Rheinpfalz
Im Geoskop auf Burg Lichtenberg wird Juri Gagarins erste Erdumrundung lebendig
Auf riesiges Interesse stieß die erste „Yuri's Night“ am Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg am Freitag. 60 Besucher hatten schließlich das Glück, die erste Erdumrundung eines Menschen vom sicheren Boden des Museumsfoyers aus nachvollziehen zu können. Wie der Pionier Juri Gagarin hatten sie ausreichend Verpflegung an Bord – Oliver Allmang sorgte für ein russisches Buffet.
„Cedar an Dawn. Mir geht es gut.“ Der 1968 tödlich verunglückte Juri Alexejewitsch Gagarin wird lebendig an diesem 12. April im Foyer des Urweltmuseums. Es knistert und rauscht, und obendrein sind die Sätze auf russisch gesprochen – dennoch sind auf den Tag genau 58 Jahre, nachdem der damals 27-Jährige Pilot im Jahr 1961 als erster Mensch die Erde vom Weltraum aus gesehen hat, der Tyrannosaurus und die Kunstausstellung drumherum vergessen. Die Blicke heften sich auf die Leinwand, auf der der Film „Yuri's Night“ flimmert: 108 Minuten, aufgenommen 2011 vom Astronauten Paolo Nespoli aus der Internationalen Raumstation ISS heraus, als diese in einem ähnlichen Orbit wie damals Gagarin in seiner engen Kapsel unterwegs war, und ergänzt durch einige Originalaufnahmen, die den Pionieren der bemannten Raumfahrt Gesichter geben.
Ab und an reißt die Funkverbindung ab
Um 6.07 Uhr Weltzeit startete damals die Wostok-Rakete, im heutigen Weltraumbahnhof Baikonur, und stieg hoch und höher über den Weiten Sibiriens. Sie erreichte den Erdschatten über dem Pazifik und verließ ihn nahe Afrika wieder, trat schließlich wieder in die Atmosphäre ein und entließ Gagarin als Fallschirmspringer in sieben Kilometern Höhe zur Landung nahe der Wolga. 50 zu 50 war die Chance, dass der Flug gelingen würde, und tatsächlich ging einiges schief – Martin Bertges vom Arbeitskreis Astronomie am Geoskop, der Initiator der Veranstaltung, hat viele Informationen gesammelt zu wirklich allen Themen, die mit jener Premiere zusammenhängen. Er teilt sie in Häppchen mit, vor und während des Films. Das sorgt für Kurzweil gerade dann, wenn die Funkverbindung wieder einmal abgerissen ist und minutenlang nichts zu sehen ist außer düsteren Wolken über einem nächtlichen Pazifik, ab und an durchzuckt von Wetterleuchten und Südlicht.
Stets aufs Neue fasziniert
„Ich sehe die Erde! Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit!“ Gagarins Worte werden durch Untertitel verständlich, doch die Begeisterung kann der Zuschauer auch erspüren, ohne des Russischen mächtig zu sein. So geht es auch Martin Bertges, der sagt, dass er den Film über die Webseite der Europäischen Weltraummission ESA schon x-mal gesehen habe und stets aufs Neue fasziniert sei. Damit ist er nicht der Einzige unter den Zuschauern. Etliche kennen den Film, es gibt aber auch Novizen, die längst nicht nur aus dem Landkreis angereist sind. Viele haben Fragen: Warum Radio Moscow die Nachricht in englischer Sprache verbreitete, warum die Flugbahn auf der Landkarte wie eine Welle verläuft, warum immer wieder Funkstille herrscht, ob man den Flug im Falle eines Falles überhaupt hätte abbrechen können?
„Wiederholung nicht ausgeschlossen“
Der Hunger nach Informationen und die Lust auf Abenteuer sind freilich nicht die einzigen Bedürfnisse, die befriedigt werden an diesem Abend im Zeichen Russlands: Gagarin war mit Tubennahrung versorgt, schließlich hätte sich seine geplante einmalige Erdumkreisung auf Tage ausdehnen können, wenn die Bremsraketen versagt hätten. 58 Jahre später sind nicht nur die Sitzgelegenheiten bequemer: Im Seminarraum des Geoskops warten Platten und Schüsseln voller russischer Gerichte, Eier, eingelegte Gurken und Tomaten, viel Rote Beete, viel Schmand, Süßes und Deftiges mit Kartoffeln, Kraut und Paprika. „Das hier heißt ,Fisch unterm Pelz’“, erläutert Küchenchef Oliver Allmang vom „Keiler“ in Horschbach, der auf eine Idee von Geoskop-Leiter Sebastian Voigt hin ein russisches Buffet zu „Yuri's Night“ beisteuert.
Die Rezepte stammen von Nina Walter, die über 15 Jahre in Allmangs Restaurant gearbeitet hat. „Die Namen all der Gerichte kenn ich immer noch nicht“, erzählt der Koch lachend. „Aber sonst habe ich viel von Nina gelernt.“ Am Ende gibt es großes Lob fürs Gesamtkonzept, und Voigt sagt: „Wiederholung nicht ausgeschlossen.“
Info
Am Mittwoch, 12. Juni, 19.30 Uhr, beschäftigt sich Martin Bertges in einem Vortrag im Seminarraum des Museums mit dem „Wettlauf zum Mond“. Im Mai steht der „Krähenberg“-Meteorit im Zentrum der astronomischen Veranstaltungen: am Mittwoch, 1. Mai, 19.30 Uhr, in einem Vortrag von Reinhard Flößer in der Zehntscheune, und am Sonntag, 5. Mai, genau 150 Jahre nach dem Einschlag, mit einer Exkursion nach Krähenberg auf der Sickinger Höhe. Anmeldung und Details unter www.urweltmusuem-geoskop.de.