Landau RHEINPFALZ Plus Artikel „Im Westen nichts Neues“ als Theaterstück in der Landauer Festhalle

Das Stück „Im Westen nichts Neues“ zeigt die Sinnlosigkeit des Krieges und die Zerbrechlichkeit des Friedens.
Das Stück »Im Westen nichts Neues« zeigt die Sinnlosigkeit des Krieges und die Zerbrechlichkeit des Friedens.

Das eindrucksvolle Gastspiel des a.gon Theaters aus München hinterlässt Spuren: Ach wäre Remarque doch weniger aktuell.

Kriegsbegeistert lässt Lehrer Kantorek seine Klasse martialische Gedichte aufsagen und fordert die Jungs auf, sich freiwillig zu melden. Sie haben keine Ahnung, was auf sie wartet. Schon in dieser ersten von vielen, kaleidoskopartig aneinander gereihten Szenen wird deutlich, wie Krieg funktioniert. Man muss ihn vorbereiten, nicht nur mit entsprechender Aufrüstung, man muss ihn die Köpfe der Menschen pflanzen. Man muss Hass in die Herzen säen, wie es Lehrer Kantorek macht, die passenden Gedichte dazu finden sich. Man muss von Idealen reden, damit die Jugend bereit ist, zu töten und zu sterben.

Letzteres sagt man nicht direkt, das merken die jungen Männer dann schon selbst. So wie Paul Bäumer, der sich mit seinen Klassenkameraden freiwillig gemeldet hat und sich in der Hölle des Schützengrabens wiederfindet. Ein paar bewegliche Barrikaden und die historischen Aufnahmen vom Dauerbeschuss im Niemandsland samt Geschützdonner reichen als Setting aus. Das Grauen des Krieges wird in den Worten deutlich. In geradezu poetischen Formulierungen beschreibt Paul, wie der Krieg ihn verändert. Was ihm einmal wichtig war, was ihm Freude bereitet hat, nichts davon bleibt übrig. Wie auch, wenn der Krieg die Kameraden um ihn herum vernichtet.

Es ist ein sinnloses Grauen. Der Neuling an der Front, der den ersten Tag nicht überlebt. Der Schulfreund, der an der Amputation seines zerschossenen Beines stirbt. Im Lazarett sammeln sich die Verwundeten und Zerfetzten zusammen mit den psychisch Zerstörten. Das Ensemble des a.gon Theaters zeigte in vielen verschiedenen Rollen eindrücklich das schnelle und das langsame Sterben, die psychische Zerrüttung der Sensiblen und die Verrohung der Unsensiblen. In der Lazarettszene trifft alles aufeinander. Paul Bäumer, der die Entfremdung von sich selbst wahrnimmt und aufschreibt, der väterliche alte Arzt, der sich um seine Patienten bemüht. Der junge Soldat, der den Krieg nicht mehr erträgt. Die brutale Ärztin, die mit allen Mitteln die jungen Männer wieder kriegsfähig machen will, und die Krankenschwester, die ihre Arbeit nur noch mit Wodka erträgt.

Gabriel N. Walther machte die ebenso stille wie tiefe Verzweiflung deutlich, die Paul Bäumer fühlt. Im Heimaturlaub kann er seiner Mutter nichts von den schrecklichen Erlebnissen erzählen. Der Mutter seines gefallenen Schulkameraden verschweigt er, wie elend dessen Tod war. Selbst die Hurra-Patrioten im Wirtshaus erträgt er schweigend. Nur in der Schule bricht es aus ihm heraus, als er die Jüngeren für den Kriegseinsatz begeistern soll. Leidenschaftlich vermittelte Walther als Paul Bäumer, wie grauenhaft die Realität des Krieges ist. Wie man nicht mehr weiß, ob man noch lebt oder eigentlich schon tot ist – zumindest innerlich.

Die Inszenierung brauchte nicht viel, um die Verwüstung der Seelen und die Sinnlosigkeit des Sterbens zu vermitteln. Dank der Intensität des Ensembles wurde klar, dass der Krieg ganze Generationen zerstört. Selbst die Überlebenden werden nie wieder so sein können wie vor dem Krieg. Es trifft jeden, auch Paul Bäumer. Kurz vor dem Ende des Krieges, an einem Tag, der so ruhig war, dass der Heeresbericht sich auf „Im Westen nichts Neues“ beschränkte.

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