Landau RHEINPFALZ Plus Artikel In der Partyszene daheim

Schwärmt für das Abenteuerland von Pur: Wolfgang Bartl alias Rick Knaller.
Schwärmt für das Abenteuerland von Pur: Wolfgang Bartl alias Rick Knaller.

„Ich könnte sonntagmorgens um acht Uhr aus dem Bett springen und von jetzt auf gleich Party machen“, behauptet der Bornheimer Wolfgang Bartl, der vielen auch als Rick Knaller ein Begriff ist.

Unter diesem Künstlernamen mischt er seit fünf Jahren die Pfälzer Partyszene auf. Seine private Vorliebe gilt dagegen mehr dem deutschen Schlagerpop. Pur, Wolfgang Petry oder Matthias Reim sind hier seine Helden, denen er gerne nacheifern möchte.

Momentan ist er aber, wie sich im Laufe dieses Artikels zeigen wird, noch auf einer ganz anderen Schiene unterwegs. Mit „Heut’ nacht bin ich dein Vampir“ hat der Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter mit dem schönen Namen Giulia, die zurzeit noch lieber Kinderlieder als die Werke ihres Erzeugers mitsingt, gerade seine erste Single online veröffentlicht. Dass es dazu kommen konnte liegt an dem Album, das Knaller gerne als seine Inselplatte vorstellt.

„Schlager gehören einfach dazu“

„Abenteuerland“ von der Gruppe Pur. Die hat Rick das erste Mal im Alter von elf Jahren im Hause seiner schlagerbegeisterten Eltern gehört, wo Tag für Tag die Gassenhauer aus der damaligen Hitparade liefen. „Wenn meine Familie feierte, gehörte Schlagermusik einfach dazu“, so Knaller-Bartl, „das hat mich inspiriert und darum hat mich dieser Stil auch mein Leben lang begleitet“. Von Petrys Hölle, Hölle, Hölle über Nenas Luftballons bis zu Peter Schillings Major Tom – Patrick kannte sie alle auswendig und schmetterte lauthals mit, wenn sich diese Platten irgendwo auf dem Teller drehten. „Ich lieb’ dich (egal wie das klingt)“, „Ein graues Haar“ und natürlich „Abenteuerland“, all die ganzen auf dieser gleichnamigen LP versammelten Pur-Erfolge übertrafen für ihn jedoch alles, was er bis dahin gehört hatte.

Und dann kam das Ereignis, was ihn bis heute nachträglich geprägt und beeindruckt hat und ihm unvergesslich bleibt – Mama und Papa Bartl packten Klein-Patrick ins Auto und fuhren mit ihm nach Mannheim zum Open Air-Konzert von Pur. Die riesige Menschenmenge, die laute Musik, die perfekt inszenierte Lichtshow – Patrick war mittendrin im Abenteuerland und hin und weg. So begeistert wie er damals war, fällt es schwer zu glauben, dass es neben einem Toten Hosen-Gig das einzige Livekonzert bleiben sollte, das er bis heute jemals besucht hat.

Mit dem Keyboard wurde es nichts

Wieder daheim kam bei seinen Eltern die Idee auf, ihren gesangstalentierten Sprössling zum Keyboardunterricht anzumelden. Eine krasse Fehlentscheidung, wie sich schnell herausstellte. Patrick hatte dafür nämlich überhaupt keine Lust und wollte lieber Tierarzt als Musiker werden. Und seine Leidenschaft für Fußball für die Keyboardspielerei aufzugeben, kam für ihn erst recht nicht in Frage. Zwei Jahre quälte er die Tasten, bis alle Beteiligten einsahen, dass aus ihm niemals ein neuer John Lord werden würde.

Kaum dem nervenden Unterricht entronnen, stürzte sich der Teenager ins Feierleben und machte von nun an die Clubs und Diskotheken der Gegend unsicher. Das ging über Jahre so hin. Nebenbei schloss er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann ab und gründete eine Familie. Seine Freunde belächelten sein Faible für deutschen Schlager, tolerierten es aber, zumal Patrick umgekehrt für alle Genres ein offenes Ohr hatte.

Schwärmen für den Ballermann

2015 urlaubte Bartl dann zum ersten und einzigen Mal auf Mallorca. Die Musik, die er dort zu hören bekam, führte ihn zum endgültigen Wendepunkt in seinem Leben. „Malle entfachte das Feuer in mir“, schwärmt er, „Jürgen Drews, Mickie Krause, Jürgen Milski und wie sie alle heißen, die dort groß sind. Einfach toll. Ballermann und Malle – das ist meine Welt. Spaß, Freiheit und Party!“. Zurück in Deutschland, wollte der einst eher schüchterne Bartl nun ebenfalls Ballermann-Sänger werden.

Was ihn dazu gebracht hat, den Schalter im Kopf umzulegen und von null auf hundert vor Publikum zu singen, weiß er selbst nicht so genau. Aber der innere Druck war plötzlich da und ließ sich nicht mehr bändigen. Der Lebensgefährte seiner Tante, Horst Ruess, in der Szene als DJ HalliGalli bekannt, half ihm dabei seinen Traum zu verwirklichen. Als der 2017 bei einer privaten Party auflegte, gab er Bartl, der ab sofort Rick Knaller hieß, die Chance mit dem Markus Becker-Hit „Die schönste Frau der Welt“ erstmals öffentlich aufzutreten. Der Erfolg war überwältigend und ermunterte den Newcomer zum weitermachen.

Auszeit wegen Corona

Wieder im Paket zusammen mit HalliGalli stand der gebürtige Landauer schon bald im Garten des Bistros „Horstklause“ erneut auf der Bühne, jetzt schon mit einem 30 Minuten-Programm. Wenig später machte er die Bekanntschaft von Markus „Das rote Pferd“ Becker und teilte sich mit ihm schon kurz darauf die Bühne der Halle 101 in Speyer. Von hier aus ging es zum Songcontest Pfalz nach Ludwigshafen und anschließend zur Show „Der große Schlagerabend“ nach Neidenfels. Es lief gut für Rick Knaller, der sich in seiner neuen Rolle als Sänger immer wohler fühlte.

Doch dann kam Corona und stoppte alle weiteren Aktivitäten. Die Auszeit nutzte Bartl für die Produktion seiner bereits erwähnten Vampir-Single. Vieles hat sich für ihn in den letzten Jahren verändert, seiner Liebe zum Pur-Abenteuerland ist er allerdings stets treu geblieben. Stilistisch will er sich künftig auch über Partyschlager hinaus orientieren. „Es wäre sogar eine Option „Abenteuerland“ zu covern“ sinniert Rick Knaller, „was aber aufgrund der unterschiedlichen Stimmlage von Hartmut Engler und mir schwierig werden könnte. Wenn überhaupt, würde ich den Song darum auf meine ganz eigene Art und Weise interpretieren. Reizen würde es mich aber auf alle Fälle, mich meiner Inselplatte auf diese Weise noch mehr zu nähern als dies sowieso schon der Fall ist.“

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