Rheinpfalz Insel für Schwarzspecht und Co

Die weiße Welle am Baum rechts zeigt es an: Hier handelt es sich um ein ökologisch besonders wertvolles Waldstück. Die sogenannt
Die weiße Welle am Baum rechts zeigt es an: Hier handelt es sich um ein ökologisch besonders wertvolles Waldstück. Die sogenannte Altholzinsel im Geiselberger Gemeindewald wird 30 Jahre lang aus der forstlichen Bewirtschaftung genommen. Das an Laubbäumen reiche Gebiet darf sich sozusagen in einen Urwald zurückverwandeln und soll zahlreichen Arten wertvollen Lebensraum bieten.

Wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schützen ist das Anliegen der Gemeinde Geiselberg, die seit einem Monat eine Altholzinsel im Gemeindewald ausgewiesen hat. Die knapp ein Hektar große Fläche in der Abteilung Weiherhalde wird 30 Jahre lang aus der forstlichen Bewirtschaftung genommen. Dafür erhält die Gemeinde einmalig 9500 Euro Fördergeld.

Geiselberg

habe interessante Flächen und einen biologisch wertvollen Wald, konstatiert Sabine Hoos, die Projektleiterin des EU-Projekts „Life-Biocorridors“, in dessen Rahmen der Naturschutz in der Region eine besondere Aufmerksamkeit erfährt. Gemeinsam mit Revierleiter Christof Wagner hatte sich Hoos im Vorfeld die in Frage kommende Waldfläche angeschaut und als sehr geeignet für das Projekt beurteilt. Gefördert wird es von der Europäischen Union über das Life-Biocorridors-Projekt und vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium. Das Waldstück, das Wagner vorgeschlagen hat, erfüllt die Kriterien, die an förderfähige Altholzinseln gestellt werden. So sollen die Flächen, die sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite ausgewiesen werden, vorrangig mit Laubhölzern bestockt sein. Mindestens zehn Bäume pro Hektar müssen einen Brusthöhendurchmesser von mindestens 50 Zentimetern ausweisen oder ein besonderes Habitatmerkmal wie eine Spechthöhle besitzen. Bei der Voruntersuchung der vorgeschlagenen Fläche – der Umwandlung in eine Altholzinsel hatte der Rat, wie berichtet, zugestimmt – war schnell klar, dass die Fläche zahlreiche Merkmale aufweist, die sie ökologisch wertvoll und im Sinne des Projekts besonders schützenswert macht. Es sei ein Buchen-Kiefern-Eichen-Mischwald, konstatierte Hoos. Die Bäume seien im Schnitt 147 Jahre alt. Besonders interessant sei, dass viele Bäume Spechthöhlen aufweisen und das Schwarzspechtvorkommen in dem Bereich hoch ist. Es gebe viel Totholz, dass sich bereits in der gewünschten Zerfallsphase befinde. Das spreche für das Gebiet, ebenso die Nähe zur Kernzone des Pfälzerwalds in der Gemarkung Heltersberg und dass es in der Nähe Biotopbaumgruppen gebe. Auch die angrenzende Glatthaferwiese, die sehr artenreich ist, sei ein Pluspunkt der Fläche. Sie befindet sich auf dem Weg Richtung Seeborn/Seetal. Zu erkennen ist sie an einer weißen Welle, die die Ränder des schützenswerten Waldteils kennzeichnet. Die Fläche wurde genau kartiert, die lebenden Bäume wurden per GPS-Gerät erfasst und vermessen. Zugleich wurden alle besonderen Habitate wie Spechthöhlen, aber auch der genaue Zustand der Baumrinde, wenn biologisch interessant, festgehalten. In die Forsteinrichtung, die derzeit für Geiselberg neu erstellt wird, werde die Fläche entsprechend aufgenommen, sagte Wagner. Für den Forst bringe die Ausweisung die Verpflichtung mit, die Fläche 30 Jahre lang nicht zu bewirtschaften. Ausnahme: Wenn ein Baum quer über den Weg rund um die Altholzinsel fallen würde, dürfte er aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Auf der Fläche darf kein Nadelholz angepflanzt werden, Holzpolter dürfen dort nicht angelegt werden. Im Umkreis von 100 Metern dürfen die Jäger nicht kirren (Futter auslegen, um Wild anzulocken) oder Salzlecken anbringen. „Wir sind uns der Verantwortung sehr bewusst“, sagte Bürgermeister Georg Spieß zur Entscheidung für das Projekt. Die 9500 Euro erhält die Gemeinde quasi als Entschädigung dafür, dass sie 30 Jahre lang keinen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Waldgebiet zieht. Umso höher werde allerdings der ökologische Nutzen sein. Während des Projektzeitraums werden die natürlichen Veränderungsprozesse in der ausgewiesenen Totholzinsel genau erfasst. Es gehe darum, alte Buchen und Höhlen für Schwarzspechte zu erhalten, ergänzte Wagner. Wo Spechte Höhlen schaffen, profitierten auch andere Höhlenbrüter wie Meisen und Kleiber als Nachmieter. Aber auch Säugetiere nutzten gerne verlassene Spechthöhlen als Lebensraum, sagte Hoos. Die Entscheidung für das Projekt zeige, dass in Geiselberg ein großes Interesse am Naturschutz bestehe.

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