Kultur Südpfalz Intensiv in der Farbe, kraftvoll im Ausdruck

Placeholder-Image

Ausdrucksstarke, farbintensive und Kraft strotzende Kunst ist aktuell im Artelier 21 in Rheinzabern zu sehen. Jürgen Braun aus Neuhofen und Martin Schöneich aus Bad Bergzabern pflegen einen spannenden, kontrastreichen Dialog zwischen Malerei und Grafik einerseits und Skulpturen andererseits.

Der Bildhauer Martin Schöneich ist besonders durch seine Großskulpturen und großformatigen „Kunstwerke am Bau“ bekannt. Seine konstruktiven, geometrischen Skulpturen entfalten aber auch im Kleinen, in begrenzten Innenräumen, eine großartige Raumwirkung. Unterschiedlichen Materialien, wie Bronze, Metall und Holz, gibt Schöneich abstrakte, lineare Formen. Er verbindet strenge, gerade Linien mit Rundungen, Biegungen und verleiht dadurch seinen Werken etwas Lebendiges, einen gewissen Esprit, so als hätte er kreisende Gedanken in den Stücken verarbeitet, als wolle er den unbelebten Objekten zu so etwas wie Herz, wie einem tieferen Sinn verhelfen. Die wenigsten haben einen Titel. Dazu gehört „Pendel“. Das Unikat, ganz in schwarz lackiert, weicht ungewöhnlich von der üblichen Optik eines Pendels es. Schöneichs Figur ist starr, die Bewegung scheint im einem extrem kurzen Moment eingefangen, fraglich, in welcher Richtung es weiter ausschlagen würde. Die schwarze Farbe täuscht über ein weiteres Geheimnis hinweg. Was von Weitem wie aus einem Material geformt erscheint, entpuppt sich beim genauen Betrachten und beim Befühlen als eine Kombination aus kühlem, glatten Stahl und warmen, minimal rauem Holz. Es bereitet fast eine kindliche Freude, auch an den anderen rot oder gelb lackierten Skulpturen die Übergänge, die Verbindungsstellen zu suchen. Die Kunst von Jürgen Braun kann, ja sollte intensiv und tiefgründig betrachtet werden, denn die aufwendig geschaffenen Malereien und Grafiken lassen sich in mindestens drei Gruppen einteilen. Braun sagt selbst von sich, dass er immer wieder neue Techniken ausprobiert, neue Verfahren entwickelt, um seine Kunst darzustellen. „Auf einer Stelle treten, das ist nichts für mich“, deshalb öffne er sich auch neuen Ausdrucksformen, wie der Digitalgrafik. Ein eingescanntes Foto kann der Anfang eines neuen Bildes sein. Das Motiv wird von Braun zerlegt, kompliziert berechnet und vergrößert, geteilt oder hinsichtlich der Farbe bearbeitet. Oft folgen ein oder zwei Zwischendrucke, diese werden erneut bearbeitet, um Ausschnitte von anderen Werken ergänzt, so lange, bis der der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist. Die Druckgrafiken zeigen eine unglaubliche Farbkraft, sind fast schreiend intensiv und dicht. Fast als eine Art Zwischenstufe dazu können die „Collagen“ angesehen werden, die gemalte Elemente und Computerarbeiten enthalten. Davon heben sich wiederum die Collagen von Jürgen Braun ab. Sie lässt er aus verworfenen Arbeiten entstehen, ergänzt die Schnipsel mit pastös aufgetragenen Farben, Trägermaterial ist vielfach alte, roh-braune Pappe, die wiederum fast dreidimensional auf Papier geklebt wird. Und schließlich sind noch Radierungen zu entdecken. Mit feinem Strich entwirft Braun seine Motive, seine Ätz-Radierungen können computerbasiert sein, er lässt sie unkoloriert, nur in den Schwarz- und Weiß-Nuancen des Druckes.

x