischen Paare ein Desaster. Niemals hätten sich Ferrando (Byran Lopez Gonzales) und Guglielmo (Daegyun Jeong) auf die Wette mit dem schwarzen Magier der Lüste einlassen und ihre Geliebten auf die Probe stellen dürfen. Denn am Ende dieser fulminanten Zeitraffer-Studie, die man ganz im Sinne der Requisite von George Martin auch als Schachspiel verstehen kann, sind vier Liebende die Blamierten, und jeder fühlt sich ausgenutzt. Das hat viel Ähnlichkeit mit modernem Kammertheater und passt erstaunlich sinnfällig auch in unsere Zeit. Dafür gab es Applaus im gut besuchten Haus.

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