Rheinpfalz Jeder einzelne Mensch ist gefragt

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Eine große, lange Kaffeetafel im Foyer des Pfarrheims in der Marienstraße, etwa 30 Männer, Frauen und Kinder aus Hauenstein, aus der Umgebung und aus fernen Ländern sitzen beieinander, unterhalten sich, oft mit Händen und Füßen, nippen an der Kaffeetasse und probieren vom Kuchen. Das „Café der Freundschaft“ hat geöffnet, zum elften Mal inzwischen.

Die Resonanz ist erfreulich. Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia, aus Albanien, dem Kosovo und Aserbaidschan erleben hier das, was die vom Pfarrfest übrig gebliebene Stellwand ausdrückt: „Refugees welcome“. Das „Café der Freundschaft“ ist eine von Ehrenamtlichen ins Leben gerufene Stätte der Begegnung zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Alle 14 Tage hat man geöffnet. „Wir wollen einfach nur zeigen: Wir sind da. Ihr seid nicht allein. Ihr seid willkommen“, sagt Christiane Wilmes, in Hauenstein arbeitende Vorderpfälzerin. Sie hatte sich in Landau beim dortigen „Café Asyl“ erkundigt, ob denn auch Asylsuchende aus Hauenstein und Umgebung nach Landau kommen könnten. Dort war weder ein Ja noch ein Nein zu hören, sondern ein Vorschlag: „Gründen Sie doch einfach selbst ein Café Asyl!“ Aus dem Vorschlag aus Landau wurde das „Café der Freundschaft“, dessen Namen auf einen Vorschlag von Ortschef Bernhard Rödig zurückgeht, an den sich Christiane Wilmes gewendet hatte. Im Pfarrheim treffen wir Abeba, 22 Jahre alt. Sie war mit ihrer Mutter aus Eritrea in den Sudan geflüchtet. Die kriegerischen Auseinandersetzungen und der damit verbundene Terror dort veranlassten sie, sich auf den weiten und gefährlichen Weg durch die Sahara zu machen. Vier Wochen war sie zumeist zu Fuß unterwegs, ständig in Angst vor Überfällen. Sie erreichte Libyen und floh von dort aus in einer Gruppe von insgesamt 360 Männern, Frauen und Kindern über das Mittelmeer nach Italien: „Die vier Schlauchboote waren total überfüllt, man hatte ständig Todesangst“, berichtete sie. Über Catania auf Sizilien kam sie schließlich nach Deutschland, seit knapp einem Jahr lebt sie in Hauenstein: „Ich liebe Deutschland“, sagt sie und sehnt sich nach einem Wiedersehen mit ihrem Verlobten Ephraim, der in Stuttgart eine vorübergehende Heimat gefunden hat. Auch die siebenjährige Ferdoz aus dem Sudans ist im Pfarrheim dabei. Sie kam ebenfalls auf abenteuerlichen Wegen und über das Mittelmeer nach Europa: „Viel lang“ habe das alles gedauert und „ganz große Angst“ habe sie auf dem Boot gehabt, weil „manche heruntergefallen sind“, berichtet sie. Trotz der brutalen Geschichten, die das Kind auf der Flucht erlebt hat: Sie wirkt fröhlich, aufgeweckt, besucht die zweite Klasse der Hauensteiner Grundschule, geht „gerne in die Schule“ , findet Rechnen „babyleicht“, liest und schreibt gerne, wird gar nicht fertig mit der Aufzählung ihrer Freundinnen und springt ab und an auch als Dolmetscherin ein. Sie wird ihren Weg gehen … Dolmetschen tut im Pfarrheim vor allem auch Zion, die aus Eritrea stammt und seit 1980 in Deutschland und seit etwa einem Jahr in Wilgartswiesen lebt. Sie sieht in der derzeitigen Situation „mehr Chancen als Probleme“ und sagt einen Satz, der als Programm zur Bewältigung und zur Gestaltung der sogenannten Flüchtlingskrise dienen könnte: „Jeder einzelne ist gefragt, Antworten zu finden, als Mensch, nicht als Nation.“ Viele gute Antworten sind der kleinen Arsema zu wünschen: Sie ist in Deutschland geboren und ein knappes Jahr alt. Auf dem Rücken ihre Mutter Merhavit, die als Schwangere die Flucht angetreten hatte, war sie zum „Café der Freundschaft“ gekommen. Als die hochschwangere Meravit kurz vor der Niederkunft weinend vor dem Hauensteiner Rathaus angetroffen wurde, hat eine der Ehrenamtlichen, die auch für das „Café der Freundschaft“ verantwortlich zeichnen, spontan ihre Antwort gegeben und der jungen Frau geholfen. Und mit ihr haben sich inzwischen zahlreiche Männer und Frauen gefunden, die in Hauenstein helfen, den Flüchtlingen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Es wurde ehrenamtlich ein Sprachkurs auf die Beine gestellt, bei dem zweimal wöchentlich die ersten Wörter und Sätze in Deutsch vermittelt werden. „Es ist ein Vorbereitungskurs und soll den Einstieg in die offiziellen Integrationskurse erleichtern“, sagt eine Lehrerin. Ehrenamtliche helfen bei Behördengängen, begleiten in die Kleiderstube der Pfarrei, sind Ansprechpartner in Fragen des täglichen Lebens. Zum Pfarrfest hatte die KJG eine Aktion zugunsten der Flüchtlinge gestartet, eine „Wand der Wünsche“ gefüllt und mit einer Cocktailbar rund 460 Euro für die Aktion des BDKJ Speyer „#stand_up & help“ erlöst. „Nicht nebeneinander, sondern miteinander“ wolle man der Situation gerecht werden, sagt Verbandsbürgermeister Werner Kölsch. Er sei „eng im Gespräch“ mit den Ehrenamtlichen, alle vier Wochen treffe man sich zum runden Tisch, um Probleme gemeinsam anzugehen. Derzeit seien knapp 70 Flüchtlinge in Hauenstein, deren Unterbringung bislang keine Probleme bereite, weil Wohnraum vom freien Markt angeboten worden sei. 56 weitere Personen seien angekündigt. Er sei überzeugt, dass auch sie ihren Platz in der Gemeinde finden werden. (rhp)

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