Rheinpfalz In Waldfischbach geht man „zum Laudemann“

„Wir machen eins nach dem anderen, bauen der Reihe nach um und aus“, sagt Elke Sweeney. Gemeinsam mit ihren Eltern Fritz und Hilde Laudemann sowie Bruder Volker Laudemann betreibt sie das Gasthaus „Zum deutschen Kaiser“ in Waldfischbach-Burgalben. So nennt die Gaststätte allerdings niemand. In Waldfischbach-Burgalben gehen die Leute „zum Laudemann“ – seit 1893.
Zum Charme des Hauses gehört, dass Geschichte hier noch sichtbar ist. Und doch gibt es, sukzessive, Veränderungen. Seit etwa zehn Jahren besteht beispielsweise die Möglichkeit, an sonnigen Tagen das Bier, das seit 1899 die Parkbrauerei liefert, im Biergarten zu trinken. Der wurde klein angefangen, im Laufe der Zeit ausgebaut. „Ganz fertig sind wir immer noch nicht“, sagt Elke Sweeney. Gerade ist die an den Biergarten angrenzende Scheune für den Betrieb nutzbar gemacht worden. „Ich habe ja schon viele Biergärten gesehen. Und war immer begeistert, wenn zum Biergarten eine Scheune gehört“, sagte Sweeney. Eine Scheune gab es bei Laudemanns auch. Schließlich war es einmal ein landwirtschaftlicher Betrieb gewesen. Fritz Laudemann, mittlerweile 79 Jahre, fand die Idee seiner Tochter, was die Scheunennutzung anbelangt, gut. Er machte sich persönlich ans Werk, sorgte für eine passende Decke, um den Raum richtig nutzen zu können. Es wurde entrümpelt, gesäubert, gehämmert und gesägt. Eine kleine Theke wurde eingebaut. Die Einrichtung den Anforderungen entsprechend, die Dekoration passend zur Scheune. Nur nicht übertreiben, ist eine Devise, die im Gasthaus Laudemann schon immer Tradition hat. „Die Leute mögen es“, erzählt Elke Sweeney. Die Scheune ergänzt den Biergarten hinter dem Haus, der mittlerweile 60 Plätze bietet. Inklusive einem sonnigen, lauschigen Eckchen. Einer der liebsten Plätze von Sweeney selbst. „Hier stand früher mal der Wutzestall“, bestätigt Papa Fritz. Geschichte, Ortsgeschichte ist auch im Biergarten erlebbar. Ein alter Brunnen, in den die Jahreszahl 1889 gemeißelt ist, ist zu entdecken. „Das ist der Überlauf der damals frei durch Waldfischbach laufenden Wasserleitung“ erzählt Fritz Laudemann. Dass die Tochter mal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, in dem sie – das ist gute Tradition im Familienunternehmen Laudemann – von Kindesbeinen an geholfen hatte, „das war nicht unbedingt abzusehen“, sagt Elke Sweeney. Sie hat eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolviert, in Frankfurt gearbeitet und mit ihrer Familie dort gelebt. Ehemann Martin und die drei Kindern Kevin, Kieran und Mara, die längst die Familientradition fortsetzen und im Betrieb helfen, wenn erforderlich. Als das Kreditkartenunternehmen, für das sie arbeitete, aus Frankfurt wegging, gab es eine Abfindung – und die Idee zu bauen. „In Frankfurt war das schlicht zu teuer“, sagt sie rückblickend. Gebaut wurde im Heimatort und Elke Sweeney stieg in den elterlichen Betrieb ein, brachte ein paar Ideen mit. Wie die des Biergartens. Ganz zaghaft, auf einer Grünfläche vor dem Haus zur Straße hin, nahm dieser seine Anfänge. „Alles andere als ideal“, sagt Sweeny. Es folgte der Umzug in die Hofeinfahrt. „Schon besser, aber immer noch nicht optimal“, rekapituliert sie den Werdegang. Zumal längst der erste Flammkuchenofen angeschafft war, die Flammkuchenabende immer größeren Anklang fanden. So breitete sich der Biergarten aus, rückte von der Einfahrt neben der Gaststätte hinters Haus. Dort war Platz vorhanden. Den hatten in den Jahren zuvor die Hasen genutzt, „die durften da rumhoppeln“, erzählt Sweeney lachend. Ihre nächste Idee – „irgendwann mal“, sagt sie schmunzelnd: Kies als Bodenbelag im Biergarten. Aber es bleibt bei der Devise: eins nach dem anderen. So wurde auch bei der Scheune vorgegangen. Sie war eher als Abstellraum genutzt worden, dann geräumt und wird mittlerweile gastronomisch genutzt. Auch das Flammkuchenangebot, stark nachgefragt, wurde ausgebaut. Die Öfen stehen unter dem Vordach der Scheune. „Bei uns wird eben kein fertiger Flammkuchen in den Ofen geschoben, sondern jeder Flammkuchen wird frisch belegt“, sagt Sweeney. Und wird einmal ein Flammkuchen mit Tomaten gewünscht und es sind keine Tomaten im Haus, dann schwingt sich Fritz Laudemann kurzerhand auf das Rad und fährt Tomaten kaufen. Es gibt eine kleine Speisekarte im Biergarten. Was im Angebot ist, wird auf eine Tafel geschrieben. Das Herz des Familienbetriebes, da gebe es keinen Zweifel, „das ist meine Mama Hilde“, sagt Elke Sweeney. Deren Kochkünste, vor allem die typischen pfälzischen Gerichte, „die mögen die Leute“. So sehr, dass verschiedene Veranstaltungen oft lange im Voraus ausgebucht sind. Heringsessen an Aschermittwoch oder die Büffetsonntage von Ende August bis Mai. Es wird viel gefeiert im Gasthaus. Familienfeiern jeglicher Art. Altweiberfastnacht wurde wieder belebt, und es gibt Konzerte, beispielsweise im Biergarten mit Michael Zobeley. Der spielt im Winter aber auch schon mal im Saal. 100 Plätze hat dieser, dazu kommen 45 Plätze im Gastraum und 15 Plätze in einem kleinen Nebenzimmer. Am morgigen Samstag ist zum Serenadenabend eingeladen. „Bei uns ist immer was los“, sagt Elke Sweeney zufrieden. Zwei Chöre proben hier regelmäßig, es gibt verschiedene Stammtische, es mischen sich Jung und Alt bei den Gästen. „So wie es sein soll“, sind sich die Laudemanns einig.