Kultur Südpfalz Inszenierungen fürs Auge
Wer sich die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins Wilhelmshöhe in Ettlingen ansehen möchte, darf nicht nur auf die Wände, sondern muss auch auf den Boden schauen. Andernfalls würde der Besucher ungewollt Kunst mit Füßen treten.
Die 1965 in Oldenburg geborene und in Köln lebende Künstlerin Dagmar Hugk hat bei ihrem Projekt „Archipel 1.0“ nämlich auch den Boden einer der beiden Ausstellungsräume im doppelten Sinne des Wortes belegt. Zu sehen sind teils sehr filigrane Muster, die als Bäume, Pflanzen, Getier oder Science-Fiction-Motive gedeutet werden könnten. Die aus schwarzem PVC gefertigten, fantasievollen Gebilde stehen in reizvollem Kontrast zu den farbstarken, zuweilen fast grellen Arbeiten an den Wänden. Gemeinsam ist ihnen eine mitunter ins Unwirkliche reichende Beziehung zur Natur. Die recht weit in der Welt herumgekommene und von der Malerei herkommende Künstlerin sammelt – im Garten, beim Spaziergang oder auf Reisen – gerne auf, was ihr so ins Auge fällt. Das mögen Blätter, Blüten, Fruchtschoten oder Steine sein. Und sie hat schon in den 90er-Jahren angefangen, diese alltäglichen Materialien mit dem Makroobjektiv zu fotografieren, um sie anschließend mit Kunststoffflaschen, Latex oder anderem Material zu kombinieren. Zu analogen Fotozeiten entstanden so Collagen, mit den jetzigen digitalen Möglichkeiten sind am Computer noch sehr viel artifiziellere Bilder einer mikrokosmologischen Parallelwelt möglich. Ebenso speziell, aber ohne künstlerische Beigaben, ist die in Laos entstandene Fotoserie „Champasak“: Was man auf den ersten Blick für filigrane Unterwasserpflanzen halten könnte, sind winzige Insekten, für das bloße Auge als solche nicht zu erkennen „Nicht alles ist echt“, sagt Dagmar Hugk. Aber nicht immer ist auf den ersten Blick zu unterscheiden, was Natur und was künstliche Zutat ist. Das berührt auch das Medium Fotografie selbst, das durch die Digitalisierung im Guten wie im Schlechten völlig neue Möglichkeiten der Suggestion und Simulation eröffnet hat. In diesem Fall heißt das: Das realistisch erscheinende Bild bzw. Objekt täuscht, zumindest teilweise, Wirklichkeit nur vor. Die Künstlerin schätzt auch die Rauminszenierung. Vor Ausstellungen sehe sie sich die Räumlichkeiten genau an und stelle ihre Ausstellungsstücke dann entsprechend darauf ab. So sind auch einige Arbeiten erst für die Ettlinger Schau entstanden. Info Bis 13. März im Kunstverein Wilhelmshöhe, Schöllbronner Straße 86, Ettlingen. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. (yst)